Spieler-Portrait: Felix Götze, 20 Jahre

Foto: Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images

Felix Götze will aus dem Schatten seines Bruders herausspringen, den Talentstatus ablegen und sich durch eigene Leistungen einen Platz im Bundesliga-Fußball erkämpfen. Beim FC Augsburg scheint der junge Defensivmann diesem Ziel aktuell mit Siebenmeilenstiefeln entgegenzugehen.

Götze wurde am 11. Februar 1998 in Dortmund geboren. Da seine älteren Brüder Fabian und Mario beide ab 2001 beim BVB spielten, ließ sich das Thema Fußball für ihn nur schwer umschiffen. Schon bald streifte auch er sich das schwarz-gelbe Trikot über und durchlief bis 2014 eine Reihe von Dortmunder Nachwuchsmannschaften. Dann folgte er seinem Bruder Mario in den Süden der Republik zum FC Bayern München. Nicht erst dort stand er aufgrund seines Nachnamens natürlich unweigerlich unter besonderer Beobachtung.

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In München spielte Götze zunächst für die U17-Junioren, schon nach einem Jahr stieg er allerdings zur U19 auf. Mit Erfolgstrainer Holger Seitz erreichte er dort in seiner zweiten Saison das Finale um die deutsche Meisterschaft, musste sich jedoch seinem Ex-Klub Borussia Dortmund im Elfmeterschießen geschlagen geben (7:8). An die eigene Nase fassen musste sich Götze dabei nicht, übernahm er doch Verantwortung und verwandelte den ersten Elfmeter für sein Team. Viel Zeit, um dem verlorenen Finale nachzutrauern, blieb dem Youngster ohnehin nicht, denn im Juli ging es für ihn zur U19-EM nach Georgien, wo er im letzten Gruppenspiel gegen England (1:4) seinen bisher einzigen Auftritt im DFB-Trikot hatte.

Ein Premieren-Tor mit Nachklang

Zur Saison 2017/18 erhielt Götze einen Profivertrag beim FC Bayern, kam jedoch weder unter Carlo Ancelotti noch unter Jupp Heynckes in der Bundesliga zum Zug. Obwohl er in der Regionalliga Bayern (19 Einsätze, drei Tore) sowie der UEFA Youth League (fünf Spiele, ein Tor) Spielpraxis sammelte, wurde deutlich, dass der Schritt zu einer ernsthaften Rolle im Bayern-Kader auf absehbare Zeit nicht gelingen würde. Trotz Vertrages bis 2019 wechselte er deshalb in der Sommerpause 2018 ablösefrei zum FC Augsburg, um eine realistische Chance auf Bundesliga-Minuten zu haben.

Gut vier Monate später deutet alles darauf hin, dass diese Entscheidung goldrichtig war. Die Zwischenbilanz liest sich gut: Götze stand bislang bei jedem der acht Augsburger Pflichtspiele im 18er-Kader und wurde fünfmal eingewechselt. Auch sein erstes Bundesliga-Tor hat er bereits erzielt – ausgerechnet beim Auswärtsspiel in München (1:1) besorgte er kurz vor Schluss den umjubelten Ausgleichstreffer für sein Team und leitete die derzeitige Formkrise seines Ex-Klubs ein.

Mit Positivität und Cleverness zur Stammkraft?

Sein erstes Tor im Fußball-Oberhaus widmete Götze seinem Bruder, dessen Tipps ihm laut eigener Aussage den Weg in den Profi-Fußball geebnet haben. Dabei bewegen sich die Geschwister fußballerisch in unterschiedlichen Sphären: Während Mario als offensiver Kreativgeist bekannt ist, versucht Felix als hartnäckiger, vielseitiger Defensivspieler Karriere zu machen. Beim FC Bayern kam er vorwiegend als Innen- und Rechtsverteidiger zum Einsatz, FCA-Coach Manuel Baum stellt ihn bislang bevorzugt als Sechser auf. Die Rolle vor der Abwehr hat es Götze anscheinend angetan, zumal er beim FCA langfristig „eine tragende Rolle spielen“ will, wie er zu Beginn der Saison in einem Interview mit t-online.de zu verstehen gab. „Er sieht sich, wie wir ihn auch, eher zentral“, ließ Geschäftsführer Stefan Reuter die Augsburger Allgemeine wissen. Angesichts dieser Aussagen verwundert es kaum, dass der 1,85 Meter große Rechtsfuß schon als designierter Nachfolger von Kapitän und Spielmacher Daniel Baier gehandelt wird.

Die Tage als Mittelfeld-Chef könnten für den 34-jährigen Routinier gezählt sein, denn Götze dürfte durch seine Einsätze in den vergangenen Wochen Blut geleckt haben und bald in die Startelf drängen. Auch seine Kollegen scheinen ihm den dauerhaften Sprung zum Leistungsträger zuzutrauen – gerade aufgrund seiner mentalen Qualitäten. Mitspieler Martin Hinteregger lobte laut goal.com jüngst Götzes außergewöhnliche Ruhe und Cleverness, während Nationaltorwart Manuel Neuer aus gemeinsamen Zeiten beim FC Bayern besonders die „gute, positive Einstellung“ seines Bezwingers in Erinnerung geblieben ist. Es ist also gut möglich, dass schon bald eine Rückfrage nötig ist, wenn der Name Götze in Fußballkreisen fällt.