Rashica: Von der Pole-Position ins Abseits

Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images

Im Winter als Königstransfer bejubelt, im Sommer noch ermutigt und aktuell doch außen vor: Milot Rashica scheint in den offensiven Überlegungen von Werder-Coach Florian Kohfeldt momentan keine große Rolle zu spielen. Der Kosovare absolvierte in der laufenden Saison noch kein Pflichtspiel von Beginn an.

Die Konkurrenzsituation im Bremer Angriff ist in der sommerlichen Transferperiode deutlich verschärft worden: Mit Martin Harnik, Yūya Ōsako und Claudio Pizarro wechselten gleich drei neue Stürmer an die Weser. Kapitän Max Kruse ist ohnehin gesetzt, somit bleiben im gewohnten 4-3-3 nur zwei Positionen auf den Flügeln offen. Da Kohfeldt zuletzt des Öfteren auch mit lediglich zwei Stürmern agieren ließ, sind die Plätze noch umkämpfter. Zusätzlich zum Spielführer und den Neuzugängen bieten sich auch Florian Kainz und der aufblühende Johannes Eggestein an. Kohfeldt ist zur Rotation gezwungen, will er seine Offensivkräfte bei Laune halten. Dabei bleibt die prominenteste Neuverpflichtung des Winters allerdings auf der Strecke.

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Rashica hatte schon in der Rückrunde der vergangenen Saison leichte Startschwierigkeiten bei den Grün-Weißen: Der 22-Jährige, der die Norddeutschen immerhin satte sieben Millionen Euro kostete, absolvierte neun Ligaspiele, dabei gelang ihm ein Treffer. Von einem Stammplatz war der Rechtsaußen noch ein ganzes Stück entfernt. Als junger Profi, der aus einer kleineren Liga in die Bundesliga wechselt, ist das aber relativ normal. Mit der kompletten Saisonvorbereitung im Rücken sollte Rashica in der neuen Spielzeit durchstarten. „Milot macht wirklich schon in der Vorbereitung einen sehr, sehr guten Eindruck“, hatte Geschäftsführer Frank Baumann im August gesagt. Der Flügelstürmer könne „richtig spannend werden“.

Kosovare nach vielversprechendem Auftakt außen vor

Damit hatte er den kosovarischen Nationalspieler in die Pole-Position auf einen Platz neben Kruse gehoben. Dieser Erwartungshaltung konnte Rashica bislang nicht gerecht werden – auch, weil er nicht die Chance dazu erhielt. Lediglich 92 Spielminuten durfte der Offensivspieler in der Bundesliga auf dem Platz verbringen, dazu kommt ein zwölfminütiger Einsatz beim SC Weiche Flensburg (5:1) im DFB-Pokal. Dreimal stand Rashica überhaupt nicht im Spieltagskader der Bremer, dreimal musste er 90 Minuten auf der Ersatzbank schmoren. Damit verbuchte der 22-Jährige mit Abstand die geringste Einsatzzeit der gesamten offensiven Konkurrenz der Grün-Weißen. Dabei war der Saisonstart noch durchaus vielversprechend verlaufen.

Beim 1:1 gegen Hannover 96 am ersten Spieltag wurde Rashica in der 52. Minute eingewechselt und bereitete kurz vor dem Abpfiff den Ausgleich durch Theodor Gebre Selassie vor. Eine Woche darauf kam er erst in den Schlussminuten bei Eintracht Frankfurt (2:1) in die Partie und erzielte spät in der Nachspielzeit noch den Siegtreffer per direkt verwandeltem Freistoß. „Wir wissen, dass Milot eine starke Schusstechnik hat. Von daher war es gut, dass er sich den Ball genommen hat. Es freut mich für ihn, weil er nach der Einwechslung das Spiel belebt hat“, meinte Baumann. Diesen belebenden Effekt konnte Rashica am dritten Spieltag gegen den 1. FC Nürnberg (1:1) nicht einbringen, in den folgenden fünf Partien erhielt er keine weitere Chance dazu.

Flügelstürmer als Antwort auf die Fragen?

Bei den Pleiten gegen Bayer 04 Leverkusen (2:6) und Borussia Mönchengladbach (1:3) blieb Rashicas Einwechslung ebenfalls ohne Wirkung. Sein Vorteil könnte sein, dass auch die etablierten Kräfte zurzeit nicht an die Leistungen zu Saisonbeginn anknüpfen können. Lediglich Pizarro war in den vergangenen beiden Bundesliga-Partien erfolgreich, Kruse, Harnik & Co. hingen weitestgehend durch. Die aktuelle Bremer Schwächeperiode könnte Rashica die Gelegenheit auf mehr Spielzeit eröffnen. Werder verlor in den zurückliegenden Wochen den Anschluss an die Tabellenspitze, die Euphorie an der Weser hat erste Sprünge bekommen. Rashica könnte eine mögliche Antwort auf die Fragen sein, die Kohfeldt sich derzeit stellen muss.