Orban: „Ein kleiner Schönheitsmakel“

Foto: Karina Hessland-Wissel/Bongarts/Getty Images

Nach über 90 Minuten Einbahnstraßenfußball sah Ralf Rangnick am Donnerstagabend keinen Anlass mehr für falsche Bescheidenheit. Mit Leichtigkeit und viel Offensivdrang hatten die Sachsen das Hinspiel in der dritten Qualifikationsrunde der Europa League gegen den rumänischen Pokalsieger CS Universitatea Craiova mit 3:1 (1:0) gewonnen.

„Bei allem Respekt für den Gegner“, sagte der Trainer und Sportdirektor des Bundesligisten RB Leipzig, „wenn wir im Rückspiel erneut so seriös auftreten, dann mache ich mir keine allzu großen Sorgen.“ Der Einzug in die Play-off-Runde, der letzten Hürde auf dem beschwerlichen Weg in die Gruppenphase, scheint vor dem Rückspiel am kommenden Donnerstag angesichts des gravierenden Qualitätsunterschieds beider Teams nur Formsache zu sein. Rangnick blieb trotzdem professionell und diplomatisch. Nein, das Duell mit dem Außenseiter sei „natürlich noch nicht entschieden“, auch werde RB das Rückspiel „sehr ernst nehmen“. Aber: „Wir sind dann auch noch einmal eine Woche weiter in unserer Entwicklung. Es liegt an uns.“

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Dass sich Craiova überhaupt noch Hoffnungen auf ein Weiterkommen machen darf, liegt ebenfalls in der Verantwortung der Leipziger. RB ging grob fahrlässig mit dem enormen Chancenplus um. „Es hätte schon nach einer halben Stunde 2:0 oder 3:0 stehen können oder müssen“, sagte Rangnick. Zudem schaltete RB angesichts der komfortablen Führung durch Treffer von Ibrahima Konaté (25.), Matheus Cunha (77.) und Yussuf Poulsen (87.) gedanklich zu früh ab – und wurde dafür in der Nachspielzeit mit dem unnötigen Gegentreffer durch Ivan Martić (90.+4) bestraft. „Das ist ein kleiner Schönheitsmakel“, sagte Kapitän Willi Orban. Theoretisch reicht den Rumänen durch diesen im Rückspiel ein 2:0-Erfolg, um den Favoriten auszuschalten. Es ist ein unwahrscheinliches Szenario. „Die Chancen sind eher minimal. Es ist schwierig, gegen solche Mannschaften zu bestehen“, sagte selbst Craiovas Trainer Devis Mangia.

Luhansk oder Braga in den Play-offs

Leipzig hatte das Spiel stets unter Kontrolle. Selbst in schwächeren Phasen geriet die Führung nie in Gefahr. Der Qualitätsunterschied war zu groß, obwohl sich Rangnick den Luxus leistete, Leistungsträger wie Emil Forsberg, Marcel Sabitzer oder auch Poulsen zunächst auf der Bank zu lassen und spät einzuwechseln. Auf einen Einsatz von Nationalstürmer Timo Werner verzichtete der 60-Jährige sogar ganz. „Wir haben eine gute Ausgangslage. Wir wollen die nächste Runde fix machen“, sagte Orban. Bei einem Weiterkommen gegen Craiova müsste RB für den Einzug in die Gruppenphase noch Sorja Luhansk (Ukraine) oder Sporting Braga (Portugal) in den Play-offs ausschalten. Die Spieltermine am 23. und 30. August hat Rangnick bereits vorgemerkt.

(cbe/sid)