Nürnberg mit neuer Last-Minute-Flügelzange

Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images

Bundesliga-Aufsteiger 1. FC Nürnberg zeigte zu Beginn der neuen Saison einige Probleme im offensiven Kreativbereich. Die Verantwortlichen handelten und verstärkten die Flügelpositionen kurz vor Ende der Transferperiode mit Matheus Pereira und Virgil Misidjan.

FCN-Coach Michael Köllner lässt für gewöhnlich im 4-3-3-System spielen und setzt dabei auf drei Angreifer in vorderster Reihe. Während die Sturmspitze mit Mikael Ishak stark besetzt ist, hatten die Franken auf den Außenpositionen zum Saisonstart noch Schwierigkeiten. Sommer-Neuzugang Yūya Kubo übernahm die Rolle als linker Flügelstürmer sowohl in Berlin (0:1) als auch gegen den 1. FSV Mainz 05 (1:1). Der Japaner tendiert allerdings eher ins Zentrum und lief bei KAA Gent meist als Mittelstürmer oder hängende Spitze auf. Auf der rechten Seite spielte bei der Hertha Edgar Salli, der keine Akzente setzen konnte und eine unglückliche Figur machte. Mit Federico Palacios Martínez rückte gegen Mainz wieder ein nomineller Mittelstürmer auf den Flügel.

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Die Auswahl an Flügelspielern war begrenzt, Köllner musste folglich improvisieren. Kurz bevor das Transferfenster auch in Deutschland schloss, schlugen die lange abwartend agierenden Nürnberger noch mal zu: Pereira wechselte auf Leihbasis für den Rest der neuen Saison von Sporting Lissabon nach Franken. Der 22-Jährige debütierte im Oktober 2015 für den Hauptstadtklub in der portugiesischen Liga NOS. Noch in derselben Spielzeit traf der Brasilianer dreimal in fünf Europa League-Spielen. In der darauffolgenden Saison erzielte Pereira zwar seinen ersten Ligatreffer, schaffte bei Sporting aber nicht den Durchbruch. 2017/18 war er an GD Chaves verliehen, wo er in 30 Pflichtspielen acht Tore und fünf Vorlagen beisteuerte. Pereira agiert als Rechtsaußen und soll mit Dribblings und Flanken für Gefahr von der rechten Seite sorgen.

Pereira und Misidjan sollen Kreativität bringen

Sein Pendant könnte der Niederländer Misidjan, genannt Vura, werden. Der 25-Jährige kam für 2,5 Millionen Euro vom bulgarischen Serienmeister Ludogorez Rasgrad und ist damit der teuerste Transfer der Nürnberger Vereinsgeschichte. Der Linksaußen machte seine ersten Gehversuche im Profifußball bei Willem II Tilburg. Nach 34 Eredivisie-Spielen zog Misidjan im Sommer 2013 nach Rasgrad, wo er sich in den vergangenen fünf Jahren zum absoluten Leistungsträger entwickelte: In 202 Pflichtspielen gelangen ihm 47 Treffer sowie 35 Vorlagen. Dabei lief der beidfüßige Angreifer 51 Mal in internationalen Wettbewerben auf.

Beide Flügelstürmer bestechen mit Geschwindigkeit und erheblichem Zug zum gegnerischen Tor. Pereira möchte sich außerhalb Portugals beweisen und möglicherweise für eine Zukunft bei Sporting empfehlen. Misidjan hingegen verfügt über erhebliche Profi-Erfahrung und wagt den nächsten Karriereschritt. Die Offensivakteure haben in der Länderspielpause die Möglichkeit, sich in der Mannschaft zu integrieren und in den Trainingsrhythmus zu kommen. Im Auswärtsspiel am 16. September beim SV Werder Bremen werden die beiden im Kader erwartet. Dann wird sich zeigen, ob die abwartende Transferstrategie des „Club“ von Erfolg gekrönt war. Für den Kampf um den Klassenerhalt wäre neuer Schwung über die Flügel jedenfalls goldwert.