Neue Eskalationsstufe in Hannover erreicht

Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images

Der Trainer angeschlagen, die Mannschaft am Abgrund – und der Klub heillos zerstritten: Mitten in der sportlichen Krise hat der Machtkampf bei Hannover 96 eine neue Eskalationsstufe erreicht. Der Vorstand um Präsident Martin Kind lehnt eine außerordentliche Mitgliederversammlung ab, obwohl die Opposition dafür genügend Stimmen gesammelt hatte.

Die Interessengemeinschaft „Pro Verein 1896“, die auf der Mitgliederversammlung die der Kind-Linie folgenden Aufsichtsräte Veronika von Lintel, Michael Beck und Valentin Schmidt abberufen wollte, bringt nun ihre Anwälte in Stellung. Der Vorstand verstoße „zum wiederholten Male gegen die Satzung des Vereins und geltendes Recht“, teilte die Organisation mit, es zeige „sich erneut der mangelnde Respekt des Vorstands vor den Vereinsmitgliedern und der Vereinssatzung.“

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Mit der nun geplatzten Mitgliederversammlung wollte „Pro Verein 1896“ Kind in seinem Ringen um die Allmacht bei 96 stoppen – durch die Installation von drei neuen Aufsichtsräten, die gegen Kinds Antrag auf eine Ausnahmegenehmigung bei der so genannten 50+1-Regel sind. Obwohl 1.271 gültige Stimmen für die außerordentlich Mitgliederversammlung abgegeben worden waren – nötig wären 1.145 gewesen –, lehnte der 96-Vorstand den Antrag ab. „Dazu wurde der Rat mehrerer Juristen eingeholt“, teilte der Verein mit, die Entscheidung sei „letztlich auf Basis eines unabhängigen Rechtsgutachtens“ getroffen worden.

Kinds Kampf um die Macht

Den Vorwurf, dass Kind die Mitgliederversammlung bis zur Entscheidung des Schiedsgerichts der Deutschen Fußball Liga über seinen Ausnahmeantrag zu 50+1 verhindern will, wies der 74-Jährige zurück: „Das hat nichts miteinander zu tun.“ 96 nannte vier Gründe, warum der Antrag abgelehnt wurde. Unter anderem fehle die „Eilbedürftigkeit“, weil die ordentliche Mitgliederversammlung schon lange auf den 23. März 2019 terminiert ist. Dort würden von Lintel, Beck und Schmidt ohnehin nicht mehr zur Wiederwahl antreten. Außerdem seien Ab- und Neuwahl der Aufsichtsräte nicht bei einer Versammlung möglich, 96 müsste daher „in zweieinhalb Monaten insgesamt drei (!) Mitgliederversammlungen abhalten. Das ist für Mitglieder weder vertretbar noch zumutbar“, hieß es. Kind steht nach der Mitgliederversammlung im März nach 20 Jahren nicht mehr als Klubvorstand zur Verfügung.

Die eskalierende Schlammschlacht kommt für Hannover auch sportlich gesehen zur Unzeit. Es wäre „gut und hilfreich, wenn die Reihen geschlossen sind“, hatte Sportdirektor Horst Heldt zuletzt gesagt. „Aber wenn das – aus welchen Gründen auch immer – nicht möglich ist, dann ist das eine Situation, die man annehmen muss.“ Allerdings gelingt dies dem Team von Trainer André Breitenreiter derzeit nicht, nach vier Niederlagen aus den letzten fünf Spielen sind die Niedersachsen nun Tabellenvorletzter. In Mainz muss Breitenreiter am kommenden Sonntag wohl gewinnen, sonst gerät sein Job ernsthaft in Gefahr. Er könne in dieser prekären Situation niemandem einen „Freifahrtschein“ ausstellen, sagte Heldt.