Reschkes Weg in die Öffentlichkeit

Foto: Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images

Michael Reschke war lange nur Bundesliga-Insidern ein Begriff. Als Sportvorstand beim VfB Stuttgart hat sich der Rheinländer auch in der breiten Öffentlichkeit einen Namen gemacht.

Wenn Reschke spricht, spitzen sie im Ländle die Ohren. Das hat nichts damit zu tun, dass der Verantwortliche besonders leise reden würde oder sein rheinischer Singsang für den Schwaben unverständlich wäre. Nein, das Wort von Reschke, Sportvorstand beim Bundesligisten VfB Stuttgart, hat Gewicht. Nicht nur am Neckar. Dabei war Reschke bis vor wenigen Jahren nur einem Fachpublikum bekannt. Seit 1979 hatte er erfolgreich in verschiedenen Funktionen für Bayer 04 Leverkusen gearbeitet, doch erst mit dem Wechsel zum FC Bayern München 2014 trat Reschke ins Licht. Wobei: Interviews gab er auch als Technischer Direktor des Rekordmeisters nur höchst selten.

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Das änderte sich erst, als Reschke im August 2017 seinen Vertrag bei den Münchnern auflöste und zum VfB ging. Im zarten Alter von 60 Jahren fing er neu an – und hatte Erfolg. Zu seiner neuen Rolle gehört auch eine gewisse Medienpräsenz. Das weiß Reschke, obwohl er im Magazin Socrates sagte: „Es gibt für mich definitiv Wichtigeres, als vor einer Kamera zu stehen.“ Dabei hat er durchaus etwas zu sagen. Reschke erzählt gerne und oft anektdotenreich aus seinem breiten Erfahrungsschatz. Am liebsten von seiner Zeit in München mit Pep Guardiola, der ihn bis heute fasziniert. Guardiola, sagte Reschke einmal, hätten in Deutschland „leider nicht alle komplett verstanden“.

Sportvorstand ist sein Image nicht wichtig

Er, Reschke, natürlich schon. Reschke ist ein vielerorts geschätzter Fußballfachmann, sein Auge für Talente gilt als legendär. Er ist durchaus selbstbewusst, ohne die Grenze zur Arroganz zu überschreiten. Sein Bild in der Öffentlichkeit, sagte der starke Mann beim VfB, sei ihm „völlig egal“. Was er will? „Gute Entscheidungen treffen.“ Jene, Aufstiegstrainer Hannes Wolf zu entlassen, stellte sich als richtig heraus – obwohl Reschke dafür vielfach kritisiert wurde. Noch rauer wehte ihm der Wind um die Nase, als er Tayfun Korkut als Wolfs Nachfolger holte. Everybody’s darling, sagte Reschke, „werde ich vermutlich nie sein“. Wichtiger ist ihm ohnehin, dass seine Ideen intern verfangen.

Im Sommer ist es Reschke gelungen, begehrte Talente wie Pablo Maffeo und Borna Sosa an den Neckar zu holen. Weltmeister Benjamin Pavard hat er überzeugt, zumindest noch ein Jahr zu bleiben. Das sind Erfolge. Dennoch mahnt er zur Demut: „Es wird auch wieder Rückschläge geben. Dann müssen wir als Klub stabil bleiben.“ So wie seit dem Fehlstart in die aktuelle Saison, als Reschke die Lage klug moderierte. Er spüre „ein hohes Maß an Verantwortung“ gegenüber Klub und Fans, sagte er. Was Reschke nicht will, ist „zu einer Belastung“ zu werden. Dann tritt er lieber wieder in den Hintergrund.