Şahin und das Bremer Luxusproblem

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Der SV Werder Bremen sorgte am letzten Tag der sommerlichen Transferperiode mit der Verpflichtung von Nuri Şahin für Aufsehen. Der ehemalige Dortmunder geriet mit einer Ablöse von knapp einer Million Euro zum Schnäppchen. Nun muss Trainer Florian Kohfeldt nur noch herausfinden, wie und wo er den Mittelfeldspieler gewinnbringend einsetzt.

Şahin gab am Dienstag im Testspiel gegen den niederländischen Erstligisten FC Emmen (1:2) sein Debüt im Werder-Dress. Der ehemalige türkische Nationalspieler agierte dabei auf der zentralen Position direkt vor der Viererkette und lieferte eine unauffällige Vorstellung ab. Şahin, der am Tag darauf seinen 30. Geburtstag feierte, ist kein typischer Abräumer, er soll das Spiel mit seiner Passsicherheit und Übersicht organisieren. Im defensiven Mittelfeld war zuletzt Philipp Bargfrede gesetzt. Das Bremer Urgestein ist eine ganz andere Art von Sechser: Der 29-Jährige besticht durch seine Zweikampfstärke und seinen körperlichen Einsatz. Der ursprünglich angedachte Back-up für Bargfrede ist Şahin also nicht.

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Im von Kohfeldt präferierten 4-3-3-System gibt es neben der Position im defensiven Mittelfeld zwei offensivere Stellen auf den Halbpositionen. Diese wurden zum Saisonstart von U21-Nationalspieler Maximilian Eggestein und Rekordneuzugang Davy Klaassen eingenommen. Mit dieser Besetzung fuhren die Norddeutschen gut: Nach dem klaren 6:1-Sieg im DFB-Pokal bei Wormatia Worms folgten vier Punkte aus den ersten zwei Ligaspielen. Şahin hat seinen Wechsel an die Weser allerdings mit dem Anspruch auf einen Stammplatz angetreten. Der gebürtige Lüdenscheider spielte schließlich bereits bei Real Madrid, stand mit Borussia Dortmund schon im Champions League-Finale und gewann beim BVB zwei deutsche Meisterschaften.

Konsequente Rotation oder Systemwechsel?

Şahin versteht sich nicht als Alternative für das etablierte Trio. „Ich bin im besten Fußballeralter und sehe mich nicht als Back-up“, meinte der Ex-BVB-Profi nach dem Spiel gegen Emmen. Dass Kohfeldt Bargfrede, Eggestein oder Klaassen längerfristig auf die Bank setzt, erscheint allerdings unwahrscheinlich. Mögliche Lösungen für die personelle Zwickmühle wären eine konsequente Rotation oder eine Umstellung des Systems. Für Zweiteres begeisterte sich Kohfeldt in der Vergangenheit nicht: Der Bremer Übungsleiter stellte lediglich gegen offensivstarke Gegner auf eine Dreier- respektive Fünferkette um. Die Installation einer vierten Position im Mittelfeld würde wohl mit dem Streichen eines Angreifers einhergehen.

Da der Konkurrenzkampf in der Werder-Offensive aber noch größer als im Mittelfeld ist, würde Kohfeldt sein Luxusproblem nur verschieben. Die Grün-Weißen haben ihren europäischen Anspruch mit dem Şahin-Transfer unterstrichen und müssen nun mit den Folgen umgehen. Die Verpflichtung des Türken war eine Ansage dahingehend, dass sich die Verantwortlichen nicht davor scheuen, den Kader auch quantitativ mit namhaften Spielern zu verstärken. Während hinter der Position Şahins noch ein kleines Fragezeichen steht, weiß Kohfeldt aber bereits genau, was er sich vom Neuen erwartet: „Nuri soll sein unglaubliches Gefühl für den Spielrhythmus einbringen. Ich hoffe, dass er seinen Mut beibehält, sich in engen Räumen anspielen zu lassen.“