Spieler-Portrait: Dan-Axel Zagadou, 18 Jahre

Nach Mickaël Cuisance stellen wir in dieser Woche ein weiteres französisches Talent vor. Der junge Dan-Axel Zagadou wechselt zur neuen Saison von Paris St. Germain zu Borussia Dortmund und gehört zu den talentiertesten Abwehrspielern seines Jahrgangs.

RB Leipzig, Manchester City, Chelsea, der VfL Wolfsburg – die Liste an Interessenten für Zagadou war im Frühjahr lang und namhaft besetzt. Doch wie am 5. Juni offiziell verkündet wurde, geht es für das Ausnahmetalent aus Frankreich in der kommenden Saison zu Borussia Dortmund. Dort ist er laut BVB-Sportdirektor Michael Zorc als Perspektivspieler vorgesehen. Genau diese „Perspektive“ hat den Youngster von einem Wechsel nach Deutschland überzeugt.

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Zagadou stammt aus Créteil, einer knapp 100.000 Einwohner zählenden Vorstadt von Paris. Dort kam er am 3. Juni 1999 zur Welt und verbrachte seine Kindheit. Mit sieben Jahren trat er der US Créteil-Lusitanos bei, einem kleinen Verein, der in den letzten Jahren ein sogenannter Fahrstuhlklub zwischen zweiter und dritter französischer Liga war. 2011 wechselte er dann in die Jugendabteilung des großen Paris St. Germain. In den nächsten drei Jahren nahm er dort eine bemerkenswerte Entwicklung und wurde schließlich 2014 in die französische U16-Nationalmannschaft berufen. Dort kam er im folgenden Jahr 13-mal zum Einsatz, ehe er in die U17-Auswahl hochgezogen wurde.

Führungsspieler in der Jugend, keine Perspektive im Profibereich

In der französischen U17 übernahm Zagadou regelmäßig das Kapitänsamt und führte „Les Bleus“ als Abwehrchef zur U17-Europameisterschaft 2016. Bei dem Turnier in Aserbaidschan enttäuschten die Franzosen maßlos und schieden ohne Sieg in der Gruppenphase aus. Das lag jedoch mehr an der lahmenden Offensive (es gelang kein einziges Tor) als an den Abwehrleistungen der „Équipe Tricolore“. Im Verein bekam das junge Abwehrtalent schon als 16-Jähriger regelmäßige Einsätze in der U19. Auch in der UEFA Youth League stand er oftmals im Kader, wurde jedoch nur beim 4:1-Erfolg gegen Shakhtar Donezk eingesetzt.

In der abgelaufenen Saison rotierte Zagadou bei PSG kontinuierlich zwischen U19 und zweiter Mannschaft. Trotz dieses rapiden Aufstiegs sah er scheinbar keine Perspektive, sich bald einen Platz in der Profi-Mannschaft zu erkämpfen. Schon im Winter 2016/17 deutete sich an, dass der damals 17-Jährige nach Erreichen der Volljährigkeit einen Vereinswechsel anvisiert. Als man bei PSG von den Planungen des jungen Verteidigers Wind bekam, versuchte man es erst mit einer Disziplinarmaßnahme, dann bot man ihm doch einen Profivertrag an. Diese Offerte schlug Zagadou aber aus und unterzeichnete Anfang Juni einen Fünfjahresvertrag bei Borussia Dortmund. „Ich habe mich bewusst für den BVB entschieden, weil es diesem Klub immer wieder gelingt, junge Spieler ins Profiteam zu integrieren und sie auf höchstem Niveau weiterzuentwickeln“, sagte er zu seiner Entscheidung.

„Ein starker und eleganter Spieler“

Mit Zagadou bekommt der BVB ohne Zweifel einen hochtalentierten Innenverteidiger, der alles mitbringt, um eines Tages internationales Format zu erreichen. Der Linksfuß ist technisch beschlagen und beteiligt sich oft und gerne am Aufbau- und Offensivspiel. Nichtsdestotrotz ist er auch ein guter Zweikämpfer, sowohl am Boden als auch in der Luft, nicht zuletzt wegen seiner beeindruckende Statur (1,95 Meter Körpergröße). Gelegentlich läuft der Youngster Gefahr, sich zu sehr auf seine körperliche Überlegenheit zu verlassen. Mit etwas mehr Spielpraxis auf Profi-Niveau sollte dieses kleine Makel aber ausgebügelt werden.

Zumal Zagadou als intelligenter Junge gilt, der nicht vor Verantwortung zurückscheut. Sowohl bei PSG als auch bei der Nationalmannschaft trug er oftmals die Kapitänsbinde und galt als wichtiger Antreiber aus dem Hinterfeld. Das italienische Online-Portal Generazione di Talenti schrieb im Mai 2016, der junge Verteidiger habe „technisch, athletisch und mental“ überdurchschnittliche Qualitäten. Er sei zudem „ein starker und eleganter Spieler“, dessen Bälle aus der Tiefe eine Augenweide seien.

Ausblick: Noch Regionalliga oder doch schon Bundesliga?

Die Aussage von Sportdirektor Zorc, der Transfer sei perspektivisch angelegt, lässt vermuten, dass Zagadou beim BVB zunächst keine große Rolle einnehmen wird. Gut möglich, dass er in seiner ersten Saison vorwiegend in der Regionalliga-Mannschaft Spielpraxis sammeln wird. Es wäre eine große Überraschung, wenn er es bei Peter Bosz direkt in die Innenverteidiger-Rotation schafft. Allerdings ist der Trainer ebenso wie Borussia Dortmund dafür bekannt, keine Rücksicht auf große Namen zu nehmen. Wenn sich Zagadou also anbietet, ist nichts ausgeschlossen. Man erinnere sich nur an Julian Weigl, der unter Thomas Tuchel ebenfalls völlig überraschend zum Stammspieler wurde.

Sicher ist, dass Schwarz-Gelb mit dieser Verpflichtung seinen Ruf als Hafen für Europas Talente weiter untermauert. Und, womöglich noch wichtiger, man hat auf einer Position, wo in der BVB-Jugend keine echten Ausnahmetalente zu finden ist, für die Zukunft einen sehr vielversprechenden Spieler geholt.

Pariser Nachwuchs wandert wegen Star-Einkäufen ab

Der Transfer von Zagadou zeigt auch, welch guten Ruf die Bundesliga in Frankreich gerade bei jungen Spielern genießt. Mit Ousmane Dembélé, Kingsley Coman, Dayot Upamecano, Sehrou Guirassy, Mamadou Doucouré, Cuisance und Zagadou werden in der kommenden Saison voraussichtlich sieben junge Franzosen in der deutschen Liga spielen. Dass mit Coman, Doucouré und Zagadou drei Spieler dabei sind, die aus der Jugend von PSG stammen, ist kein Zufall. Der Hauptstadtklub hat zunehmend das Problem, dass junge Spieler wegen mangelnder Perspektive den Verein frühzeitig verlassen. Dies ist ohne Zweifel eine Folge der aggressiven Einkaufspolitik, die seit der Übernahme durch die Investorengruppe Qatar Sports Investments im Jahr 2011 Einzug gehalten hat. Rund 700 Millionen Euro hat man seitdem alleine an Ablösesummen investiert.

Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass auch die Nachwuchsförderung bei PSG in den letzten sechs Jahren enorm nach vorne gebracht wurde. Wie am Beispiel Zagadou deutlich wird, sehen viele Talente aus der Pariser Akademie ob der Fülle an Weltstars jedoch keine realistische Chance, sich im Profibereich bei ihrem Ausbildungsklub durchzusetzen. Nicht umsonst soll auch der 19-jährige Stürmer Jean-Kévin Augustin über einen Wechsel in die Bundesliga nachdenken. Profitieren tun andere Vereine, in diesem Fall Borussia Dortmund, die exzellent ausgebildete Spieler oftmals ablösefrei oder gegen Zahlung einer niedrigen Ausbildungsentschädigung bekommen.