Spieler-Portrait: Davor Lovren, 20 Jahre

Foto: Christof Koepsel/Getty Images

Viel Positives konnte Fortuna Düsseldorf am vergangenen Samstag nicht aus Nürnberg (0:3) mitnehmen. Für ein junges Talent aus den Reihen des Aufsteigers war es dennoch ein großer Tag: Davor Lovren schnupperte erstmals in seiner Karriere Bundesliga-Luft. Der kroatische Offensivmann hat allerdings schon ein größeres Ziel vor Augen.

Lovren kam am 3. Oktober 1998 in München zur Welt, wohin seine kroatische Familie während des Bosnienkriegs geflohen war. Er hatte das Glück, die dramatische Fluchtgeschichte, die sein neun Jahre älterer Bruder und Liverpool-Profi Dejan kürzlich schilderte, nicht miterleben zu müssen. Kurz nach seiner Geburt wurde die Familie nach Kroatien zurückgeschickt, wo Lovren ab 1999 in bescheidenen Verhältnissen, aber zumindest in Frieden groß wurde.

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Es dauerte nicht lange, da begann er seinem Bruder auf dem Fußballplatz nachzueifern, wobei sich bald herausstellte, dass auch ihm jede Menge Talent in die Wiege gelegt wurde. Schon bei seinem ersten Klub, dem NK Karlovac, gehörte Lovren zu den Ausnahmekönnern, sodass ihm 2009 ein Platz im Nachwuchsprogramm von Dinamo Zagreb angeboten wurde. Bei dem 18-fachen kroatischen Meister setzte er seine rasante Entwicklung fort und galt bereits in seinen frühen Teenager-Jahren als Top-Talent. Auch vom kroatischen Verband wurde Lovren speziell gefördert: Er lief über 50-mal als Junioren-Nationalspieler auf, unter anderem 2015 bei der U17-EM und U17-WM, wonach ihn der Guardian zu einem der 50 weltweit talentiertesten Spieler des Jahrgangs 1998 erklärte.

Funkel entfacht den Funken

Der Sprung in den Profibereich fiel dem Überflieger allerdings schwerer als gedacht. Zwar kam Lovren am letzten Spieltag der Saison 2015/16 zu seinem Debüt in der ersten kroatischen Liga, auf einen weiteren Einsatz wartete er in der darauffolgenden Spielzeit jedoch vergeblich. Natürlich brannte der hoch gehandelte Youngster darauf, sich auf hohem Niveau zu messen, und drängte deshalb im Sommer 2017 auf einen Vereinswechsel. Ende Juni war der Ort für die anvisierte Trendwende gefunden: bei Fortuna Düsseldorf sollte es für Lovren wieder bergauf gehen. Die Rheinländer vereinbarten mit Dinamo Zagreb eine zweijährige Ausleihe des damals 18-Jährigen mit Kaufoption.

Der mutige Entschluss, seinen Heimatklub zu verlassen, zahlte sich für Lovren aus, denn unter Fortuna-Trainer Friedhelm Funkel kam der Kroate in der vergangenen Saison 14-mal zum Einsatz und konnte seine Qualitäten immer wieder aufblitzen lassen. Seinen wohl größten Auftritt hatte er ausgerechnet am letzten Spieltag beim Gastspiel in Nürnberg (3:2), als er in der Nachspielzeit Kaan Ayhans entscheidendes Tor zur Zweitliga-Meisterschaft mustergültig vorbereitete. Während der Sommerpause wurde das Leihgeschäft vorzeitig beendet und Lovren wechselte stattdessen fest zur Fortuna – ein klares Zeichen des Vertrauens, das mit einem Lob von Coach Funkel einherging. „Er ist jemand, dem ich in den kommenden zwei, drei Jahren absolut zutraue, ein sehr guter Bundesliga-Spieler zu werden“, sagte der 64-Jährige dem Express.

Das große Ziel: Brüderpaar bei der Euro 2024

Noch lässt der angekündigte Durchbruch auf sich warten; Lovren ist seit dem Düsseldorfer Aufstieg kaum zum Zug gekommen. Nichtsdestotrotz scheint die Chemie zwischen der Fortuna und dem 20-Jährigen zu stimmen, weshalb davon auszugehen ist, dass die kommenden Monate mehr Einsatzzeit für ihn bereithalten dürften. Regelmäßige Spielpraxis in der Bundesliga wäre der erste Schritt zu dem großen Ziel, das Lovren antreibt. Wie er jüngst dfb.tv verriet, blickt er schon jetzt auf die EM 2024, wo er hofft, gemeinsam mit seinem Bruder für das kroatische Nationalteam aufzulaufen.

Einen direkten Konkurrenzkampf würde es zwischen den Brüdern wohl kaum geben, denn während sich Dejan als beinharter Verteidiger einen Namen gemacht hat, ist Davor ein kreativer Spieler, dessen Stärken im Spiel nach vorne liegen. Schnelligkeit, Dribbelstärke und Unberechenbarkeit sind die Qualitäten, die ihn zu einem vielversprechenden Mann für die Zukunft machen. Der 1,72 Meter große Linksfuß ist ein quirliger Flügelspieler mit Flair, der für die ein oder andere spektakuläre Aktion zu haben ist. Symptomatisch: Sein bisher einziger Treffer im Fortuna-Trikot wurde gleich zum vereinsinternen „Tor des Jahres“ gekürt. Es sind Momente wie dieser sehenswerte Lupfer gegen Eintracht Braunschweig (1:0), in denen deutlich wird, über welch großartige Anlagen Lovren verfügt. Noch bringt er diese Anlagen jedoch zu selten auf den Platz. Ihm fehlt noch ein kleines Stück Souveränität und Zielstrebigkeit, um bei der Fortuna zum Stammspieler aufzusteigen und die Prognose seines Trainers wahr zu machen.