Spieler-Portrait: Franck Evina, 16 Jahre

In der U17-Meistermannschaft des FC Bayern München tummeln sich einige hochtalentierte junge Spieler. Einer von ihnen ist der 16-jährige Franck Evina. Der Torjäger aus Kamerun ist auf einem guten Weg, seinen Traum, in der Bundesliga zu spielen, eines Tages zu verwirklichen.

Zum ersten Mal seit 2007 ist der FC Bayern wieder deutscher U17-Meister. Auch wenn Resultate im Jugendbereich gemeinhin der Entwicklung untergeordnet werden, ist dies ohne Zweifel ein Signal an die Konkurrenz: die Jugendarbeit an der Säbener Straße gehört (wieder) zu den besten Deutschlands. Großen Anteil am Erfolg der Münchner hat Stürmer Evina, dessen Schuss in der 75. Minute des Endspiels (2:0 gegen Bremen) zum Führungstreffer durch Marcel Zylla führte. In der Hauptrunde war er zudem mit Abstand der beste Torschütze der Mannschaft.

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Evina wurde am 5. Juli 2000 in Kamerun geboren. Er stammt aus der Hauptstadt Yaoundé, doch wanderte mit seiner Mutter im Alter von sechs Jahren nach Deutschland aus. Die Familie ließ sich in München nieder und der junge Franck erlernte beim SV Neuperlach das Fußballspielen. Nach einigen Jahren wurden Scouts des FC Bayern auf den talentierten Nachwuchskicker aufmerksam und er wechselte als C-Jugendlicher (U15) ins Jugendprogramm des deutschen Rekordmeisters.

Durchbruch im zweiten Jahr U17-Bundesliga

Die Erwartungen der Bayern-Scouts konnte Evina mehr als nur bestätigen. In der Saison 2015/16 wurde er bei den U17-Junioren als Offensiv-Allrounder eingesetzt und war in 20 Spielen an insgesamt sieben Toren beteiligt. Die Endrunde um die deutsche U17-Meisterschaft verpasste er mit dem FCB nur wegen einer Niederlage am letzten Spieltag in Stuttgart (2:3).

In seiner zweiten U17-Bundesliga-Spielzeit war dann Schluss mit den ständigen Positionswechseln. Trainer Tim Walter schenkte ihm nun dauerhaft das Vertrauen im Sturmzentrum. Und er zahlte es zurück: 21 Tore und neun Vorlagen steuerte Evina im letzten Jahr zur ersten Staffelmeisterschaft der Bayern seit 2009 bei. Dass er auch in großen Spielen auftrumpfen kann, bewies der Torjäger dann spätestens bei der Endrunde im Juni. Im Halbfinal-Hinspiel gegen Schalke 04 (3:0) steuerte er ein Tor und eine Vorlage bei, beim Finale gegen Werder Bremen (2:0) bereitete er beide bayerischen Treffer vor. Es ist zu bezweifeln, ob die Münchner auch ohne ihren „Neuner“ den Titel geholt hätten.

Warten auf den deutschen Pass: Darf er zur U17-WM?

Trotz seiner außergewöhnlichen Leistungen hat Evina noch kein Spiel für eine Junioren-Nationalmannschaft bestritten. Das liegt daran, dass der Youngster bisher noch keinen deutschen Pass hat. Sollte er die deutsche Staatsbürgerschaft bald bekommen, würde er eine Einladung des DFB wohl ohne Zögern annehmen. „Ich würde gerne für die deutsche Nationalmannschaft spielen. Wenn ich die Wahl zwischen Kamerun und Deutschland hätte, würde ich auf jeden Fall für Deutschland spielen“, verriet er im Rahmen des ABN Amro Future Cups dem Online-Portal goal.com.

In der deutschen U17 wäre Evina gerade mit Blick auf die anstehende Weltmeisterschaft in Indien (6. bis 28. Oktober) sicherlich gern gesehen. Er ist vielseitig einsetzbar und bringt jede Menge Talent sowie die richtige Einstellung auf den Platz. Im Vergleich zu seinen Altersgenossen ist der Stürmer schon sehr robust und durchsetzungsstark, dazu kommt eine gute Schusstechnik, Schnelligkeit und Dribbelstärke. Dieses Skillset verspricht natürlich Erfolg für einen Offensivmann. Seine körperliche Stärke hat sich Evina laut eigener Aussage angeeignet, weil er mit 1,78 Meter für einen Stürmer vergleichsweise klein ist. „Ich bin nicht der Größte, also muss ich umso stabiler sein“, antwortete er auf die Aussage eines Reporters, er sei ja schon ein „richtiger Bulle“, nach dem U17-Finale. „Seit ich nicht mehr zur Schule gehe, habe ich mit meinem Athletiktrainer ziemlich hart an meiner Physis gearbeitet.“

„Bayern-Mentalität“ ist schon aufgesogen

Den Titelhunger, der beim FC Bayern praktisch zur Grundausstattung gehört, trägt Evina bereits in sich, wie nach dem Finale deutlich wurde. „Bis jetzt war unsere Mannschaft bekannt dafür Zweiter zu werden. Wir hatten nie wirklich etwas gewonnen“, beklagte er und ergänzte: „Ich bin überglücklich, dass es endlich mal geklappt hat.“ Für ihn war es der erste große Triumph seiner jungen Laufbahn. Es sollen natürlich viele weitere folgen, bevorzugt im Profi-Bereich. Evina scheut sich nämlich nicht, das Ziel aller jungen Talente auszusprechen. Er sagt klipp und klar: „Ich will Bundesliga-Profi werden.“

In der kommenden Saison wird der 16-Jährige erstmal zur U19 aufrücken. Dort muss er sich erneut beweisen, um endgültig auf den Radar von Carlo Ancelotti und Co. zu kommen und das Ziel Bundesliga weiter im Visier zu halten. Evina ist ohne Zweifel ein vielversprechendes Sturmtalent. Dennoch wird noch viel Wasser die Isar hinunterlaufen, ehe er bei den Bayern ein Thema für die Profi-Mannschaft werden könnte. Sofern er von größeren Verletzungen verschont bleibt, hat er aber eine realistische Chance, eines Tages in der Allianz Arena zu spielen.