Sanches: Die Wochen der Wahrheit

Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images

Renato Sanches wechselte 2016 als Wunderkind für mehr als 35 Millionen Euro Ablöse von Benfica Lissabon zum FC Bayern München. Der bis dahin viertteuerste Transfer in der Vereinsgeschichte des Rekordmeisters blieb jedoch weit hinter den Erwartungen zurück. In den kommenden Wochen muss der Portugiese sich zeigen und endlich liefern.

Als Europameister, als bester junger Spieler der EM 2016, als kommender Superstar nach München gekommen, schien der Portugiese nach seiner Leihrückkehr von Swansea City im Sommer bereits abgeschrieben. „Renato ist ein ganz einfacher Junge. Er braucht Zuneigung, Unterstützung von allen Seiten“, hatte Bayern-Trainer Niko Kovač während der USA-Reise der Münchner im Sommer gesagt. Der Kroate betonte weiterhin: „Man kann nicht so einfach erwarten, dass einer aus einer anderen Kultur, einfach so schnell Fuß fasst. Das ist bei jedem ausländischen Fußballer so, da muss man Zeit geben. Das hat man ihm nicht gegeben. Aber die Zeit hat er jetzt. Fußball ist wie das Leben auch. Man braucht Anerkennung und Selbstvertrauen und das kriegt man nur, indem man auch die Unterstützung hat. Und die Unterstützung hat er von mir.“

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Während der Vorbereitung wirkte Sanches wie ausgewechselt, immer wieder brachte der schüchterne Portugiese ein Lächeln über die Lippen. Auch weil er innerhalb der Mannschaft als vollwertiges Teammitglied angesehen wird. Dazu passten starke Trainingsleistungen oder der sehenswerte Freistoßtreffer im Testspiel gegen Paris Saint-Germain. Der Wechsel zu Swansea sei „ein Schritt aus der Komfortzone“ gewesen, erzählte Sanches in Philadelphia. „Ich spüre, dass ich dieses Jahr die Erwartungen erfüllen kann.“ Wichtig sei vor allem, dass er „den Spaß am Fußball wiedergefunden“ habe, anders als noch unter Ex-Coach Carlo Ancelotti. „Ich fühle mich angekommen und will mich jetzt durchsetzen“, betonte Sanches. Diese Aussage ist jetzt knapp zwei Monate alt, für einen Pflichtspiel-Einsatz hat es in der neuen Saison noch nicht gereicht.

„Ich bin vorbereitet, um dieses Jahr hier zu spielen“

„Ich habe keine Schwächen“, skizzierte Sanches nun in einem Interview beim vereinseigenen Sender sein Spielerprofil. „Ich bin vorbereitet, um dieses Jahr hier zu spielen.“ Gegen die TSG 1899 Hoffenheim (3:1) und auch beim VfB Stuttgart (3:0) stand Sanches nicht im Kader, gegen Bayer 04 Leverkusen (3:1) schmorte der Portugiese über die vollen 90 Minuten auf der Bank. Kovač indes kündigte vor dem Leverkusen-Spiel an, dass Sanches trotz des „Überangebots im Mittelfeld“ in den kommenden Begegnungen „seine Möglichkeiten bekommen“ werde. Da war von der schweren Verletzung von Corentin Tolisso, der mit einem Kreuzband- und Außenmeniskusriss rund sechs Monate ausfällt, noch nichts bekannt. Beim Champions League-Auftakt am Mittwoch bei Sanches‘ früherem Klub Benfica Lissabon werde er „nicht als Reiseführer dabei sein, da können Sie sicher sein“, betonte Kovač, der Sanches‘ „motiviertes“ Auftreten im Training lobte: „Er gibt richtig Gas.“