Russland als Ouvertüre vor dem Abstiegskampf

Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images

Das mögliche Abstiegsendspiel gegen die Niederlande schwirrt bei der deutschen Nationalmannschaft bereits in den Köpfen herum. Mit einem Erfolg gegen Russland will sich der abgestürzte Ex-Weltmeister am Donnerstag (20.45 Uhr) das nötige Selbstvertrauen für den Showdown gegen den Erzrivalen holen.

„Jeder Sieg macht die Brust breiter“, sagte Timo Werner vor seinem Heimspiel in Leipzig. Davon gab es im historischen Pleiten-Jahr 2018 nicht viele: Bei elf Auftritten inklusive des WM-Debakels verließ die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw nur dreimal als Sieger den Platz. Das ist die mit Abstand schlechteste Bilanz in der Ära Löw. „Wir wollen beide Spiele siegreich gestalten. Das ist das vorrangige Ziel“, sagte Löw vor dem Jahresabschluss gegen den WM-Gastgeber und dem brisanten Duell gegen die Niederlande in der UEFA Nations League am Montag (20.45 Uhr). Gegen Russland muss er auf Marco Reus verzichten, der zuletzt so formstarke Dortmunder fällt aufgrund einer Mittelfußprellung aus.

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Ob der viermalige Weltmeister den Sturz in die europäische Zweitklassigkeit noch verhindern kann, hat er allerdings nicht mehr in der eigenen Hand. Weltmeister Frankreich darf am Freitag in Rotterdam gegen die Niederländer nicht verlieren. Andernfalls ginge es in Gelsenkirchen nur noch darum, nicht aus dem ersten Lostopf für die Qualifikation zur Europameisterschaft 2020 zu fallen. Löw geht aber gelassen mit dem drohenden Imageschaden um. „Wir haben vielleicht den Fehler gemacht, die Nations League ein bisschen zu hoch zu hängen. Wenn wir absteigen, ist das kein Weltuntergang“, sagte der 58-Jährige. „Man kann ja auch wieder aufsteigen. Für ein Turnier ist das nicht entscheidend.“

Löw will die Verjüngungskur fortsetzen

Ungeachtet der Situation in der Nationenliga geht es für die DFB-Auswahl darum, die eingeleitete Verjüngung gegen die Russen mit den ehemaligen Bundesliga-Profis Roman Neustädter und Konstantin Rausch fortzusetzen. „Die jüngeren Spieler bekommen mehr Einsatzzeiten. Wir können uns gegen Russland noch mehr beweisen und Druck ausüben“, sagte Leroy Sané. Löws Tendenz geht erneut zu einem Sturmtrio mit Sané, Werner und Serge Gnabry. Der forsche Auftritt der jungen Wilden bei der Pleite Mitte Oktober in Frankreich (1:2) dient als Mutmacher. Der Bundestrainer will den eingeschlagenen Weg weitergehen. Es seien viele junge Spieler im Kader. Diesen Spielern wolle man sukzessive Raum geben, sich zu zeigen und zu etablieren.

Auf seine etablierten Weltmeister von 2014 will Löw aber nicht komplett verzichten. „Eine gewisse Kontinuität und Stabilität braucht man auch bei der Weiterentwicklung einer Mannschaft“, sagte Löw, der gegen Russland neben Reus auch ohne Toni Kroos (Schonung) und Julian Draxler (Trauerfall in der Familie) auskommen muss. Kroos wird definitiv für das Spiel gegen die Niederlande dazustoßen, Draxlers Einsatz am Montag ist hingegen noch offen. Um mitten im Abstiegskampf eine weitere Aufbruchsstimmung zu erzeugen, muss die DFB-Auswahl ihre Torflaute beenden. In elf Länderspielen 2018 erzielte das Team lediglich neun Treffer. Werner versprach immerhin „ein Tor“ gegen die von Stanislav Cherchesov betreuten Russen.

Werner mit Respekt vorm WM-Gastgeber

Einfach wird dies nicht. Die Russen haben den Rückenwind der Heim-WM genutzt und stehen in der Nations League vor dem Aufstieg in die Division A. „Sie spielen geradlinig, ohne Schnörkel und effizient“, sagte Werner. Diese Geradlinigkeit ist dem deutschen Spiel zuletzt abhandengekommen. Doch mit Blick auf die EM-Qualifikation im kommenden Jahr will Löw zumindest ein versöhnliches Ende eines Horror-Jahres feiern. „Wir wollen zurück in die Erfolgsspur“, forderte der Bundestrainer.