Reals Neustart in der Ära nach Ronaldo

Foto: Denis Doyle/Getty Images

Bei Real Madrid hat mit dem Ligastart eine neue Zeitrechnung begonnen: Die Ära nach Cristiano Ronaldo. Der Leistungsträger der letzten Jahre hat den Verein verlassen. Die „Königlichen“ haben bislang von einem direkten Ersatz abgesehen und wollen den Abgang des Portugiesen wohl im Kollektiv auffangen.

Neun Jahre lang spielte Ronaldo von 2009 bis 2018 für den spanischen Hauptstadtklub. Seine Bilanz sucht ihres Gleichen: Vier Champions League-Titel, zwei Meisterschaften, zwei Pokalsiege, drei FIFA-Klub-Weltmeisterschaften, zwei Triumphe im spanischen Superpokal und zwei UEFA Supercup-Siege beschreiben nur die Errungenschaften im Team. Darüber hinaus wurde der mittlerweile 33-Jährige dreimal La Liga-Torschützenkönig und viermal Weltfußballer. In 438 Pflichtspielen für die „Blancos“ erzielte Ronaldo 450 Treffer und bereitete weitere 131 vor. Mit dem Schnitt von 1,027 Toren pro Partie kann nicht einmal Lionel Messi mithalten. Ronaldo war auf dem Platz wie abseits des Spielfelds der König Madrids.

- Anzeige -

Nun zog der Angreifer aus, um der König von Turin zu werden. Geschätzte 117 Millionen Euro nimmt Real durch den Verkauf ein. Und dieses Geld wurde reinvestiert: Mit Thibaut Courtois verpflichtete Madrid eine neue Nummer eins, mit Álvaro Odriozola eine Alternative für die rechte Abwehrseite und mit Vinícius Júnior kam ein talentierter Perspektivspieler aus Brasilien. Der von vielen Experten erwartete Top-Transfer für die Offensive blieb dagegen aus. Lange Zeit wurde Eden Hazard als Ronaldos Nachfolger gehandelt. Der Belgier hatte sich bei der WM wieder ins Schaufenster gespielt, bekannte sich zuletzt aber zum FC Chelsea. Nun ist das englische Transferfenster geschlossen und ein Abgang Hazards unwahrscheinlich.

Das Kollektiv muss die Lücke füllen

Ohnehin verdichten sich die Anzeichen, dass Reals neuer Trainer Julen Lopetegui weitere Verstärkungen gar nicht zwingend für erforderlich hält. Der spanische Ex-Nationaltrainer betonte vielmehr die spannende Aufgabe, „das Team ohne Cristiano neu zu erfinden“. Lopetegui hält die aktuelle Mannschaft für konkurrenzfähig und bereit, die großen Erwartungen zu erfüllen. Auf ihm selbst lastet nicht weniger Druck: Der 51-Jährige trat die Nachfolge des Erfolgstrainers Zinédine Zidane an, dem als erstem Coach die Verteidigung des Champions League-Titels gelungen war. Doch das reichte dem Ex-Weltklasse-Fußballer noch nicht und so verteidigte er die Krone der Königsklasse im vergangenen Mai gleich ein zweites Mal.

Das angetretene Erbe könnte nicht größer sein, die Bürde nach dem Abgang Ronaldos nicht schwerer lasten. Und da bislang kein neuer „Galaktischer“ geholt wurde, muss das Kollektiv die Lücke der offensiven Verantwortung füllen. Die Hoffnung ist groß, dass Spieler wie Isco, Marco Asensio sowie Gareth Bale endlich vollständig aus dem Schatten Ronaldos treten und nachhaltig von sich Reden machen. Allen voran der Waliser ist gefordert: Bale zeigte seit seinem damaligen Rekordtransfer im Jahre 2013 immer wieder seine hochklassige Veranlagung, wurde aber auch oftmals durch Verletzungen zurückgeworfen. Nun ist es an er Zeit, dass der Rechtsaußen den Chefposten in Reals Abteilung Attacke übernimmt und die Zukunft gestaltet.

Atlético-Pleite als Warnschuss

An seiner Seite müssen die jungen Asensio und Vinícius weitere Erfahrung sammeln und auch am omnipräsenten Druck der spanischen Medienlandschaft wachsen. Die erste große Bewährungsprobe ging dabei verloren: Im UEFA Supercup unterlagen die „Königlichen“ Stadtrivale Atlético mit 2:4 nach Verlängerung. War Real nach dem frühen 0:1-Rückstand mit beeindruckender Moral zurückgekommen, so ging den Madrilenen insbesondere in der Verlängerung die Kraft aus. Der Ligastart verlief erfolgreicher: Am vergangenen Sonntag besiegten die „Blancos“ den FC Getafe souverän mit 2:0. Dabei zündeten sie kein Feuerwerk, sondern verrichteten solide ihre Arbeit. Dies könnte zum Merkmal der neuen Ära werden.