Nationalspieler wie Popstars gefeiert

Foto: Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images

Manuel Neuer und Co. wurden empfangen wie Popstars. Als der Kapitän und seine Nationalmannschaftskollegen Timo Werner, Leroy Sané und Julian Brandt die Aula der Leipziger Oberschule betraten, kreischten die Schüler begeistert, zückten ihre Handys und bedachten ihre Idole mit viel Applaus.

Zumindest das Verhältnis zum Nachwuchs wurde durch das Horrorjahr 2018 des entthronten Weltmeisters nicht getrübt. Doch bei zahlreichen Fans hat die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes durch das blamable Vorrunden-Aus bei der WM in Russland viel Kredit verspielt. „Wir wissen“, betonte Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff auf dem Podium, „dass unsere Leistungen nicht zufriedenstellend waren.“ Daher müssten die Spieler zum Jahresabschluss zunächst gegen Russland am Donnerstag (20.45 Uhr) in Leipzig und vier Tage später in Gelsenkirchen in der Nations League gegen die Niederlande (20.45 Uhr) „mit begeisterndem Fußball wieder Freude auf die Nationalmannschaft machen“.

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Für diese neue Freude sollen die jungen Wilden um Werner und Sané sorgen. „Wir wollen das Gesicht ändern und den jungen Spielern Chancen und immer mehr Platz geben“, versicherte Bierhoff. Der beherzte Nations League-Auftritt beim Weltmeister Frankreich (1:2) im Oktober dient als Mutmacher. Bundestrainer Joachim Löw räumte ein, dass „zwei Siege“ nach „einigen Enttäuschungen gut tun“ würden. Dafür ist besonders seine schwächelnde Offensive gefordert. Neun Tore in elf Länderspielen in diesem Jahr sind alles andere als ein Ruhmesblatt. Der Leipziger Werner versprach bei seinem „doppelten Heimspiel“ zumindest „ein Tor“. Mit sechs Treffern in der Bundesliga untermauerte der 22-Jährige seine gute Form. Daran änderte auch ein Fehlschuss beim Training im Dauerregen auf das leere Tor nichts.

„Wenn sie treffen, steigert das ihr Selbstvertrauen“

Der derzeit bärenstarke Marco Reus verpasste die Einheit auf dem RB-Gelände aufgrund einer Fußprellung – sein Ausfall wäre ein schmerzlicher Verlust. Doch auch ungeachtet des Dortmunders boten sich Löw in der Offensive kleine Hoffnungsschimmer. Sané (drei Treffer) kommt bei Manchester City immer besser in Schwung, Serge Gnabry erzielte zuletzt sein erstes Tor im Bayern-Trikot und leitete bei der Niederlage im Liga-Gipfel in Dortmund die beiden Münchner Treffer ein. „Wenn sie treffen, steigert das ihr Selbstvertrauen. Und wenn sie mit Selbstvertrauen zur Nationalmannschaft kommen, ist das wünschenswert“, sagte Löw, der besonders Werner „eine sehr gute Phase“ attestierte.

In Frankreich wirbelte das Trio Werner-Sané-Gnabry die Abwehr des Weltmeisters öfters durcheinander. Diese Unbekümmertheit macht Löw Hoffnung für die Zukunft – auch wenn der Klassenerhalt in der Nations League nicht mehr in der eigenen Hand liegt und der Sturz in die europäische Zweitklassigkeit droht. „Die Jungen haben gezeigt, dass sie Potenzial haben. Das Frankreich-Spiel war schon ein Fingerzeig in diese Richtung“, sagte der Bundestrainer. Für das Leipziger Publikum aber offenbar auch nicht mehr: Nur rund 30.000 Karten wurden bisher für das Spiel gegen den WM-Viertelfinalisten Russland abgesetzt. „Wir hätten gerne ein volles Haus. Es gibt viele Komponenten. Am Ende hängt es auch mit uns zusammen“, sagte Bierhoff selbstkritisch.

Die jungen Wilden sind sich ihrer Pflicht bewusst

Die Spieler sind sich ihrer Pflicht jedenfalls bewusst, besonders die jungen Wilden wollen sich in Abwesenheit von Toni Kroos (Schonung) und Julian Draxler (Trauerfall in der Familie) erneut in den Vordergrund spielen. „Wir können uns gegen Russland noch mehr beweisen und Druck ausüben“, sagte Sané. Die Aufgabe in der Oberschule mit abschließendem Gruppenbild und vielen Autogrammwünschen bewältigten sie jedenfalls mit Bravour.