Nations League-Absteiger sind „frustriert“ und „genervt“

Foto: Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images

Joachim Löw redete acht Minuten auf seine Nations League-Absteiger ein, dann begann die Vorbereitung auf den Abschluss eines Horrorjahres. Ein Prestigesieg gegen die Niederlande am Montag (20.45 Uhr) in Gelsenkirchen soll zumindest einen versöhnlichen Ausklang bescheren.

Dann soll unter das schlechteste Länderspieljahr in der DFB-Geschichte mit bereits sechs Niederlagen ein Schlussstrich gezogen werden. „Ich bin froh, wenn ich endlich dieses Kapitel zuschlagen kann und es vorbei ist“, sagte Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff am Samstag in Leipzig. Der durch den Erfolg der Niederlande gegen Weltmeister Frankreich (2:0) besiegelte Abstieg aus der Division A habe „genervt“ und sei „frustrierend“, so Bierhoff. Aber: „Wir müssen uns an die eigene Nase packen. Wir haben uns selber in diese Position gebracht.“

- Anzeige -

Nach dem historischen WM-Debakel ist der Sturz in die europäische Zweitklassigkeit ein weiterer Imageschaden für den erfolgsverwöhnten Verband und ein neues Gefühl für die Profis. „Mir wurde gerade gesagt, dass bei uns in der Mannschaft außer Jonas Hector noch keiner die Erfahrung gemacht hat abzusteigen“, sagte Leon Goretzka. „Das fühlt sich natürlich nicht gut an.“ Sebastian Rudy fand es „sehr bitter“. Das Ausland reagierte mit Verwunderung. „Das hättest du nie gedacht, dass du so etwas mal erlebst“, schrieb die spanische Marca, während die italienische Gazzetta dello Sport titelte: „Für den deutschen Fußball schlägt die Stunde Null.“

„Wir wollen unsere Entwicklung weiter vorantreiben

Löw hat den Umbruch beim viermaligen Weltmeister eingeleitet, diese Verjüngungskur wird weiter fortgesetzt. „Er hat Lust, neue Dinge anzugehen und neue Impulse zu setzen“, sagte Bierhoff über den Bundestrainer, der schon das nächste Ziel ins Visier nahm. „Unser Blick richtet sich nach wie vor klar in Richtung der EM 2020, für die wir uns qualifizieren werden, und bei der wir wieder eine starke Mannschaft ins Turnier schicken wollen“, sagte Löw. Die Auftritte in Frankreich (1:2) und gegen Russland (3:0) dienen als Mutmacher, auch wenn das DFB-Jahr nicht mehr zu retten ist. Ein Sieg gegen den Erzrivalen am Montag soll weiteren Rückenwind für die im März beginnende EM-Qualifikation und einen Platz in Lostopf 1 bei der Auslosung am 2. Dezember in Dublin bringen. „Wir wollen unsere Entwicklung weiter vorantreiben“, sagte Bierhoff und betonte, dass man sich „viele Dinge wieder erarbeiten“ müsse.

Vor der Reise am Sonntag in die Sportschule Kaiserau trainierte das Team am Samstag noch einmal auf dem Gelände des Bundesligisten RB Leipzig. Der gegen Russland geschonte Marco Reus (Mittelfußprellung) und der verletzt ausgewechselte Hector (verstauchtes Sprunggelenk) waren dabei. Julian Draxler wird nach dem Trauerfall in der Familie auch gegen Oranje fehlen. Goretzka forderte für das letzte Spiel des Jahres, dass man die Leistung aus der ersten Halbzeit gegen Russland „über 90 Minuten“ zeige. Thilo Kehrer erklärte, dass man sich „nach einem Jahr, das für uns alle nicht gut gelaufen ist“, noch einmal von seiner guten Seite präsentieren wolle. Dass Löw dafür personelle Änderungen vornehmen wird, scheint klar. Toni Kroos, Mats Hummels und Nico Schulz dürften in die Startelf rücken. Thomas Müller steht vor seinem 100. Länderspiel – ein besonderes Jubiläum in einem Seuchenjahr.