Pereira mit Startschwierigkeiten in Nürnberg

Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images

Mit den Last-Minute-Transfers von Virgil Misidjan und Matheus Pereira wollte der 1. FC Nürnberg seiner lahmenden Offensive Schwung verleihen. Etablieren konnte sich bislang allerdings lediglich Erstgenannter, Pereira wartet nach vielversprechendem Start noch auf seinen Durchbruch in Franken.

Am dritten Bundesliga-Spieltag durfte der Brasilianer erstmals eine Kostprobe seines Könnens abgeben: Pereira stand beim Auswärtsspiel in Bremen (1:1) in der Nürnberger Startelf und zeigte einige sehenswerte Dribblings und Vorstöße. Nach 61 Minuten war für den 22-Jährigen Feierabend, er hatte einen guten Eindruck hinterlassen. Mit seiner Schnelligkeit und Wendigkeit deutete er an, dass er genau die Qualität liefern kann, nach der der „Club“ gesucht hatte: offensive Unberechenbarkeit. In der folgenden Partie gegen Hannover 96 (2:0) verzichtete Cheftrainer Michael Köllner allerdings auf den Rechtsaußen. Es schien, er wolle den jungen Flügelstürmer schützen und ihm die nötige Zeit zur Regeneration geben.

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Am fünften Spieltag erhielt Pereira einen unglücklichen Vier-Minuten-Einsatz bei Borussia Dortmund (0:7). Die Partie war beim Stande von 0:6 längst entschieden, der Brasilianer ging wie der Rest seiner offensiven Teamkollegen völlig unter. Die Reaktion auf die höchste Bundesliga-Pleite der Vereinsgeschichte folgte auf dem Fuß: Nürnberg schlug Fortuna Düsseldorf im Aufsteigerduell mit 3:0. Pereira durfte von Beginn an spielen, wurde aber zur Halbzeit durch Federico Palacios, der später den Endstand markierte, ersetzt. Damit war die Leihgabe von Sporting Lissabon bei der vielleicht besten Saisonleistung seines neuen Vereins der einzige Verlierer.

Brasilianer zuletzt nicht mal im Kader

Seither stand Pereira nicht mehr auf dem Platz: Das 0:6 in Leipzig musste er sich 90 Minuten lang von der Bank aus ansehen, beim 1:3 am vergangenen Samstag gegen die TSG 1899 Hoffenheim hatte er es nicht einmal in den Spieltagskader geschafft. Bei seiner Vorstellung im September hatte Pereira noch vom FCN und der Bundesliga geschwärmt. „Ich war sehr nervös, dass es klappt, wollte unbedingt nach Nürnberg kommen“, meinte der Offensivspieler laut Kicker. Ob sich diese positiven Gefühle mittlerweile verändert haben? Mit seiner Spielzeit kann der Linksfuß, der in Nürnberg Spielpraxis sammeln wollte, jedenfalls nicht zufrieden sein. Seine Unzufriedenheit kommunizierte Pereira in der Vergangenheit gerne auch mal offen.

Zum Saisonstart von Sporting Lissabon saß der Flügelstürmer bei Moreirense FC (3:1) nur auf der Bank und ließ sich danach zu einem kritischen Tweet hinreißen. Es gebe Dinge, die nicht zu verstehen sind, hieß es darin. Eine vereinsinterne Sperre war die Konsequenz, er kehrte erst am dritten Spieltag beim Stadtderby gegen Benfica (1:1) wieder in den Kader zurück. Erneut reichte es aber nicht zu einem Einsatz für den 22-Jährigen – und so beschloss er, sein Glück beim „Club“ zu versuchen. Die ehemaligen Bundesliga-Profis Bas Dost (VfL Wolfsburg) und Carlos Mané (VfB Stuttgart) hatten ihm den Wechsel schmackhaft gemacht. Pereira will spielen, findet sich aktuell aber auch in Nürnberg auf der Bank wieder – wenn überhaupt.

Schlägt die Euphorie in Frust um?

Noch hat der Sommer-Neuzugang nach Bankaufenthalten sein Smartphone in der Hosentasche gelassen. Dennoch können 110 Minuten Einsatzzeit nach acht Partien nicht der Anspruch des Brasilianers sein. Während Misidjan sich schnell zur Stammkraft in der „Club“-Offensive mauserte und sich bereits in die Torschützenliste eintragen konnte, hat Pereira Startschwierigkeiten. Die Franken treffen am Sonntag (13.30 Uhr) auf Eintracht Frankfurt. Dort wird sich zeigen, ob Köllner den Angreifer zumindest wieder in den Kader integrieren möchte. Ansonsten könnte Pereiras Anfangseuphorie ob des Wechsels nach Nürnberg ganz schnell in Frust umschlagen. Und dem wollte er ursprünglich ja entkommen.