Spieler-Portrait: Erik Majetschak, 17 Jahre

Die deutsche U17-Nationalmannschaft befindet sich aktuell in Kroatien, wo die Europameisterschaft ihrer Altersklasse ausgetragen wird. Angeführt wird die Nachwuchsauswahl von Mannschaftskapitän Erik Majetschak. Er spielt bei RB Leipzig und hat gute Aussichten, in den nächsten Jahren den Sprung zum Bundesligaspieler zu schaffen.

Mit einem deutlichen 5:0-Sieg über Bosnien-Herzegowina ist Deutschland am Donnerstag in die U17-Europameisterschaft gestartet. Dass dem DFB-Team mit Jean-Manuel Mbom und Robin Kehr zwei Leistungsträger fehlten, machte sich unter anderem dank eines Dreierpacks von Fiete Arp überhaupt nicht bemerkbar. Um diese beiden Ausfälle auch im weiteren Turnierverlauf zu kompensieren, muss neben Arp vor allem Kapitän Majetschak gute Leistungen abrufen.

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Im Gegensatz zu vielen RB-Talenten stammt der 17-jährige Majetschak tatsächlich aus dem Leipziger Umfeld, genauer gesagt aus Bad Lausick, einer Kleinstadt rund 30 Kilometer südöstlich der sächsischen Metropole. Sein Vater Dirk war früher ebenfalls Fußballspieler und ist derzeit Präsident des Leipziger Fußballverbands. Majetschaks Karriere begann beim beschaulichen Bornaer SV, doch schon im Alter von neun Jahren wechselte er in die Jugend des 1. FC Lok Leipzig, wo sein Vater früher Vizepräsident war.

Aufstieg zum Kapitän der „Jungbullen“

Zwei Jahre später ging es dann schon ins hochmoderne Jugendprogramm von RB Leipzig. Nach vier Jahren bei den „Roten Bullen“ absolvierte Majetschak 2015 sein Debüt in der U17-Bundesliga. Durch zwei Siegtreffer gegen Union Berlin und den Hamburger SV (beide 1:0) etablierte er sich dort schnell als Leistungsträger. Am Ende der Saison 2015/16 standen für ihn 22 Einsätze, fünf Tore und eine Vorlage zu Buche, seine Mannschaft erreichte den zweiten Tabellenplatz der Staffel Nord/Nordost.

Vor Beginn der aktuellen Spielzeit übernahm dann Sebastian Hoeneß (Sohn von Dieter Hoeneß) das Zepter bei der Leipziger U17. Er ernannte Majetschak zum Mannschaftskapitän und setzte ihn vermehrt als offensiven Spielmacher ein. Der Youngster zahlte das Vertrauen mit Leistung zurück: er stand in jedem der bisher 24 Ligaspiele auf dem Platz und erzielte bereits zwölf Saisontore. Unter anderem dank seiner Treffsicherheit stellt Leipzig mit 84 Toren die gefährlichste Offensive der gesamten U17-Bundesliga. Dennoch wird es erneut nicht zur Endrundenteilnahme reichen, denn die bis vor einem Spiel ungeschlagenen Bremer stehen satte 14 Zähler vor RB. Immerhin gelang es Majetschak und seinem Team vor knapp zwei Wochen, die Siegesserie des SV Werder zu durchbrechen (1:0).

Ein geborener Zehner – oder doch ein Achter?

Beim DFB wurde man bereits früh auf das junge Talent aus Sachsen aufmerksam. Schon im Mai 2015 wurde er für zwei Spiele der U15-Nationalmannschaft berufen, es folgten neun Einsätze für die U16-Nationalmannschaft. Mit dem jetzigen U17-Trainer Christian Wück hat Majetschak einen wichtigen Förderer beim DFB. Bereits 2015 lobte ihn Wück gegenüber der Leipziger Volkszeitung in den höchsten Tönen: „Er ist in diesem Jahrgang einer der absoluten Topspieler. Er hat alles, was man auf der Zehner-Position benötigt: Torgefährlichkeit, gutes Passspiel und eine hervorragende Orientierung – er ist unheimlich weit entwickelt.“

Trotz seiner vermeintlich idealen Qualitäten für die Rolle als offensiver Spielmacher agiert Majetschak auch oft in einer tieferen Rolle, als sogenannter Achter. Seine Spielweise beschrieb er kürzlich in einem Interview mit dfb.de wie folgt: „Ich traue mir zu, die entscheidenden Steckpässe zu spielen und unsere Stürmer immer wieder in Szene zu setzen. Außerdem kann ich auch selbst eine gewisse Torgefahr entwickeln. Grundsätzlich möchte ich der Mannschaft mit meinen Assists und Toren helfen. Ein Spieler, den ich gerne beobachte, ist Toni Kroos. Seine Ballbehandlung, seine Pässe, seine gesamte Spielintelligenz – all das ist herausragend, davon kann man viel lernen.“

Die Konkurrenz in Leipzig ist groß

Um eines Tages als Achter auf Profiniveau zu spielen, muss sich Majetschak allerdings im Defensivverhalten noch steigern. Darauf liegt aktuell auch sein Fokus im Training: „Im Verein arbeiten wir momentan daran, mein Zweikampfverhalten und die Zweikampfaggressivität auf das nächste Level zu heben. Da ich bei RB Leipzig meistens in der Zentrale agiere, möchte ich nicht nur durch meine spielerischen Fähigkeiten wertvoll für die Mannschaft sein, sondern noch mehr Bälle erobern.“

In der nächsten Saison wird das Leipziger Eigengewächs aller Voraussicht nach zur U19-Auswahl aufrücken. Dort wird er sich neu behaupten und seine Leistungen aus den unteren Klassen bestätigen müssen. Wenn das gelingt, steht ihm die Tür zum Profifußball allerdings weit offen. Einen weiteren Zwischenschritt wird es für Majetschak dann nicht mehr geben, denn RB Leipzig meldet seine Amateurmannschaft im Sommer vom Spielbetrieb ab. Sollten sich die Sachsen tatsächlich dauerhaft in den Top 5 der Bundesliga festsetzen, wird es natürlich extrem schwer, sich einen Platz in der „Bullen-Auswahl“ zu erkämpfen. Doch diese potenziellen Probleme sind für Majetschak nur Zukunftsmusik. Sein Fokus dürfte zunächst auf der U17-Europameisterschaft und dann auf der Umstellung zur U19-Bundesliga liegen.