Rhein: Bundesliga-Debüt mit Nachdruck

Foto: Cathrin Mueller/Bongarts/Getty Images

Der 1. FC Nürnberg stabilisierte sich nach zwei Pleiten in Folge beim 1:1 gegen Eintracht Frankfurt wieder etwas. Signifikanten Anteil am guten Auftritt gegen die Hessen hatte Debütant Simon Rhein.

Der 20-Jährige trainiert bereits seit längerer Zeit bei den Nürnberger Profis mit, gegen die Eintracht war es dann soweit: Ondrej Petrák musste wegen Adduktorenproblemen passen, Rhein erhielt seine Chance als alleiniger Sechser. Sein erster Einsatz in der Bundesliga – und dann auch noch von Beginn an. Rhein stand dabei nicht nur in der Startelf, er durfte auch die kompletten 90 Minuten lang durchspielen. Zuvor hatte der Mittelfeldspieler vier Partien für die Nürnberger Zweitvertretung in der Regionalliga Bayern absolviert, dabei war ihm eine Vorlage gelungen. Dank seiner guten Leistung und Unbekümmertheit kann Rhein in den kommenden Wochen auf weitere Einsätze hoffen – trotz der großen Konkurrenz.

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Die erste Alternative für Petrák wäre eigentlich Patrick Erras gewesen, der 23-Jährige war laut Trainer Michael Köllner aber „noch nicht soweit“. Erras laborierte zuletzt an muskulären Problemen. Ob sich Rhein mit seinem starken Auftritt gegen Frankfurt zur Option Nummer eins hinter Petrák gemacht hat, wird die Zukunft zeigen. Mit Alexander Fuchs und Eduard Löwen sieht Köllner zwei weitere potenzielle Sechser eher auf den offensiveren Halbpositionen. Vor sechs Wochen durfte Rhein bereits im Testspiel gegen Dukla Prag (4:0) zeigen, was er drauf hat, und war laut Köllner bereits „ganz nah dran an der Mannschaft“. Nun könnte sein Durchbruch bevorstehen. „Er hat lange genug für diesen Augenblick gearbeitet“, meinte Köllner laut onetz.de.

„Ruhig, bescheiden und intelligent“

Rhein hat nicht nur lange für sein Profidebüt gearbeitet, sondern für den „Club“ auch finanzielle Einbußen in Kauf genommen. Im Sommer 2017 wechselte er aus der U19 von Bayer 04 Leverkusen, für die er in der Saison 2016/17 auch sechs Mal in der UEFA Youth League auf dem Platz stand (zwei Treffer), zur zweiten Mannschaft der Nürnberger. Dieter Nüssing, Leiter des Nachwuchsleistungszentrums der Franken, lockte das Talent zum FCN. „Ich habe schon in den ersten Gesprächen gemerkt, dass er charakterlich ein Top-Typ ist. Er ist ruhig, bescheiden, intelligent und zudem aus angenehmem Elternhaus. Seinen noch gültigen Vertrag in Leverkusen hat er für uns für die Hälfte des Gehalts aufgelöst“, sagte Nüssing laut der Bild.

Schwierigkeiten bei der Eingewöhnung hatte Rhein in Nürnberg nicht. Der Mittelfeldspieler absolvierte direkt in seiner ersten Saison ganze 35 Regionalliga-Spiele, dabei erzielte er vier Treffer und legte weitere zwei auf. Bei der Zweitvertretung überzeugte er durch Passsicherheit und eine für sein Alter überdurchschnittliche Ruhe am Ball. Nervosität war beim 20-Jährigen auch ob seines ersten Auftritts im Fußball-Oberhaus nicht zu verspüren. Eurosport-Experte Matthias Sammer bewertete seine Leistung gegen Frankfurt schon zur Halbzeit als „überragend“. Rhein wird diese Einschätzung in den kommenden Wochen natürlich erst noch bestätigen müssen – sollte ihm das aber gelingen, können sich die „Club“-Fans auf ein stabiles Mittelfeld freuen.

Mittelfeldtalent zahlt Lehrgeld im Pokal

Dass der Höhenflug allerdings auch schnell wieder vorbei sein kann, musste Rhein im DFB-Pokal erfahren. Der Mittelfeldspieler durfte erneut von Beginn an auf der Sechs agieren, Petrák und Erras saßen nur auf der Bank. Hatte der Jungprofi gegen Frankfurt noch eine fehlerfreie Vorstellung abgeliefert, so war er bei Hansa Rostock entscheidend am zwischenzeitlichen 0:1-Rückstand beteiligt. Lehrgeld, dass weder Rhein noch den „Club“ letztendlich teuer zu stehen kam. Nürnberg setzte sich im Elfmeterschießen durch und zog ins Achtelfinale ein. Für Rhein war es eine Warnung, nach dem erfolgreichen Debüt auch weiterhin die Sinne zu schärfen.