Spieler-Portrait: Dženis Burnić, 19 Jahre

Vor vier Tagen verteidigte Borussia Dortmund den Meistertitel in der U19-Bundesliga. Kapitän Dženis Burnić agierte beim Finale eher im Hintergrund, war aber maßgeblich daran beteiligt, dass es seine Mannschaft überhaupt ins Endspiel geschafft hatte. In der kommenden Saison dürfte er endgültig zum Profifußballer aufsteigen.

Ausgerechnet an seinem 19. Geburtstag nahm Burnić die Meisterschale stellvertretend für die Junioren von Borussia Dortmund entgegen. Der Jubel nach dem Elfmeterkrimi gegen Bayern München war natürlich grenzenlos, und das, obwohl der Meistertitel für den Youngster schon fast zur Routine geworden ist. Der Kapitän holte nämlich seinen vierten Titel in Serie. Schon mit der U17 gewann er 2014 und 2015 die deutsche Meisterschaft, ehe er 2016 und 2017 mit der U19 erfolgreich war. Das junge Mittelfeldtalent ist also im wahrsten Sinne des Wortes ein Erfolgsgarant.

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Burnić wurde am 22. Mai 1998 im westfälischen Hamm geboren. Sein Vater Almin stammt aus Bosnien-Herzegowina und spielte als Hobbyfußballer lange beim BV 09 Hamm II. Seine ersten Schritte als Fußballspieler machte Burnić als Kind beim SV 26 Heessen, einem kleinen Verein in seiner Geburtsstadt. Bereits mit sieben Jahren wurde er allerdings von BVB-Scout Volker Pröpper entdeckt und schloss sich Borussia Dortmund an. Dort hat er sich über die nächsten elf Jahre vom talentierten Sprössling zum Bundesligaspieler entwickelt.

Vom Allrounder zum Spielgestalter

Nach gut sieben Jahren im Dortmunder Jugendprogramm wurde Burnić 2013 zur U17-Bundesligamannschaft hochgezogen. Dort wusste der damalige U15-Nationalspieler sofort zu beeindrucken. Unter Coach Hannes Wolf wurde er auf verschiedensten Positionen eingesetzt, stand aber in 24 von 26 Ligaspielen in der Startformation. Er war an elf Dortmunder Toren beteiligt und wurde in Leipzig (2:1) mit seinem Team deutscher Meister. In seiner zweiten U17-Spielzeit nahm Burnić zunehmend eine Führungsrolle in der Mannschaft ein und legte mit seiner Vorarbeit zum 1:0 im Finale (4:0 in Stuttgart) den Grundstein für den zweiten BVB-Titel binnen zwei Jahren. Insgesamt gelangen ihm 13 Torbeteiligungen in der Saison 2014/15. Bei der U17-Europameisterschaft 2015 kam er zu vier Einsätzen für Deutschland, bei der Finalniederlage gegen Frankreich (1:4) saß er jedoch über die gesamte Spielzeit auf der Bank.

Nach diesen zwei äußerst erfolgreichen Jahren wurde Burnić schließlich zu den U19-Junioren hochgezogen. Anpassungsprobleme hatte er dort nicht – im Gegenteil. Das junge Talent wurde zunehmend als Mittelfeldspieler aufgeboten und verfeinerte seine Qualitäten im Angriffsspiel. Acht Tore und 13 Vorlagen standen zu Buche, als Burnić nach einem spektakulären 5:3 in Hoffenheim zum dritten Mal in seiner jungen Karriere eine Meisterschale in die Höhe recken durfte.

2016/17: Küken bei Tuchel, Chef bei Hoffmann

Zur Saison 2016/17 rückte Burnić schließlich in den Dortmunder Profikader auf. Er kam weiterhin vorwiegend in der U19-Bundesliga und der Youth League zum Einsatz, am 18. Oktober folgte unter Thomas Tuchel allerdings ein Kurzeinsatz in der Champions League. Im Februar bekam er schließlich eine Chance in der Bundesliga, direkt von Beginn an. Das Debüt missglückte jedoch: Beim 1:2 in Darmstadt machte der BVB insgesamt keine gute Figur und Burnić sah bei beiden Gegentoren unglücklich aus. Als Kapitän der U19 war er dafür umso erfolgreicher: Im ersten Spiel der Endrunde drehte er mit einem Doppelpack das Spiel in Wolfsburg (3:2) und legte somit erneut den Grundstein für den folgenden Meistertitel.

Insbesondere für Taktikfüchse wie BVB-Coach Tuchel ist Burnić ein wertvoller Spieler, denn er deckt viele verschiedene Fähigkeitsbereiche ab. Der Linksfuß kann aus dem Mittelfeld das Spiel lenken, aus der Abwehr den Spielaufbau leiten oder sogar als offensive Waffe eingesetzt werden. Diese Polyvalenz, gepaart mit seinen Führungsqualitäten, macht den gebürtigen Westfalen zu einem solch vielversprechenden Talent. Im Dortmunder U19-Team ist der 1,85 Meter große Burnić „der Kopf der Mannschaft, der immer wieder vorweggeht, der aber auch in der Kabine alles regelt“, wie Trainer Benjamin Hoffmann kürzlich der Funke Mediengruppe verriet.

Nächster Schritt: Senkrechtstart oder Leihgeschäft?

Im Bezug auf die nächste Spielzeit ist beim BVB noch einiges offen. Nicht zuletzt scheint die Trainerfrage immer noch nicht final geklärt zu sein. Ähnlich offen ist auch, wie das kommende Jahr für Burnić verlaufen wird. In der Jugend wird er nicht mehr spielen, ein Zwischenschritt in der zweiten Mannschaft wäre untypisch für ein Talent seines Kalibers – bleibt also nur der Sprung ins Profigeschäft. Sowohl im Abwehrzentrum als auch im zentralen Mittelfeld ist die Borussia aber tief besetzt, es dürfte also schwer werden, sich dort durchzusetzen. Die wichtigste Frage ist, ob ihm die Verantwortlichen beim BVB den Sprung zum konstanten Profi zutrauen. Wird man Burnić eine Chance geben, wenn ein Innenverteidiger (z.B. Matthias Ginter oder Sokratis) geht, oder während Julian Weigl seine schwere Verletzung auskuriert?

Traut man dem 19-Jährigen den direkten Sprung nicht zu, könnte er in der nächsten Saison an einen Zweitligaklub verliehen werden. Dafür müsste er seinen 2018 auslaufenden Vertrag in Dortmund erst verlängern, vorausgesetzt das Phänomen Badstuber macht nicht plötzlich Schule. In der 2. Bundesliga hätte Burnić sicherlich eine Chance, sich durchzusetzen und wertvolle Spielpraxis zu sammeln. Zunächst einmal geht es für den frischgebackenen deutschen Meister jetzt allerdings zur U19-Europameisterschaft in Georgien. Dort trifft die DFB-Elf in der Gruppenphase auf Bulgarien, England und die Niederlande.