Ouvertüre gelungen: Deutschland schlägt Russland

Foto: Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images

Die deutsche Nationalmannschaft hat nach zuletzt zwei Niederlagen in Folge wieder ein Erfolgserlebnis feiern können. Die DFB-Auswahl setzte sich am Donnerstagabend in Leipzig mit 3:0 (3:0) gegen Russland durch und holte sich Selbstvertrauen für das UEFA Nations League-Spiel gegen die Niederlande.

Bundestrainer Joachim Löw veränderte seine Anfangsformation gegenüber dem 1:2 in Frankreich vor knapp einem Monat auf drei Positionen: Antonio Rüdiger, Jonas Hector und Kai Havertz ersetzten Mats Hummels, Nico Schulz (beide auf der Bank) und Toni Kroos (nicht im Kader). Russlands Coach Stanislav Cherchesov bot die beiden Ex-Bundesliga-Profis Roman Neustädter und Konstantin Rausch auf. Einige bekannte Namen wie Aleksandr Golovin, Alan Dzagoev, Denis Cheryshev und Artem Dzyuba fehlten den Gästen hingegen.

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Die deutsche Mannschaft erarbeitete sich von Beginn weg Feldvorteile, die Russen zogen sich zurück und fokussierten sich auf die Defensive. Die Gastgeber brauchten allerdings nicht lange, um die „Sbornaja“ ein erstes Mal zu knacken: Thilo Kehrer schickte Serge Gnabry in den Strafraum, der Bayern-Profi legte noch mal quer und Leroy Sané sorgte per Flachschuss mit seinem ersten Länderspieltreffer für das frühe 1:0 (8.). Wenig später verpasste Sané eine Hereingabe von Kehrer nur knapp (13.). Der Weltmeister von 2014 kombinierte in der Anfangsphase recht gefällig nach vorne. Russland brauchte eine gute Viertelstunde, um offensiv in Erscheinung zu treten: Rausch (17.) und Aleksey Ionov (18.) zielten aber jeweils deutlich zu hoch.

Süle und Gnabry legen nach – Russen kommen besser aus der Pause

Gefährlicher war weiterhin die DFB-Elf: Nachdem Sané mit seinem Kopfball nach Flanke von Havertz noch an Russlands Keeper Andrey Lunev scheiterte (23.), machte es Niklas Süle kurz darauf besser: Rüdiger verlängerte eine Ecke direkt auf seinen Abwehrkollegen, der aus kurzer Distanz nur noch zum 2:0 einschieben musste (25.). Auch für Süle war es sein Premierentreffer mit dem Adler auf der Brust. Nach einer knappen halben Stunde verfehlte Hector per Direktabnahme (30.). Löws Mannen kontrollierten die Partie und fuhren immer wieder ansehnliche Angriffe. Fünf Minuten vor der Pause erhöhten die Hausherren auf 3:0. Havertz spielte einen feinen Steilpass auf Gnabry, der Lunev von der Strafraumgrenze aus bezwang (40.).

Der WM-Gastgeber kam wesentlich griffiger aus der Kabine: Nach einem Ballverlust von Joshua Kimmich war die linke deutsche Seite offen, Ionovs Abschluss strich allerdings knapp am rechten Pfosten vorbei (48.). Im Gegenzug parierte Lunev Sanés Flachschuss aus 18 Metern (49.). Die Russen gestalteten den Start in Halbzeit zwei deutlich ausgeglichener: Kimmich machte eine Ecke der Gäste erst scharf, Hector klärte kurz vor der Torlinie (55.). Nach einer Stunde wechselte Löw erstmals und brachte Jonathan Tah für Rüdiger (60.). Die „Sbornaja“ suchte nun vermehrt selbst den Weg nach vorne, das deutsche Team tat sich nach Wiederanpfiff offensiv hingegen schwer. Julian Brandt und Sebastian Rudy ersetzten Timo Werner und Havertz (65.).

Wechsel zerstören den Spielfluss – Brandt vergibt die letzte Chance

Doch damit noch nicht genug mit dem munteren Wechselspiel: Für Hector ging es nach einem groben Foul von Aleksandr Erokhin nicht weiter, Nico Schulz musste ihn ersetzen (70.). Die Rotation behinderte den Spielfluss merklich, echte Gelegenheiten waren Mitte des zweiten Durchgangs Mangelware. Für die Schlussphase kam dann auch noch Thomas Müller aufs Feld, Gnabry hatte Feierabend (73.). Russland zeigte die besseren offensiven Ansätze, machte es der deutschen Abwehr aufgrund mangelnder Präzision zumeist aber leicht. Leon Goretzka kam für Sané in die Partie (77.), Müller verpasste eine flache Hereingabe von Schulz (78.). Zehn Minuten vor Schluss wagte Manuel Neuer einen Ausflug, Yuri Gazinskiy konnte kein Kapital schlagen (82.).

Brandt kam nach einer Ecke von Kimmich im Rückraum zum Abschluss, sein Schuss wurde beinahe noch ins Tor abgefälscht (88.). Danach passierte nicht mehr viel, Schiedsrichter Sandro Schärer pfiff nach vier Minuten Nachspielzeit ab. Deutschland besiegt Russland schlussendlich verdient mit 3:0. Eine junge DFB-Elf (24,46 Jahre im Schnitt) zeigte in den ersten 45 Minuten sehenswerten Offensivfußball und verlor nach dem Seitenwechsel wegen stärker werdender Gäste sowie zahlreicher Wechsel den Faden. Der nächste Schritt in Löws Verjüngungskur ist dennoch getan, dieser Heimsieg sollte Selbstvertrauen für das möglicherweise entscheidende Nations League-Duell mit der Niederlande am kommenden Montag (20.45 Uhr) geben.