Reus verrät das Dortmunder Erfolgsrezept

Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

3:0 gegen die AS Monaco: Die jungen Wilden von Borussia Dortmund rocken auch Europa. Das Team von Trainer Lucien Favre strotzt nach neun Spielen ohne Niederlage nur so vor Selbstvertrauen.

Das Dortmunder Erfolgsgeheimnis verriet Marco Reus um Mitternacht. „Defensiv haben wir alle klare Aufgaben“, sagte der Kapitän und fügte nach einer kurzen Pause mit einem Lächeln an: „Aber offensiv haben wir alle Freiheiten. Wir entscheiden im Spiel instinktiv.“ Diese Freiheiten ihres Trainers leben die BVB-Profis genüsslich aus. Die Torfabrik lief auch beim überzeugenden 3:0 in der Champions League gegen den französischen Vizemeister auf Hochtouren, 14 Treffer in den vergangenen drei Spielen lassen aufhorchen. „Es macht extrem viel Spaß. Wir können uns auf unsere Stärke verlassen“, sagte Torhüter Roman Bürki.

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Spitzenreiter in der Bundesliga, Tabellenführer in der Königsklasse, in neun Pflichtspielen noch ohne Niederlage – die Dortmunder Spaßgesellschaft liefert eindrucksvolle Resultate. Die jungen Wilden um Jadon Sancho, Jacob Bruun Larsen und Christian Pulisic legten in den vergangenen Spielen eine bemerkenswerte Reife an den Tag, von Rückständen oder schwierigen Phasen im Spiel lässt sich der achtmalige deutsche Meister nicht aus der Ruhe bringen. „Wir spielen mit viel Vertrauen“, sagte Favre. Die Handschrift des Schweizers ist dabei schon nach wenigen Wochen deutlich erkennbar.

Ein Versprechen für die Zukunft

Dabei beweist Favre ein goldenes Händchen: Der BVB hat bereits neun Jokertore erzielt. Gegen Monaco traf der zur Halbzeit eingewechselte Bruun Larsen. „Es ist brutal wichtig für uns, dass wir Potenzial von der Bank ins Spiel bringen können“, sagte Reus. Mit Bruun Larsen führt Favre täglich ein Vier-Augen-Gespräch. „Da lernt man viel. Das macht einen als Fußballer besser“, sagte der Däne, das Lob der Mitspieler nimmt er gerne an. „Wenn du solche Straßenfußballer wie Jadon und Jacob hast, macht es echt Spaß“, sagte Reus. Den Gegnern bereitet der Dortmunder Offensivwirbel weniger Vergnügen. Und das Ende dürfte noch nicht erreicht sein.

„Wir haben sehr viele junge Spieler, die uns sehr viel geben und den Unterschied machen. Es sind viele junge Spieler, bei denen wir noch nicht wissen, wo ihre Grenzen sind“, sagte Bürki und betonte die „großen Fortschritte“ gegenüber der vergangenen Saison. Da scheiterte die Borussia mit lediglich zwei Punkten in der Vorrunde der Königsklasse, jetzt sind es bereits sechs Zähler nach zwei Spielen. „Wir stehen in der Champions League gut da und kennen unsere Qualität. Wir haben aber noch nichts erreicht. Wir haben keinen Grund, abzuheben“, sagte Manuel Akanji, der mit 23 Jahren erstaunlich abgeklärt die Viererkette zusammenhält.

Der Kapitän in absoluter Top-Form

Das BVB-Gebilde ist insgesamt äußerst stabil, großen Anteil daran haben die Routiniers Axel Witsel und Reus. Letzterer verließ als einer der letzten Profis zu später Stunde den Signal Iduna Park mit einem guten Gefühl. Beim ersten Heimsieg in der Champions League seit 574 Tagen hatte er den Endstand erzielt. Es war sein 17. Tor für Dortmund in der Königsklasse, er zog damit mit Rekordmann Robert Lewandowski gleich. In neun Pflichtspielen war Reus bereits an zwölf Treffern (6 Tore, 6 Vorlagen) beteiligt. „Wir müssen den Weg weitergehen“, meinte er. Wenn möglich schon am Samstag (15.30 Uhr) gegen den FC Augsburg.

Die sportlichen Erfolge der Mannschaft haben auch die Dortmunder Aktie stark beflügelt. Seit Mitte August stieg der Wert des Anteilsscheins von rund 6,00 Euro um etwa ein Drittel. Nach dem Erfolg gegen Monaco wurde das Papier an der Frankfurter Börse im elektronischen Handel Xetra mit 8,04 Euro notiert. Dieser Wert liegt nur noch vier Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 8,36 Euro vor gut einem Jahr. Von ihrem Ausgabepreis ist die BVB-Aktie aber noch ein gutes Stück entfernt. Der Preis für eine Aktie des einzigen börsennotierten deutschen Fußballvereins hatte am 31. Oktober 2000 elf Euro betragen.