Russ: So etwas „nicht mal ansatzweise“ erlebt

Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images

Eintracht Frankfurt hört einfach nicht auf zu gewinnen, will aber auf keinen Fall die Bodenhaftung verlieren. Das 3:1 (1:0) beim FC Augsburg war der neunte Sieg in den letzten zehn Pflichtspielen.

Marco Russ ist ein Kind der Frankfurter Eintracht, aber so etwas hat selbst der 33-Jährige noch nie erlebt. „Nicht mal ansatzweise“ könne er sich an so einen Lauf erinnern, sagte Russ, er grübelt noch mal: „Das zehnte Spiel, neunter Sieg? Nee, keine Chance.“ Im Moment, ergänzte er, füge sich wie bei diesem 3:1 (1:0) beim FC Augsburg einfach alles zusammen. Das sogenannte „magische Dreieck“ mit Sébastien Haller, Ante Rebić und Luka Jović zelebriert Fußball, „auch das Spielglück kommt dazu“, sagte Russ, der, abgesehen von einem Wolfsburg-Intermezzo, seit 1996 zum Verein gehört: „Wahnsinn. Schön, mal in so einer Situation zu sein.“

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Unglaublich, unfassbar, auch Wahnsinn sind Wörter, die gerade Standard im Eintracht-Vokabular sind, positiv besetzt natürlich. Auf Tabellenplatz zwei führte die Bundesliga am Samstagabend die Hessen, nur Borussia Mönchengladbach konnte am Sonntag noch vorbeiziehen. „Im Moment haben wir so viel Power, Wucht und Euphorie, dass wir das solange wie möglich nutzen müssen, um da vorn dabeizubleiben“, sagte Sportdirektor Bruno Hübner.

Hessen wollen nachlegen

Nicht zufriedengeben, hungrig bleiben, mehr wollen, darauf achtet besonders Trainer Adi Hütter, der Architekt dieses Kunstwerks aus der Mainmetropole. Der Österreicher freut sich über diese „tolle Situation“, er könne das Ganze aber richtig einordnen, zumal es noch genügend Ansatzpunkte für Verbesserung gebe: „Ich finde schon viel, dass mir nicht gepasst hat.“ Hütter, der zu Saisonbeginn öffentlich schon fast als gescheitert galt, und der dies noch so ein Stück in sich trägt. „Ich bin Realist“, sagte er in Augsburg, „ich vergesse nicht, wo wir herkommen.“ Und auch seine Spieler wirken nicht so, als würden sie inmitten dieses sportlichen Höhenflugs tatsächlich abheben. „Wir versuchen auf keinen Fall, die Euphoriebremse zu treten“, sagte Russ. Wichtiger jedoch war der Nachsatz: „Solange das alles nicht in Überheblichkeit ausartet oder Arroganz.“

Beim FCA, den die Eintracht in dessen Stadion bislang noch nie besiegt hatte, wurde streckenweise im Offensivspiel geschludert, wurde zeitweise zu lax verteidigt, wurden speziell im ersten Abschnitt taktische Vorgaben nicht wie gewünscht umgesetzt. „Das Spiel“, gab Hütter zu Bedenken, „kann auch in eine andere Richtung gehen, das sollte man nicht vergessen.“ Es blieb aber nach dem Blitztor von Jonathan de Guzman (1.) auf Kurs, weil Augsburg ohne den verletzten Torjäger Alfreð Finnbogason die Abschlussqualität fehlte, weil Haller (47.) und Rebić (68.) magische Momente hatten und Torwart Kevin Trapp einen zupackenden Tag erwischte. Der Nationalspieler war entsprechend sauer, dass Sergio Córdova (90.) sein nächstes Zu-Null-Spiel verdarb.

Trapp ärgert sich über Gegentreffer

„Ich hab ihn nach dem Spiel ein bisschen beruhigt“, berichtete Russ schmunzelnd. Trapp erklärte: „Wenn du einfache Dinge nicht mehr machst, so wie in der Schlussphase, das stört mich, das müssen wir besser machen.“ Aber auch beim starken Keeper war der Ärger bald verraucht: „Ich will nicht zu viel meckern. Wir haben derzeit die Mentalität, dass wir gegen jeden gewinnen können. Es ist unfassbar.“ Aber es ist real.