Sechs Erkenntnisse aus dem Duell gegen Frankreich

Foto: Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images

Joshua Kimmich auf der Sechs mit einer starken Leistung, Marco Reus im Sturmzentrum ohne Durchschlagskraft und eine Viererkette mit vier Innenverteidigern: Das 0:0 der deutschen Nationalmannschaft gegen Weltmeister Frankreich hat Bundestrainer Joachim Löw wichtige Erkenntnisse gebracht.

Joshua Kimmich ist auf der Sechserposition ein Kandidat mit Zukunft: Nach dem Verzicht auf Sami Khedira war die Sechserposition vakant. Löw überraschte mit dem Einsatz von Kimmich. „Nach der WM war das ein Gedanke, dass ich im taktischen Bereich Maßnahmen ergreifen muss. Kimmich hat das in seiner Jugend schon einige Male gespielt. Er hat das sehr gut gemacht“, sagte Löw. Kimmich war präsent, zweikampfstark, ballsicher. Der 23-Jährige sei auf Dauer „sicherlich eine gute Lösung“. Löw macht durch die Versetzung des Münchners aber rechts hinten eine neue Baustelle auf, auch wenn Matthias Ginter dort solide spielte.

- Anzeige -

Eine Viererkette mit vier Innenverteidigern ist nur in Ausnahmefällen eine Lösung: In Brasilien 2014 setzte Löw einige Male vier Innenverteidiger in der Viererkette ein – nun wiederholte er das Experiment, um die Defensive zu stärken. Es soll eine Ausnahme bleiben. „Gegen Frankreich war das das Richtige […]. Dauerhaft ist das nicht die richtige Lösung“, sagte Löw. Er will grundsätzlich nicht nur in der Abwehrkette künftig variabler auf den jeweiligen Gegner reagieren. Ein Problem bleibt aber: Bis auf Kimmich gibt es auf den defensiven Außen wenig Klasse.

Im Angriff fehlt weiter die Durchschlagskraft: Seit dem Rücktritt von Miroslav Klose 2014 ist Löw im Sturmzentrum auf der Suche. Mario Gómez füllte die Lücke bis zu seinem Rücktritt im Sommer nur bedingt. Timo Werner startete furios und gilt weiter als großes Versprechen. Inzwischen agiert der junge Leipziger aber auf dem Flügel, um dort seine Schnelligkeit besser auszuspielen. Gegen Frankreich durfte sich Marco Reus vorne austoben – ohne Wucht. Ein gefährlicher Torabschluss, das war’s. Löw muss weiter fahnden.

Die Fans sind nach dem WM-Desaster zur Versöhnung bereit: Das Münchner Publikum empfing die Mannschaft mit einem großen Herz und verabschiedete sie mit freundlichem Applaus. „Trotz dieser WM haben uns die Fans unterstützt und angefeuert, das ist erfreulich“, sagte Löw. Die Anhänger honorierten den Willen der Mannschaft zur Wiedergutmachung. „Das hat uns allen sehr gutgetan und war so nicht unbedingt zu erwarten. Ein Riesenkompliment“, sagte Reus.

Es war nur ein erster Schritt zu alter Stärke: Er könne mit Ergebnis und Spiel „sehr gut leben“, sagte Löw, fügte aber an: „Wir glauben jetzt nicht, dass mit einem einzigen Spiel alles vergessen ist. Wir müssen weiterhin gute Ergebnisse erzielen.“ Nach dem Länderspiel am Sonntag gegen Peru wird es für die DFB-Elf im Oktober in der Nations League in den Niederlanden und in Frankreich wieder ernst. Einen Rückfall sollte die DFB-Elf vermeiden.

Personell hat sich (noch) nichts geändert: Löw baute in der Startelf ausschließlich auf WM-Verlierer. Leroy Sané bekam als einziger Spieler, der nicht in Russland dabei war, einen Kurzeinsatz. Er werde den Einbau von jungen Spielern „nach und nach forcieren. Aber das ist ein Prozess“, sagte Löw. Man habe gegen den Weltmeister „gesehen, dass Spieler wie Hummels, Boateng oder Kroos extrem wichtig sind, die mit ihrer Klasse, ihrer Erfahrung und Qualität dagegenhalten können. Es wird Gelegenheiten für die jungen Spieler geben.“ Den Neulingen Kai Havertz, Thilo Kehrer und Nico Schulz stellte Löw Einsätze gegen Peru in Aussicht.