Neuer beginnt zu wackeln

Foto: Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images

Die deutsche Nationalmannschaft hat in den kommenden Tagen zwei wichtige Spiele vor sich. In der Nations League tritt die DFB-Auswahl gegen die Niederlande und Frankreich an. Vor den wegweisenden Partien hat Torwart Manuel Neuer mit Leistungsschwankungen zu kämpfen.

Erst der topmotivierte Erzrivale Niederlande, dann der offensivstarke Weltmeister Frankreich: Torhüter Neuer kommt in den wegweisenden Nations League-Spielen der deutschen Nationalmannschaft am Samstag (20.45 Uhr) in Amsterdam und am Dienstag (20.45 Uhr) in St. Denis eine Schlüsselrolle zu. Doch ausgerechnet jetzt gibt es erstmals in Neuers Karriere leise Zweifel an der Leistungsfähigkeit des Weltmeisters von 2014. Der 32-Jährige ist eines der Gesichter der Krise beim FC Bayern München, ja er hat sie mit seinem Fehler beim 1:1 gegen den FC Augsburg sogar mit eingeleitet. Seine Paradequote in dieser Saison, rechnete der Kicker vor, liegt in der Bundesliga nur noch bei 57,9 Prozent. Diese Marke wird nur von Hoffenheims Oliver Baumann (57,7) und Fabian Bredlow (46,7) in der Nürnberger Schießbude unterboten.

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In der Vergangenheit kam Neuer in der Regel auf eine Quote von rund 80 Prozent. Obwohl er selten gefordert war, war er doch verlässlich mit Klasse-Aktionen zur Stelle, wenn er gefragt war. Derzeit ist das nicht mehr stets der Fall, die Münchner Gegner verwerteten in dieser Spielzeit stolze 53 Prozent ihrer Chancen. Neuer ist dafür keineswegs allein verantwortlich, hat aber seinen Anteil. „Manuel ist eine Führungspersönlichkeit, allein seine Präsenz flößt dem Gegner Respekt ein und gibt meiner Mannschaft den nötigen Rückhalt“, sagte Bayern-Coach Niko Kovač. Das allerdings war Ende August. Obwohl Kovač ein großer Freund der Rotation ist und mit Sven Ulreich einen starken zweiten Mann hat, lehnt er Pausen für Neuer ab. „Ich weiß nicht, warum ich jetzt den Torhüter rotieren muss. Die haben wenig Belastung läuferischer Art“, sagte er nach dem Augsburg-Spiel.

Ter Stegen macht Druck von hinten

Joachim Löw ließ zuletzt gegen Peru (2:1) Neuers Stellvertreter Marc-André ter Stegen ran, den er als „kommenden Mann“ sieht. „Marc hat sich in den letzten zwei Jahren extrem gesteigert, er ist ein absoluter Weltklassekeeper auf allerhöchstem Niveau, hält hervorragend und ist fußballerisch sehr gut“, sagte der Bundestrainer im September. An der Rangordnung änderte dieses Lob nichts. Dabei hat Neuer auch weltweit in der Wahrnehmung seiner Kollegen nachgelassen. Von 2013 bis 2016 stand er noch in der Weltelf der FIFpro, der internationalen Vereinigung der Profifußballer, 2017 reichte es immerhin noch für die Shortlist mit fünf Torhütern. 2018 fehlt Neuer – dafür ist erstmals ter Stegen dabei.

Auch bei der WM schien Neuer nach monatelanger Verletzungspause nicht auf dem Zenit seines Könnens, wenngleich er, wie Löw betonte, eine „normale Leistung“ brachte. Dass er das Leistungsprinzip außer Kraft gesetzt habe, als er Neuer dem formstarken ter Stegen vorzog, wies Löw energisch zurück. „Wir sind wahnsinnig happy, dass wir Marc haben, der Manuel gleichwertig ersetzen kann, beide gehören zu den absolut Besten ihres Faches überhaupt. Aber im Moment ist Manuel die Nummer eins“, sagte Löw vor dem 0:0 beim Neustart nach dem WM-Desaster gegen Frankreich. Am Samstag gegen Oranje und beim zweiten Duell mit dem Weltmeister in der Nationenliga drei Tage später muss Neuer diesen Status rechtfertigen.