Neue 96-Achse gesucht

Der Abschied von Hannovers Niclas Füllkrug nach Mönchengladbach wird immer konkreter. Es wäre das vierte Gesicht der „Roten“, das den Klub in diesem Sommer verlässt. Hochkarätige Verstärkungen sind schwer zu bekommen, die Verluste müssen auch intern aufgefangen werden. In den Fokus rücken zwei junge Hoffnungsträger.

In dieser Woche legte Gladbachs Sportdirektor Max Eberl sein finales Angebot für Füllkrug vor, eine Ablösesumme über 15 Millionen Euro ist im Gespräch. Der 96-Torjäger soll seinen Wechselwunsch bereits hinterlegt haben, bislang blockte Präsident Martin Kind aber jegliche Avancen ab. Nun zeichnet sich ein Ende des Pokers ab, ein Abschied Füllkrugs ist wahrscheinlich. Der Vorjahres-Aufsteiger Hannover muss bereits drei weitere Führungsspieler ersetzen. Martin Harnik kehrt zu Werder Bremen zurück, Felix Klaus wechselt zum niedersächsischen Rivalen VfL Wolfsburg und Salif Sané zieht es zu Vizemeister FC Schalke 04. Der Senegalese war genau wie Füllkrug absoluter Publikumsliebling und hinterlässt nicht nur sportlich, sondern auch als Typ eine Lücke im Mannschaftsgefüge. Gleiches gilt für den 30-jährigen Harnik, der als „heimlicher Kapitän“ zu den Wortführern im Team zählte.

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Somit bricht 96 mindestens ein Trio – womöglich gar ein Quartett – weg, das nicht eins zu eins ersetzt werden kann. Sportdirektor Horst Heldt erfährt aktuell, wie schwierig es ist, sich auf dem Transfermarkt gegen die ligainterne Konkurrenz durchzusetzen. Wunschspieler Vincenzo Grifo (von Gladbach nach Hoffenheim), Talent Pascal Köpke (von Aue zu Hertha) sowie Dominique Heintz (von Köln nach Freiburg) und Nicolai Müller (von Hamburg nach Frankfurt) haben eins gemeinsam: Sie alle entschieden sich gegen Hannover. Ein langer Atem auf dem Markt kann sich auszahlen – Ersatz muss aber auch aus den eigenen Reihen kommen.

Bebou und Anton müssen den nächsten Schritt machen

Als Führungsspieler werden in der kommenden Saison nicht nur die erfahrenen Routiniers Philipp Tschauner (32) und Pirmin Schwegler (31) sowie der noch länger mit einem Kreuzbandriss fehlende Edgar Prib (28) gefragt sein. Zusätzlich sind Talente wie Ihlas Bebou oder Waldemar Anton gefordert, den nächsten Schritt zu machen und mehr Verantwortung zu übernehmen. Anton zeigte in der zurückliegenden Saison mit konstant starken Leistungen, dass er in der Innenverteidigung oder auch im defensiven Mittelfeld zum absoluten Fixpunkt werden kann. Als Eigengewächs kennt er den Verein und genießt ein gutes Standing beim Anhang. Der U21-Nationalspieler hat in Hannover noch einiges vor, bei der Ehrung zu Niedersachsens Fußballer des Jahres Ende Mai bekräftigte er nochmals, dass ein Wechsel im Sommer kein Thema ist.

Noch nicht ganz so weit ist Flügelstürmer Bebou. Der 24-Jährige spielte wie Anton seine erste komplette Erstliga-Saison und überraschte in der Hinrunde mit fulminanten Auftritten sowie fünf Toren und einem Assist. In der Rückserie baute der togolesische Nationalspieler allerdings ab, immer häufiger setzte Trainer André Breitenreiter ihn auf die Bank. Ein Tor gelang ihm in diesem Jahr nicht. Ende April gab es deshalb Kritik vom Coach. Breitenreiter erkannte Stagnation bei seinem Schützling und forderte, aus diesem Formtief müsse er „wieder rauskommen“. Denn die Erwartungshaltung ist hoch, er soll maßgeblich Impulse in der Offensive setzen – und zumindest teilweise den Verlust von Klaus und Harnik auffangen.