Nelson wandelt auf Gnabrys Spuren

Foto: Joosep Martinson/Getty Images

Die TSG 1899 Hoffenheim hat sich in den vergangenen Jahren einen Namen als Sprungbrett für talentierte Spieler gemacht – mit Trainer Julian Nagelsmann als geduldigem Förderer. Nachdem im Vorjahr Serge Gnabry im Kraichgau aufblühte, verpflichtete die TSG nun mit Nelson Reiss ein Talent, das in seiner Spielweise und seiner Vita stark an den nach München abgewanderten Tempodribbler erinnert.

Am Samstag musste Nelson das Geschehen auf dem Platz 90 Minuten lang von der Ersatzbank verfolgen. Beim 1:1-Remis gegen Borussia Dortmund blieb dem 18-jährigen Offensivtalent nur die Statistenrolle, nachdem er zuvor zweimal als Joker zum Einsatz gekommen war. Es ist nichts Neues, dass junge Neuzugänge unter Nagelsmann zunächst eine Eingewöhnungszeit verordnet bekommen, um die taktischen Anforderungen des 31-jährigen Fußballlehrers zu verinnerlichen. So muss auch Nelson Geduld mitbringen. Klar ist aber auch, dass die Erwartungen an den bis zum Saisonende vom FC Arsenal ausgeliehenen Youngster hoch sind. „Ich freue mich sehr darüber, dass es uns gelungen ist, einen jungen Spieler mit solch außergewöhnlichen Fähigkeiten für uns zu gewinnen“, betonte TSG-Sportdirektor Alexander Rosen nach der Last-Minute-Verpflichtung des englischen Junioren-Nationalspielers. Bei seinem Debüt in Düsseldorf (1:2) zeigte Nelson als Einwechselspieler gleich, dass er eine Soforthilfe sein kann: Blitzschnell antizipierte er einen schlampig geklärten Ball, stieß mit explosivem Antritt in den Strafraum und schoss aus spitzem Winkel zum Ausgleich ein.

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Viele TSG-Fans dürften sich bei der Aktion an den im Sommer zum FC Bayern München zurückgekehrten Gnabry erinnert gefühlt haben, der Nelson in seiner Antritts- und Handlungsschnelligkeit stark ähnelt. Als Leihgabe verbuchte der 23-Jährige in der Vorsaison 17 Scorerpunkte für die TSG, obwohl er verletzungsbedingt nur 22 Spiele machte. Eine derartige Ausbeute wird vom fünf Jahre jüngeren Nelson nicht erwartet, wenngleich Nagelsmann Parallelen zwischen den Flügelspielern zog: „Reiss ist ein Spieler vergleichbar mit den Anlagen von Gnabry, vielleicht noch nicht so gut entwickelt.“ Nicht nur in der Spielweise bestehen Gemeinsamkeiten zwischen Nelson und Gnabry. Beide durchliefen die Jugend des FC Arsenal und machten dort ihre ersten Schritte im Profibereich. Gnabry suchte 2016 den Weg in die Bundesliga zu Werder Bremen, um Spielpraxis zu sammeln, Nelson jetzt zur TSG.

Nelson will „weiterhelfen“ – Nagelsmann freut sich über Flexibilität

Der 18-jährige Offensivakteur erhofft sich in Hoffenheim den entscheidenden Schritt hinein in den Männerfußball – ein reiner Schnupperkurs soll das Intermezzo in Deutschland aber keineswegs werden, wie er betonte: „Ich bin vielmehr überzeugt davon, dass ich dem Klub mit meinen Qualitäten auch dabei helfen kann, seine ehrgeizigen Ziele in drei Wettbewerben zu erreichen.“ Verstecken muss sich der hochveranlagte Lockenkopf nicht. Trotz hochkarätiger Konkurrenz brachte er es in der Vorsaison bei den „Gunners“ auf immerhin 16 Pflichtspiel-Einsätze, wurde aufgrund herausragender Leistungen in der U23 zudem zum Spieler der Saison in der Premier League 2 gewählt. Ähnlich wie Gnabry, der in Hoffenheim zum deutschen Nationalspieler avancierte, dürfte Nelson auch die Nationalmannschaft im Visier haben – für die englischen Junioren-Auswahlteams machte er in insgesamt 24 Spielen 15 Tore. Gelingt ihm in der Bundesliga der Durchbruch, spielt er sich auch bei „Three Lions“-Coach Gareth Southgate in den Fokus.

Nicht nur Nelson könnte von der Visite in Hoffenheim enorm profitieren, die Kraichgauer erhoffen sich ebenfalls einiges von dem Leihgeschäft. Gerade angesichts der immer noch aktuellen Verletztenmisere freut sich Nagelsmann über die zusätzliche Alternative in der Offensive, die zudem flexibel einsetzbar ist. „Er kann vier verschiedene Positionen spielen, die Zehn, die Acht und beide Außenstürmerpositionen“, meinte der TSG-Coach und lobte weiter: „Er hat ein unglaubliches Tempo, um hinter die Abwehrkette zu kommen. Er ist einer, der am Ball alles kann, aber noch nicht die Erfahrung hat.“ Alles wie bei Gnabry damals, den Nagelsmann zum gestandenen Bundesliga-Profi und Hoffnungsträger für die Nationalmannschaft formte. Gelingt ihm ähnliches auch mit Nelson? „Ich liebe es, Spieler zu entwickeln, jetzt halt mal einen Spieler eines anderen Klubs“, sagte Nagelsmann. Schon am Dienstag (20.30 Uhr) dürfte Nelson im Auswärtsspiel bei Hannover 96 zumindest als Joker seine nächste Bewährungschance erhalten.