Ōsako: Vorsprung durch Flexibilität

Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images

Auf personeller Ebene beherrschte beim SV Werder Bremen vor dem Saisonstart eine Frage das Geschehen: Wer wird sich an der Seite von Kapitän Max Kruse in der Offensive einen Stammplatz erarbeiten können? Nach zwei Bundesliga-Spieltagen steht Sommer-Neuzugang Yūya Ōsako als großer Gewinner fest.

Der Japaner spürte nach einer starken Vorbereitung direkt zum Pflichtspielauftakt das Vertrauen von Trainer Florian Kohfeldt. Ōsako durfte in der ersten Runde des DFB-Pokals bei Wormatia Worms (6:1) von Beginn an auflaufen. Sein Kopfballtreffer zum 1:0 diente als Dosenöffner, in der Folge taten sich die Bremer deutlich leichter. Es war der erhoffte Auftakt in die neue Spielzeit, die Werder mit dem Ziel Europa ambitioniert angeht. Ōsako möchte zur Erfüllung dieser Vorgabe beitragen und setzte seine starken Leistungen in der Bundesliga fort. Sowohl gegen Hannover 96 (1:1) als auch bei Eintracht Frankfurt (2:1) durfte der Angreifer über 90 Minuten ran. Der erste Platz in der Offensive scheint vergeben.

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In Frankfurt hatte Ōsako mit seinem 1:0-Führungstreffer großen Anteil am ersten Dreier der Norddeutschen. Der SV Werder Bremen und der 28-Jährige – das scheint zu passen. Der Stürmer selbst hatte dies bereits vor seinem Wechsel vom 1. FC Köln an die Weser geahnt. „Unter Florian Kohfeldt hat Werder einen sehr aggressiven und attraktiven Angriffsfußball gespielt, und einen erfolgreichen dazu. Diese Art des Fußballs hat der Trainer im Gespräch mit mir auch für die nächste Saison angekündigt. Für diese Art des Fußballs bin ich prädestiniert. Es gab keine anderen Vereine, bei denen ich überlegt habe“, sagte Ōsako dem Weser-Kurier bereits im August.

Japaner möchte in den Zwischenräumen agieren

Dass er in Bremen bisher vornehmlich auf den beiden Flügeln agiert, macht dem Japaner zwar nichts aus – seine präferierte Rolle ist aber eine andere: Ōsako sieht sich selbst als Spieler für den Zwischenraum vor dem Spielmacher und hinter der Sturmspitze. Diese Position hatte der Rechtsfuß in Köln während der Saison 2016/17 bereits mit großem Erfolg eingenommen und seinem Partner Anthony Modeste fleißig zugearbeitet. Der Franzose hatte einige seiner 25 Saisontore Ōsako zu verdanken. Ähnlich wie Modeste könnte auch Kruse vom Japaner profitieren. Die Position, die der Angreifer selbst beschrieben hat, gibt es in dieser Form in Kohfeldts 4-3-3 allerdings nicht. Ōsako muss also vorerst auf die Außenbahnen.

Dass er sich dort auch wohlfühlt, bewies der Ex-Kölner in den ersten drei Pflichtspielen. Egal ob links oder rechts, Ōsako brachte Dynamik und Tempo ins Bremer Spiel. Der Neuzugang präsentierte sich sehr variabel – eine Eigenschaft, die Kohfeldt an ihm schätzt. „Yūya findet immer eine Lösung, auch in engen Räumen. Er hat eine gute Technik und weiß, wie er sich in Zwischenräumen bewegen muss. Dazu ist er im Offensivbereich flexibel einsetzbar bis hin zur Acht. Er bringt alles mit, was wir uns wünschen“, schwärmte der Übungsleiter bereits Ende Juli. Mittlerweile hat sich Ōsako einen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz erarbeitet.

Angreifer der Konkurrenz vorerst enteilt

Diese schläft jedoch keinesfalls: Florian Kainz machte durch sein Traumtor in Worms auf sich aufmerksam, Milot Rashica sicherte Werder durch seinen Last-Minute-Freistoßtreffer den späten Sieg in Frankfurt. Auch Martin Harnik ist heiß auf mehr Einsätze, Fin Bartels wird nach überstandenem Achillessehnenriss ebenfalls auf Spielzeit pochen. Doch sie alle können vorerst wohl nur auf den dritten Platz im Werder-Angriff hoffen. Ōsako wusste das Trainerteam und auch die Fans früh mit seiner Variabilität zu überzeugen. Der 28-Jährige kann in der offensiven Dreierreihe jede Position bekleiden – und wie Kohfeldt schon meinte: Zur Not sogar die Acht.