Schalke verzweifelt an seinen Stürmern

Foto: Alexander Scheuber/Bongarts/Getty Images

Breel Embolo zog sich die Kapuze tief ins Gesicht und stapfte mit einem Kopfschütteln hinaus in die Istanbuler Nacht. Der Rekordeinkauf des FC Schalke 04 wollte nicht reden – nicht über die hochkarätigen Torchancen, die er grob fahrlässig vergeben hatte, und erst recht nicht über den verschenkten Sieg beim 0:0 gegen Galatasaray Istanbul.

Der kriselnde Vizemeister trifft das Tor nicht mehr – und niemand verkörperte dieses Manko an diesem Abend mehr als der Schweizer Nationalspieler. Gleich vier hervorragende Gelegenheiten zum Siegtreffer hatte Embolo, der Schalke vor zwei Jahren rund 30 Millionen Euro gekostet hatte, nicht genutzt. „Wir laufen drei-, viermal allein aufs Tor zu und kriegen den Ball nicht rein“, klagte Sportvorstand Christian Heidel. Das Ergebnis der eklatanten Abschlussschwäche der Königsblauen: In zwölf Pflichtspielen stehen erst neun Tore zu Buche, bereits zum fünften Mal blieb der Bundesliga-16. ohne Treffer.

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In Istanbul wurde die beste Saisonleistung der stark aufspielenden Schalker nicht belohnt – vor allem wegen Embolo. Die Torschusspanik des 21-Jährigen rief sogar leise Kritik aus dem Mannschaftskreis hervor. „Er muss den ersten in die Ecke schieben und vielleicht nicht auf den Torwart schießen“, meinte Mark Uth zur größten Chance des Schweizers (47.), „das weiß er ja selber.“ In der Champions League ist die Torflaute zwar ärgerlich, aber bislang noch ohne ernsthafte Konsequenzen: Als Tabellenzweiter der Gruppe D liegt Schalke zur Halbzeit mit fünf Punkten „voll im Soll“, wie Uth meinte. Anders sieht es in der Bundesliga aus: Auf Platz 16 abgestürzt, droht am Sonntag (15.30 Uhr) bei RB Leipzig bereits die siebte Saisonpleite. „Da müssen wir jetzt Gas geben“, forderte Uth.

„Kann ja nicht ewig so gehen“

Trainer Domenico Tedesco hatte in Istanbul wieder tief in die Taktik-Trickkiste gegriffen, um das lahmende Schalker Spiel in Schwung zu bringen. Mit Nationalstürmer Uth auf der Achter-Position und dem erst zweiten Einsatz des diesjährigen Königstransfers Sebastian Rudy in knapp fünf Wochen stärkte er das Mittelfeld mit ballsicheren Spielern. Prompt sprangen deutlich mehr Großchancen heraus als zuletzt, vor allem Uth überzeugte als Vorbereiter. Dafür fehlte im Sturm die Treffsicherheit des Ex-Hoffenheimers, der in der Vorsaison mit 14 Bundesliga-Toren geglänzt hatte. Bei den Königsblauen allerdings hat sich der 27-Jährige von der Abschlussschwäche anstecken lassen, noch wartet er auf seinen ersten Treffer für seinen neuen Arbeitgeber. „Soll ich den Kopf in den Sand stecken?“, fragte er.

Ähnlich verzweifelt dürfte mittlerweile auch Tedesco sein. Egal, was der Trainer-Überflieger der vergangenen Saison auch versucht – der Erfolg will sich nicht einstellen. „Wir arbeiten wie die Tiere, ackern ohne Ende“, sagte der 33-Jährige, „aber wir belohnen uns nicht.“ Die schwache Trefferquote sei „definitiv keine Qualitätsfrage“, betonte Tedesco, „wir haben super Stürmer.“ Wann allerdings endlich der Knoten bei seinen Angreifern platzt, weiß der Coach auch nicht. Ihm bleibt nur die Hoffnung auf schnelle Besserung: „Da wird schon einer reingehen, die Phase kann ja nicht ewig so gehen.“