Sevilla: Kräfteverhältnisse auf dem Prüfstand

Foto: Cristina Quicler/AFP/Getty Images

Betis Sevilla konnte sich in der vergangenen La Liga-Saison aus dem Schatten des Stadtrivalen FC spielen und qualifizierte sich für die Europa League-Gruppenphase. Zum Start der neuen Spielzeit scheinen sich die Verhältnisse wieder umzukehren: Vor dem Derbi sevillano sind die Vorzeichen sehr unterschiedlich.

Während der FC Sevilla zwischen 2014 und 2016 dreimal in Folge die Europa League gewann und in der abgelaufenen Saison erst im Viertelfinale der Königsklasse knapp am FC Bayern München (1:2; 0:0) scheiterte, pendelte Betis in den letzten zehn Jahren zwischen der ersten und der zweiten spanischen Liga hin und her. Dabei waren die „Verdiblancos“ Mitte der 90er-Jahre und zu Beginn des neuen Jahrtausends eine etablierte Größe in Spaniens Fußball. Betis landete regelmäßig auf einstelligen Tabellenplätzen und tätigte mit dem Brasilianer Denílson 1998 den damals teuersten Transfer der Geschichte (umgerechnet 31,5 Millionen Euro). Mit dem 14. Rang begann in der Saison 2005/06 aber der Niedergang der einst so stolzen „Béticos“.

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Unter Erfolgstrainer Quique Setién starteten die Grün-Weißen in der vergangenen Saison wieder durch: Betis arbeitete sich im Laufe der Rückrunde auf den sechsten Platz vor und ließ damit auch den FC Sevilla hinter sich. Die Mannschaft um Ex-BVB-Profi Marc Bartra, Mittelfeldmotor Fabián Ruiz, den früheren Nationalspieler Joaquín sowie Mittelstürmer Loren Morón funktionierte und bescherte den Fans jede Menge Grund zum Jubeln. Mit Ruiz, Germán Pezzella und Riza Durmisi verließen drei Leistungsträger den Verein, die auf dem Papier adäquat kompensiert wurden. Königstransfer William Carvalho sollte für Ordnung im Mittelfeld sorgen. Der Europameister konnte bisher allerdings noch keine Anbindung ans Spiel finden.

Unterschiedlicher Erfolg bei den Transfers

Auch die neuen Verteidiger Sidnei und Antonio Barragán konnten noch nicht überzeugen. Die Ausbeute nach zwei Spieltagen ist mau: ein Punkt, kein Tor, Rang 17. Zuletzt mussten sich die „Béticos“ mit einem 0:0 bei Deportivo Alavés begnügen. Der FC Sevilla spielte am vergangenen Wochenende ebenfalls 0:0, die Stimmung bei den „Sevillistas“ ist allerdings ungleich besser: Nach dem 4:1-Auswärtssieg bei Rayo Vallecano zum Auftakt und dem torlosen Remis gegen den FC Villarreal grüßen die Andalusier vom dritten Tabellenplatz. Anders als bei Betis scheinen die Transfers der „Blanquirrojos“ einzuschlagen. Der portugiesische Angreifer André Silva, der vom AC Mailand geliehen wurde, schnürte direkt am ersten Spieltag einen Dreierpack.

Der neue Torhüter Tomáš Vaclík verdrängte den zuvor gesetzten Sergio Rico, der daraufhin die Flucht zum FC Fulham antrat. Auch Mittelfeldspieler Roque Mesa durfte an der Seite des erfahrenen Éver Banega in beiden Partien durchspielen. Die Ligasaison 2017/18 schloss der FC nur auf dem siebten Rang ab und musste sich damit im Sommer durch die Qualifikation zur Europa League quälen. Die „Nervionenses“ nahmen die Hürden und schlugen auch Sigma Olmütz in den Play-offs (1:0; 3:0). Die Verhältnisse in der andalusischen Hauptstadt scheinen trotz der schwerwiegenden Abgänge von Steven Nzonzi, Clément Lenglet und Joaquín Correa unter dem neuen Trainer Pablo Machín (der vierte Coach innerhalb nur eines Jahres) wieder gerade gerückt.

Derbi sevillano als nächster Fingerzeig

Einen weiteren Fingerzeig des sevillanischen Kräfteverhältnisses könnten die interessierten Beobachter am kommenden Sonntag (20.45 Uhr) erhalten. Im Derbi sevillano treffen die Stadtrivalen aufeinander. Die letzte Begegnung zwischen den beiden Klubs endete mit 2:2 und Betis bewahrte sich den Vorsprung vor dem Favoriten. Kurz vor Transferschluss verstärkten sich beide Teams noch mal namhaft: Die „Sevillistas“ holten Quincy Promes von Spartak Moskau, Betis verpflichtete Giovani Lo Celso leihweise von Paris Saint-Germain. Im neuerlichen Duell haben die Grün-Weißen die Gelegenheit einen verpatzten Saisonstart zu retten. Der FC Sevilla dagegen könnte einen starken Auftakt veredeln und sich an der Spitze festsetzen.