Spieler-Portrait: Evan N’Dicka, 19 Jahre

Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images

Am ersten Bundesliga-Spieltag gab es bei Eintracht Frankfurt eine überraschende Premiere: Trainer Adi Hütter setzte in der Innenverteidigung auf den jungen Neuzugang Obite Evan N’Dicka. Der 19-jährige Franzose wusste zu überzeugen und könnte ein Shootingstar dieser Saison werden.

Wie so viele französische Fußballtalente stammt auch N’Dicka aus Paris. In der Stadt des Lichts wurde er am 20. August 1999 in eine kamerunisch-stämmige Familie hineingeboren. Ebenjene Familie war es, die ihn zu Kindertagen zum Fußballspielen animierte. „Als ich fünf war, habe ich angefangen, mit meinem Vater und meinen Brüdern Fußball zu spielen. Seitdem habe ich nie damit aufgehört“, erzählte er bei einem Interview für den YouTube-Kanal der Eintracht. Bald reichte ihm das gelegentliche Kicken mit der Verwandtschaft nicht mehr, und er begann bei den Pariser Vereinen FC Antillais und FC Solitaires zu trainieren.

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Schon mit zwölf Jahren verließ N’Dicka seine Heimatstadt, um sich dem Nachwuchsprogramm der AJ Auxerre anzuschließen. Dem für seine ausgezeichnete Jugendarbeit bekannten Klub aus dem Burgund blieb er bis zu seinem Wechsel nach Frankfurt treu. Das außerordentliche Talent des Defensivmannes schimmerte bereits zu dieser Zeit hervor: Seit der U16 ist er französischer U-Nationalspieler; insgesamt hat er bislang zwölfmal für Nachwuchsteams von „Les Bleus“ gespielt.

Millionen-Ablöse nach nur 14 Zweitliga-Spielen

Auch in Auxerre erkannten die Verantwortlichen N’Dickas Frühreife und ließen ihn schon als 16-Jährigen im Männerbereich spielen. Zunächst kam er für die Reservemannschaft der Franzosen zum Einsatz, ein halbes Jahr später folgte sein Einstand für das Profiteam, das in der zweiten französischen Liga spielt. Über die nächsten 15 Monate ging es zwischen erster und zweiter Mannschaft hin und her, ehe er sich Ende vergangener Saison schließlich bei den Profis festspielen konnte. In den letzten sieben Ligapartien kam er für AJA jeweils über die volle Spielzeit zum Einsatz. Anfang Juli wurde dann sein Wechsel zu Eintracht Frankfurt bekannt gegeben.

Obwohl N’Dicka über etwas Zweitliga-Erfahrung verfügt, war er in Deutschland zum Zeitpunkt des Transfers ein unbeschriebenes Blatt. Als durch Recherchen des Kicker bekannt wurde, dass die Frankfurter zwischen fünf und sechs Millionen Euro Ablöse für den Franzosen bezahlt haben sollen, deutete sich jedoch an, dass die „Adler“ N’Dicka wohl nicht nur als Perspektivspieler für die Zukunft, sondern auch als sofortige Verstärkung eingeplant haben. Dass er eine solche Verstärkung sein kann, zeigte der U19-Nationalspieler vergangenen Samstag in Freiburg (2:0), als er bei seinem ersten Einsatz im Eintracht-Dress an der Seite von Carlos Salcedo die Freiburger Offensive über weite Strecken kaltstellte – ein „sehr gelungenes Debüt“, fand auch N’Dicka selbst.

Fernandes prognostiziert „Riesenkarriere“

Trotz seines beeindruckenden Einstands sollten die Erwartungen an den Youngster nicht allzu hoch geschraubt werden. N’Dicka wird mit Sicherheit auch einige schlechtere Spiele machen, alles andere wäre in seinem Alter und angesichts seiner recht spärlichen Erfahrung ein Wunder. Gleichzeitig ist während der letzten Wochen aber deutlich geworden, dass er ein großes Talent ist, dessen Potenzial kaum Grenzen nach oben zulässt. Nicht umsonst sagte ihm Teamkollege Gelson Fernandes kürzlich eine „Riesenkarriere“ voraus. N’Dicka hat Gardemaß für einen Innenverteidiger (1,92 Meter Körpergröße) und ist laut Sportvorstand Fredi Bobic „taktisch gut geschult“. Der Linksfuß selbst nennt folgende fünf Attribute als seine größten Stärken: „Aggressivität, Gegenangriffe, Zweikämpfe, Tempo, Fitness.“ Die hohe Intensität im Frankfurter Training machte ihm während der Vorbereitung etwas zu schaffen, der athletische Abwehrspieler dürfte sich mit der Zeit aber daran gewöhnen.

Abseits des Platzes scheint sich N’Dicka in Frankfurt gut eingelebt zu haben, zumal ihm als gebürtiger Pariser die Großstadt-Atmosphäre in der Mainmetropole gefällt. „Es fühlt sich gut an, in einer schönen, großen Stadt angekommen zu sein“, freute sich der 19-Jährige, der seine Jugendzeit großteils im beschaulichen Auxerre verbrachte. Die Familie des sympathischen Teenagers lebt noch in Frankreich, soll aber bald ebenfalls nach Hessen ziehen. Eine Stadttour mit der Verwandtschaft hat offenbar bereits stattgefunden. Insgesamt scheint es, als nehme N’Dicka sowohl die Stadt als auch den Verein bereits als seine neue Heimat wahr – ideale Voraussetzungen, um an den erfolgreichen Start bei der SGE anzuknüpfen.