Nürnbergs Problem in der Kreativabteilung

Foto: Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images

Der 1. FC Nürnberg hat sich auf dem Transfermarkt in diesem Sommer bislang aus finanziellen Gründen zurückgehalten. Dabei bestünde besonders in der offensiven Kreativabteilung noch Handlungsbedarf. Ansonsten müssten es in der kommenden Saison möglicherweise andere Spieler richten.

Das Geld in Nürnberg ist knapp. Sportvorstand Andreas Bornemann wird dieser Tage nicht müde, zu betonen, dass der Verein den weiteren Verlauf der Transferperiode abwarten wolle, bevor noch mal gehandelt wird. Die bisherigen Transfers beschränkten sich vornehmlich auf junge Talente. Dazu verpflichtete der „Club“ mit Torhüter Christian Mathenia und Rechtsverteidiger Robert Bauer Bundesliga-erfahrene Akteure für die Defensive. Mit Timothy Tillmann liehen sich die Franken einen offensiven Mittelfeldspieler vom FC Bayern München, auf den Flügeln stehen Sebastian Kerk und Edgar Salli im Kader des Aufsteigers.

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Darüber hinaus wird es auch schon dünn. Nürnberg verfügt zwar über vier Mittelstürmer und fünf zentrale Mittelfeldspieler, dazwischen jedoch ist die Auswahl (noch) beschränkt. Kapitän Hanno Behrens lässt sich durch die abwartende Herangehensweise der sportlichen Führung nicht verunsichern. „Ich war mir vor dem Trainingsauftakt sicher, dass dies kein Problem werden wird – und ich sehe mich nun darin zu hundert Prozent bestätigt“, meinte der 28-Jährige gegenüber dem Kicker. Zusammenhalt und Teamgeist seien groß genug, um die klamme Geldbörse der Nürnberger zu kompensieren.

Nur drei Profis im offensiven Mittelfeld

Erfahrungsgemäß erfordert eine Etablierung in der Bundesliga allerdings eine gewisse Qualität und Breite im Kader. Ob diese in der offensiven Schaltzentrale mit der Verpflichtung von Tillmann gewährleistet ist, bleibt abzuwarten. Der 19-Jährige gilt zweifellos als großes Talent und wusste zuletzt in der Regionalliga Bayern zu überzeugen (6 Tore und 7 Vorlagen in 31 Spielen). Es darf allerdings bezweifelt werden, dass der Übergang ins deutsche Fußball-Oberhaus reibungslos vonstattengehen wird. Tillmann ist eher ein Mann für die Zukunft, als eine probate Lösung für die Gegenwart. Der U19-Nationalspieler wird sich erst mal an das Tempo gewöhnen müssen und sich wohl über Kurzeinsätze sowie das Training empfehlen.

Viele Hoffnungen ruhen derweil auf Linksaußen Kerk. Der 24-Jährige bringt aus seiner Freiburger Zeit die Erfahrung von 29 Bundesliga-Partien mit. Dabei blitzte das Talent des Offensivspielers immer wieder auf, einen Stammplatz konnte er sich im Breisgau allerdings nie nachhaltig erobern. In Nürnberg stimmten die Leistungen zumeist, Kerk hatte allerdings viel mit Verletzungen zu kämpfen. Allein in der vergangenen Saison konnte er aufgrund eines Achillessehnenrisses gerade einmal drei Ligaspiele absolvieren. Dem Linksfuß mangelt es an Spielpraxis, seine Form zu Saisonbeginn ist schwer vorauszusehen.

Behrens und Löwen als hausgemachte Alternativen

Bliebe noch Salli, Kerks Pendant auf dem rechten Flügel. Der Kameruner ist 37-facher A-Nationalspieler und gewann mit den „unzähmbaren Löwen“ 2017 die Afrikameisterschaft. Der 25-Jährige spielte bereits in Frankreich (AS Monaco und RC Lens), Portugal (Académica Coimbra) sowie der Schweiz (FC St. Gallen). Nach Nürnberg wechselte er im Sommer 2016. In seiner ersten Saison absolvierte er 18 Ligaspiele (2 Tore, 2 Vorlagen), in der vergangenen waren es 23 (1 Tor, 2 Vorlagen). Salli ist bei den Franken weder wirklich unumstrittener Stammspieler noch großer Garant für Torgefahr. Nach den Abgängen von Kevin Möhwald und Tobias Werner sind die Flügelpositionen sowie die offensive Schaltzentrale jedoch mehr als spärlich besetzt.

Sollte der „Club“ in der Endphase der Transferperiode die passenden Neuzugänge nicht mehr bekommen, gäbe es andere Lösungsansätze: Spielführer Behrens und Shootingstar Eduard Löwen sind eigentlich als Achter respektive Sechser eher im zentralen Mittelfeld eingeplant, können aber auch offensiver agieren. Erstgenannter schwang sich in der Aufstiegssaison mit 14 Treffern zum Top-Torschützen der Franken auf. Löwen hingegen ist eine Allzweckwaffe, in der U21-Nationalmannschaft debütierte er sogar als Mittelstürmer. Auch in der Vorbereitung ergab sich die Tendenz, den 21-Jährigen weiter vorne spielen zu lassen. Noch haben die Nürnberger Verantwortlichen allerdings bis zum 31. August Zeit, weitere Alternativen zu schaffen.