Petrák etabliert sich auf der Sechs

Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images

Beim 1. FC Nürnberg lag der Fokus zuletzt auf der Offensive: Nach nur einem Treffer in den ersten beiden Bundesliga-Partien rüstete der „Club“ im Angriff ordentlich auf. Die Defensive stand dagegen weitestgehend stabil, was auch mit Ondřej Petrák zusammenhängt.

Während Top-Torschütze und Kapitän Hanno Behrens sowie U21-Nationalspieler Eduard Löwen in der vergangenen Saison im Nürnberger Mittelfeld deutlich mehr Aufmerksamkeit genossen, flog Petrák meist unter dem Radar. Der Tscheche absolvierte zwar 24 Ligaspiele, war aber selten unumstrittener Stammspieler. Oftmals kam er nur von der Bank und musste Löwen oder Patrick Erras den Vortritt lassen. In der neuen Spielzeit war der 26-Jährige dagegen zum Auftakt der gesetzte Abräumer vor der Viererkette. Sowohl im DFB-Pokal beim SV Linx (2:1) als auch in der Bundesliga bei Hertha BSC (0:1) und gegen den 1. FSV Mainz 05 (1:1) durfte Petrák über 90 Minuten auf dem Platz stehen und die Spielfeldmitte dicht machen.

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Dabei profitierte der Rechtsfuß zwar von Löwens Verletzungsproblemen, Trainer Michael Köllner sieht den 21-Jährigen aber ohnehin weiter vorne und plant mit ihm wohl auf einer Halbposition. Petrák muss sich folglich lediglich der Konkurrenz von Erras erwehren, der in der Vorbereitung und zum Saisonstart kein Land sah. Petrák ist nicht nur eine zuverlässige Konstante auf der Sechs, sondern auch der dienstälteste Spieler der Franken. Der defensive Mittelfeldspieler wechselte im Januar 2014 nach Nürnberg und ist damit der einzige Profi im aktuellen Kader, der vor dem Aufstieg bereits Bundesliga-Spiele für den FCN absolviert hatte. In der Rückrunde 2013/14 lief der gebürtige Prager elf Mal auf.

Tscheche steht vor endgültigem Durchbruch

Zum Anlass seines 100. Ligaspiels (2:0 gegen Eintracht Braunschweig) für Nürnberg, in dem ihm auch sein einziges Saisontor der abgelaufenen Spielzeit gelang, gab Petrák im Mai ein Interview für die vereinseigenen Kanäle. Darin erklärte er zum Abschluss: „Ich liebe einfach den ‚Club‘ und die Stadt.“ Kurz darauf wurde seine auslaufender Vertrag per Option bis mindestens 2019 verlängert. „Wir sind froh, dass wir auch in der kommenden Saison auf seine Erfahrung und seine Flexibilität bauen können“, meinte Sportvorstand Andreas Bornemann. Petrák genießt das Vertrauen des Vereins und auch das von Trainer Köllner. Das war nicht immer der Fall, die Beziehung zwischen dem FCN und Petrák hatte auch ihre Tiefen.

Nachdem der Tscheche 2014 als Talent von Slavia Prag nach Franken wechselte, konnte er die in ihn gesetzten Hoffnungen nicht auf Anhieb erfüllen. Petrák hielt dem „Club“ allerdings auch nach dem Abstieg die Treue und versuchte, sich in Nürnberg durchzubeißen. Die richtig guten Leistungen zeigte der Mittelfeldspieler zunächst aber hauptsächlich auf Länderspielreisen. Besonders bei der U21-EM 2015 konnte er überzeugen – ganz Nürnberg hoffte in der Folge auf den Durchbruch auf Vereinsebene. Dieser ließ allerdings weiter auf sich warten, häufig musste Petrák in die Innenverteidigung ausweichen.

Länderspiel-Nominierung als Belohnung

Mittlerweile hat der 26-Jährige seine Position gefunden und darf sie auch ausüben. Die guten Leistungen führten Petrák sogar zu seiner ersten Berufung in die tschechische A-Nationalmannschaft. Für die Spiele in der Ukraine (1:2) und in Russland (1:5) wurde er von Nationaltrainer Karel Jarolím nominiert, wenngleich ihm sein Debüt noch verwehrt blieb. Petrák hat sich allerdings auf den Radar gespielt. „Er hat zum Aufstieg Nürnbergs in die Bundesliga beigetragen und spielt in sehr ansehnlicher Form“, meinte Jarolím. Wenn Petrák sein aktuelles Niveau halten kann, wird auch das erste Länderspiel nicht lange auf sich warten lassen.