RB und die Hoffnung auf Normalität

Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images

Jean-Kévin Augustin schrieb erst ein paar Autogramme, dann netzte er beim Spielchen nach Flanke von Nordi Mukiele locker ein: Bei ihrer Rückkehr ins Training gaben sich die zuletzt suspendierten Problemfälle am Montag gut gelaunt.

Bei RB Leipzig hofft man vor dem Heimspiel am Mittwoch (20.30 Uhr) gegen den VfB Stuttgart auf die Rückkehr zur Normalität. Der Handy-Skandal um Mukiele und Augustin rund um das Europa League-Spiel gegen den FC Red Bull Salzburg (2:3) war der bisherige Tiefpunkt diverser Undiszipliniertheiten, die sich französische Profis bei RB leisteten. Die Geduld von Trainer und Sportdirektor Ralf Rangnick ist aufgebraucht, die beiden Unruhestifter wurden für die Partie gegen Eintracht Frankfurt (1:1) suspendiert. Angeblich soll das Duo sich vor dem Spiel nicht rechtzeitig umgezogen und stattdessen mit Kopfhörern und Handys auf der Trainerbank gesessen haben. Dadurch kam die Mannschaft letztendlich zu spät zum Aufwärmen. „Es scheint so, als wenn manche Spieler die Europa League als lästige Pflicht sehen“, wetterte Rangnick.

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Nach der Salzburg-Blamage hatte Rangnick in Ibrahima Konaté einen weiteren französischen Spieler in aller Öffentlichkeit attackiert. „Ibu war gegen Hannover wieder verbessert, nachdem er zuvor schon zwei schwächere Spiele hatte“, stellte Rangnick fest und legte mit Blick auf eine Szene aus der Anfangsphase nach: „Nach seinem Ausrutscher konnten wir froh sein, dass der Schiedsrichter da nicht schon auf Notbremse entschieden hat.“ Während viele seiner Kollegen auf namentliche Kritik in der Öffentlichkeit verzichten, watschte Rangnick die Vertreter seiner „French Connection“ nicht zum ersten Mal vor den Medien verbal ab. Im Sommer beschwerte sich Rangnick über den Fitnesszustand von Mukiele und Abwehrchef Dayot Upamecano, die offenbar den Trainingsplan nicht beachteten.

„French Connection“ muss mitziehen

Angreifer Augustin fiel zuletzt auch beim französischen Fußballverband FFF in Ungnade. Der Verband legte beim Weltverband FIFA Beschwerde ein, weil der Stürmer trotz Nominierung nicht zu Spielen der U21 erschienen war. Leipzig wies alle Vorwürfe zurück, verzichtete aber im anschließenden Ligaspiel gegen Hannover 96 (3:2) doch auf Augustin, um einem möglichen Protest aus dem Wege zu gehen. Nach der Handy-Affäre darf man gespannt sein, wie die „French Connection“ auf die öffentliche Schelte durch Rangnick und die Suspendierung reagiert. Sollten Augustin und Mukiele bereits schon gegen Stuttgart ihren Frust und Ärger in gute Leistungen umsetzen, hätte der Klub sein Ziel zunächst erreicht und könnte umso schneller wieder in die Spur finden. Sollten die Salzburg-Sünder allerdings die Strafe nur zum Schein akzeptieren und weiter durch Undiszipliniertheiten auffallen, hätte Rangnick ein Problem. Eigentlich braucht der RB-Macher für die hochgesteckten Ziele in der Bundesliga und Europa League jeden Mann, sein schmaler Kader lässt Ausfälle kaum zu. Die „French Connection“ muss mitziehen, sonst drohen weitere Rückschläge.