Sanés Neustart: „Ich habe viel nachgedacht“

Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images

Nationalspieler Leroy Sané ist nach seinem unerwarteten WM-Aus umso motivierter, auch im DFB-Trikot endlich sein wahres Ich zu zeigen. Mit der Kritik an seiner Person geht der 22-Jährige erstaunlich gelassen um.

„Ich habe viel nachgedacht in der Sommerpause und versuche mich in meinem Spiel so zu verbessern, dass der Jogi beim nächsten Mal keine Möglichkeit hat, mich nicht zu nominieren“, sagte Sané am Mittwoch in Berlin. Dort bereitet sich der ManCity-Profi mit der DFB-Auswahl auf die Nations League-Spiele in den Niederlanden am Samstag (20.45 Uhr) und drei Tage später in Frankreich vor. „Es ist eine Ehre, für dein Land zu spielen, du musst dich da immer von deiner besten Seite zeigen“, sagte Sané.

- Anzeige -

„Ich mache das nicht extra, dass ich sage: Mir ist alles egal. Das ist es natürlich nicht, ich will, dass wir alle zusammen immer gut aussehen und unsere Spiele gewinnen“, meinte er mit Blick auf Kritik an seiner Person. „Dass es für den ein oder anderen nicht so aussieht, ist okay für mich. Ich respektiere das und versuche, daran zu arbeiten.“ Julian Draxler sprang seinem Kumpel aus Schalker Zeiten bei. „Leroy ist weder charakterschwach noch sonst was“, sagte er über die vermeintlichen Gründe für die überraschende Ausbootung im Sommer, „da kann man an der Stelle mal eine Lanze für ihn brechen.“ Gerade in der zuletzt schwächelnden Offensive benötigt Bundestrainer Joachim Löw Alternativen. „Er hat sehr gute Fähigkeiten und ist ein Spieler, der mit seinen Qualitäten den Unterschied ausmachen kann“, sagte Löw über Sané, der vom Problemfall zum Leistungsträger werden soll.

Reifeprozess in Gang gesetzt?

DFB-Direktor Oliver Bierhoff sieht beim ManCity-Profi alle Voraussetzungen, um ein Superstar zu werden, „allein schon wegen seiner Konstitution und seiner Leichtigkeit. Ihm stehen viele Türen offen, aber er muss in den kommenden Jahren an Robustheit zulegen und daran arbeiten, effektiver für die Mannschaft und den Trainer zu sein.“ Sein Tempo sei Sanés „großer Trumpf“, noch fehle es ihm aber an Konstanz. Das gilt vor allem für den DFB-Sané, der in bislang 13 Länderspielen seit seinem Debüt im November 2015 in Frankreich nicht überzeugte. Bei der EM 2016 kam er nach schwachen Leistungen im Training nur zu einem Kurzeinsatz, den Confed Cup sagte er wegen einer Nasen-OP ab, was ihm intern Minuspunkte brachte.

Sané habe „das ein oder andere Mal“ nicht so engagiert gearbeitet, „wie wir das wollten“, sagte Löws Assistent Marcus Sorg, „aber das ist in Ordnung, man darf nicht vergessen: Das ist ein sehr junger Mensch.“ Die Geburt von Töchterchen Rio Stella im September könne einen Reifeprozess in Gang setzen, meinte er. Schließlich seien alle beim DFB „daran interessiert, dass ein Spieler mit diesem Talent sich bei uns durchsetzen kann“.