Schießbude Nürnberg: Pleiten, Pech und Pannen

Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Das 2:5 beim FC Schalke 04 muss den Spielern und Verantwortlichen des 1. FC Nürnberg phasenweise wie ein Déjà-vu vorgekommen sein. Nicht zum ersten Mal präsentierte sich die fränkische Hintermannschaft vor fremdem Publikum nicht bundesligareif. Auch die Aussicht auf baldige Besserung ist gering.

Die fünf Gegentreffer beim Gastspiel in Gelsenkirchen ließen die Gesamtzahl der in der laufenden Bundesliga-Saison kassierten Tore auf 29 ansteigen – und verschafften dem „Club“ die rote Laterne in dieser Statistik. 22 der 29 Gegentore mussten die Nürnberger in der Fremde hinnehmen, 20 dieser 22 Gegentore fielen in den vergangenen vier Auswärtspartien. Waren die vorherigen Gegner mit Borussia Dortmund (0:7), RB Leipzig (0:6) und auch dem FC Augsburg (2:2) allerdings für ihre gefährlichen Offensivreihen bekannt, so überraschte die partielle Leichtigkeit, mit der ausgerechnet Schalke Nürnbergs Verteidigung überwand. Schließlich hatten die „Knappen“ in den elf Ligaspielen zuvor insgesamt gerade einmal acht magere Treffer verzeichnen können.

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Außerdem fehlten Schalke mit Mark Uth und Breel Embolo zwei entscheidende Akteure für die Sturmreihe. Gegen die Franken scheint das Toreschießen derzeit aber etwas leichter zu sein, als gegen den Rest der Liga – zumindest wenn der „Club“ nicht im heimischen Max-Morlock-Stadion antritt. Dabei hatte FCN-Coach Michael Köllner bei den Königsblauen extra noch einen taktischen Paradigmenwechsel herbeigeführt: Der 48-Jährige ließ seine Mannschaft statt mit der gewohnten Viererkette mit drei Innenverteidigern auflaufen. Die Außenverteidiger Tim Leibold und Robert Bauer wurden auf die Flügelpositionen vorgezogen, Sechser Ondrej Petrák ergänzte die defensive Zentrale um Georg Margreitter und Lukas Mühl.

Misslungener Paradigmenwechsel und vakante rechte Seite

Das Experiment scheiterte, die Nürnberger Hintermannschaft präsentierte sich einmal mehr anfällig und war vor allem jederzeit für einen individuellen Patzer zu haben. Zwei Luftlöcher durch Torhüter Christian Mathenia vor dem 0:1 und Margreitter vor dem 0:2 legten den Grundstein für die sechste Nürnberger Saisonniederlage. Hinzu kam das ungeschickte taktische Foul von Bauer Mitte der zweiten Hälfte gegen Amine Harit, das der Leihgabe nach seiner frühen Verwarnung die Gelb-Rote Karte und ein Spiel Sperre bescherte. Da mit Enrico Valentini (Sehnenanriss) der etatmäßige Rechtsverteidiger erst im nächsten Jahr zurückkehrt, muss sich Köllner für Montagabend (20.30 Uhr) gegen Bayer 04 Leverkusen etwas überlegen.

Doch damit nicht genug: Auch auf der Torwart-Position muss der Nürnberger Übungsleiter erneut ungewollt rotieren. Mathenia zog sich auf Schalke eine Kapsel- und Sehnenverletzung im rechten Knie zu und wird ebenfalls bis zur Winterpause ausfallen. Der Sommer-Neuzugang hatte sich den Platz im Tor der Franken erst im Laufe der bisherigen Spielzeit erkämpft und Fabian Bredlow verdrängt, der nun wieder zur temporären Nummer eins aufsteigt. Es kommt eine Menge Arbeit im defensiven Bereich auf Köllner zu, der aber eine Alternative in der Hinterhand hat: Der nach Syndesmosebandanriss wiedergenesene Ewerton schmorte auch in der Veltins-Arena 90 Minuten lang auf der Bank – könnte aber zum Hoffnungsträger für die Abwehr werden.