Neuling Havertz erntet Lob von allen Seiten

Foto: Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images

Am Sonntagnachmittag sollte Kai Havertz als Nachwuchsspieler des Jahres die Fritz-Walter-Medaille in Gold erhalten, doch der Hauptdarsteller ist leider verhindert. Der 19-Jährige wird am Abend (20.45 Uhr) in Sinsheim gegen Peru voraussichtlich sein Debüt in der deutschen Nationalmannschaft feiern.

Havertz war schneller, als es für Profis seines Alters normal ist – mal wieder. Der Leverkusener ist der jüngste Spieler der Bundesliga-Geschichte mit über 50 Einsätzen im Oberhaus (56, 7 Tore und 15 Vorlagen). Er bestritt bereits 30 Junioren-Länderspiele, obwohl der Kapitän der deutschen U19 die U21 gerade einfach übersprungen hat. Sein Klubtrainer Heiko Herrlich sieht in ihm „das größte Talent, das ich seit Toni Kroos gesehen habe“. Herrlich weiß, wovon er spricht: Er betreute den späteren Weltmeister Kroos, der 2008 die Fritz-Walter-Medaille in Gold bekam, als Junioren-Nationalcoach.

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Und so ist es kein Wunder, dass Joachim Löw beim Neubeginn mit der deutschen Nationalmannschaft neben Thilo Kehrer und Nico Schulz auf Havertz als einen von drei Neulingen setzt. Gegen Peru, das deutete Löw bereits an, werde Havertz debütieren. Der mit Abstand Jüngste in seinem Kader habe seit dem Treffen am Montag absolut überzeugt, berichtete Löw. „Kai hat eine unglaubliche Spielintelligenz, eine unglaubliche Technik und die Ruhe am Ball“, lobte der Bundestrainer. Havertz spiele auf engstem Raum saubere Pässe und habe eine enorme Präsenz auf dem Platz. „Kai ist einer der talentiertesten Spieler, die wir haben“, stellte Löw fest.

Bayer-Profi könnte Özil auf der Zehn ersetzen

Seit dem Abschied von Mesut Özil fehlt Löw ein klassischer Zehner. Der Weltmeister von 2014 sei zwar nicht direkt sein fußballerisches Vorbild, sagte Havertz einmal, „aber ich orientiere mich schon an Mesut Özil. Er spielt Fußball, wie ich ihn mag, strahlt Ruhe am Ball aus und wirkt nie gestresst.“ Als Spielertyp ähnele Havertz Özil sehr, meinte Leverkusens Sportchef Rudi Völler: „Er hat dieses Selbstverständliche, den Ball zu streicheln, einfache Dinge in voller Gelassenheit vorzubereiten.“ Wenn Havertz „im Kopf sauber bleibt“, sagte Bernd Leno, „kann er ein ganz Großer werden.“

Das richtige Umfeld hat Havertz jedenfalls. „Meine Familie wird nicht zulassen, dass ich abhebe oder arrogant werde. Da bin ich auch nicht der Typ für“, sagte er einmal der Rheinischen Post. Auch wenn er als Jungstar angehimmelt wird, sieht er keinen Grund, „sich für etwas Besonderes zu halten“. Allüren sind ihm fremd. Ein dickes Tattoo, wie es viele, auch junge Kollegen tragen, „macht bei meinem Körper keinen Sinn“, sagte er. Zum Ausgleich spielt er seit Kurzem Klavier. An Selbstbewusstsein mangelt es Havertz nicht. „Ich möchte in zwei Jahren bei der EM dabei sein, da bin ich 21 und in einem guten Alter“, sagte er dem Magazin 11Freunde. „Ich muss noch viel dafür arbeiten, aber es ist nicht unmöglich.“