Schalke mit neuem Mut ins Derby

Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images

Die Fans juckte die Diskussionen um das „Elfmeterschießen von Sinsheim“ kein bisschen. Als sich alle Beteiligten nach dem 1:1 (0:0) zwischen der TSG 1899 Hoffenheim und dem FC Schalke 04 (mal wieder) den Mund über die Handspielregel im Strafraum fusselig redeten, hatten die Anhänger der Königsblauen schon das wichtigste Spiel des Jahres ins Visier genommen. Mit Schmähungen von Borussia Dortmund stimmten sie die Profis auf das Revierderby am Samstag ein.

Domenico Tedesco wollte auf die Gesänge aus dem Schalker Block eigentlich gar nicht eingehen, doch dann wurde auch der Trainer vom Derby-Fieber gepackt. „Ich bin bekanntlich keiner, der mit Parolen um sich wirft. Wir werden uns aber mit jeder Faser des Körpers auf das Spiel vorbereiten“, sagte er mit Blick auf die Partie der im Tabellen-Mittelmaß steckenden Schalker gegen den Spitzreiter der Bundesliga. „Wir haben keine englische Woche, das tut uns gut. Wir werden Vollgas geben – jetzt haben Sie doch eine Parole.“ Parolen gab es rund um das Spiel auch so schon genug. Schließlich dachte bei der x-ten Debatte um die Regelauslegung beim Handspiel im Strafraum jeder, dass er die Weisheit mit Löffeln gefressen habe. Vor allem Schalkes Sportvorstand Christian Heidel tat sich dabei hervor. Erst lamentierte der 55-Jährige minutenlangen darüber, dass alle Entscheidungen „immer gegen uns“ gefällt werden. Dann gab es noch den obligatorischen Seitenhieb in Richtung des Video-Assistenten Tobias Stieler: „Der Kamerad in Köln muss mal die Zeitung weglegen.“

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Sachlicher äußerten sich Tedesco und TSG-Trainer Julian Nagelsmann. Die beiden jüngsten Trainer der Liga plädierten unisono für eine Regeländerung. Nach Ansicht der beiden sollte nur noch auf Strafstoß entschieden werden, wenn ein absichtliches Handspiel vorliegt. „Ich kann die Sache mit der Vergrößerung der Körperfläche nicht mehr hören“, äußerte Nagelsmann. „Es ist in der Anatomie nunmal so, dass die Arme links und rechts runterhängen – sie vergrößern also immer die Körperfläche. Das ist schon ganz lange beim Menschen so.“ Menschlich war auch das, was Robert Kampka vor 30.000 Zuschauern in der Rhein-Neckar-Arena leistete – es war nicht fehlerfrei, es war für den Schiedsrichter aber auch schwierig. So erkannte der Referee einmal auf Handelfmeter gegen Hoffenheim, nahm die Entscheidung aber nach Ansicht der Bilder wieder zurück.

„Habe eine mutige Mannschaft gesehen“

Dann verhängte er einen umstrittenen Handelfmeter gegen Schalke und blieb dabei – ohne Videostudium. Der kroatische Vize-Weltmeister Andrej Kramarić verwandelte. Bereits in der ersten Hälfte hatte sich Schalke-Verteidiger Salif Sané den Ball an die Hand geköpft – der Pfiff blieb aus. Relativ unumstritten war der Foulelfmeter, den Ermin Bičakčić an Daniel Caligiuri verursachte. Nabil Bentaleb nutzte die Chance und erzielte den Endstand – der trotz aller Diskussionen im Übrigen gerecht war. „Grundsätzlich habe ich eine mutige Mannschaft gesehen. Das ist wichtig, denn so müssen wir auch gegen Dortmund spielen“, analysierte Tedesco. Heidel sah es ähnlich: „Vom Spielverlauf ist es besser, dass wir aus dem 0:1 noch ein 1:1 gemacht haben. Das war wichtig vor dem sehr, sehr wichtigen Spiel.“