Rudy schließt nicht nur eine Lücke

Foto: FC Schalke 04

Der FC Schalke 04 startete denkbar schlecht in die neue Saison. Beim VfL Wolfsburg unterlag Königsblau zum Auftakt verdient mit 1:2. Beinahe noch schmerzlicher ist der Platzverweis gegen Innenverteidiger Matija Nastasić, der Trainer Domenico Tedesco in Schwierigkeiten bringt. Die Verpflichtung Sebastian Rudys vom FC Bayern München schafft Abhilfe. Die Ablöse für den Mittelfeldspieler liegt zuzüglich Bonuszahlungen bei bis zu 18 Millionen Euro.

Auf Schalke gab es in diesem Sommer viele Transfer-Bewegungen auf den Defensivpositionen, vor allem auf der Abgangsseite. Lediglich zwei Neuzugänge, namentlich Salif Sané (Hannover 96) und Hamza Mendyl (OSC Lille), stehen fünf Spielern gegenüber, die den Verein verließen. Ex-Kapitän Benedikt Höwedes (Lokomotive Moskau), Thilo Kehrer (Paris Saint-Germain), Coke (UD Levante) und Luke Hemmerich (Erzgebirge Aue) wechselten permanent den Verein, Pablo Insúa (SD Huesca) wurde verliehen. Trotz allem ging S04 eigentlich stark genug besetzt in die Saison. Die Verletzungen von Bastian Oczipka (Leisten-OP) und Benjamin Stambouli (Syndesmose-Verletzung) sowie die Rote Karte gegen Nastasić sorgen nun allerdings für einen Engpass in der Abwehr.

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In Wolfsburg hatte Schalke lediglich Offensivkräfte auf der Bank sitzen. Ganz so einfach kann Tedesco den Serben also nicht ersetzen. Denkbar ist nun die Umstellung auf eine Viererkette. Naldo und Sané würden in diesem Fall das Abwehrzentrum bilden; auf der linken Seite stünden Abdul Rahman Baba und Mendyl bereit, rechts Daniel Caligiuri. Diese Formation hat S04 in einigen Vorbereitungsspielen getestet, komplett vertraut ist die Mannschaft von Tedesco damit aber noch nicht. In der vergangenen Spielzeit lief Schalke praktisch immer im 3-5-2-System auf, eine Umstellung auf die Viererkette würde also ein hohes Risiko mit sich bringen. Auch unter dem Aspekt, dass Neuzugang Sané in Wolfsburg noch etwas wackelig wirkte.

Verpflichtung bringt neue Möglichkeiten

Bleibt Tedesco bei einer Dreierkette, wäre Weston McKennie der logische Ersatz für Nastasić. Der US-Amerikaner ist auf der Sechser-Position zu Hause, kann aber auch im Abwehrzentrum spielen. Durch die Verpflichtung Rudys wird dieses Szenario noch wahrscheinlicher. Der Nationalspieler, der einen Vertrag bis 2022 unterschrieb, wird den Platz im zentralen defensiven Mittelfeld einnehmen, McKennie könnte folglich nach hinten rutschen. Zwar kann Rudy auch rechts in einer Viererkette spielen, seine Fähigkeiten im Spielaufbau benötigt S04 allerdings dringender. Dort haperte es in Wolfsburg deutlich. Nach den Abgängen von Leon Goretzka (FC Bayern München) und Max Meyer (Crystal Palace) braucht die neue Schaltzentrale noch Eingewöhnungszeit; ein erfahrener Spieler wie Rudy hilft McKennie, Suat Serdar und Co. deutlich weiter.

Für Schalke ist die Verpflichtung des 28-Jährigen ein großer Coup. Beim FC Bayern, zuvor bei der TSG 1899 Hoffenheim und in der Nationalmannschaft bewies Rudy, dass er ein außergewöhnlich guter Mittelfeldspieler ist. Zwar fliegt der Sechser immer etwas unter dem Radar und wird oft unterschätzt, auf Schalke wird sich seine Klasse aber schnell auch wieder der breiten Öffentlichkeit zeigen. Rudys Passsicherheit und Zweikampfstärke werden das Spiel der Königsblauen auf ein anderes Niveau hieven. S04 braucht Sicherheit im Mittelfeld und Kreativität im Spiel nach vorne. Zum einen bringt Rudy diese Qualitäten mit, zum anderen wird er die offensiver eingestellten Spieler in der Zentrale entlasten, sodass sich diese vermehrt ins Angriffsspiel werden einschalten können. Mit Rudy hat Schalke einen Sprung gemacht.