Spieler-Portrait: Fredrik Jensen, 20 Jahre

Foto: Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images

Finnland gilt nicht gerade als Europas Talentschmiede, zumindest wenn es um Fußball geht. Mit Fredrik Jensen scheint der FC Augsburg aber einen talentierten Mittelfeldspieler aus dem Osten Skandinaviens gefunden zu haben. Einen Großteil seiner Ausbildung genoss dieser allerdings in den Niederlanden.

Jensen wurde am 9. September 1997 in Porvoo geboren. Die zweitälteste Stadt Finnlands liegt rund 50 Kilometer östlich der Hauptstadt Helsinki und besitzt eine große schwedischsprachige Minderheit, zu der auch Jensens Familie gehört. In seiner Kindheit spielte der Neu-Augsburger zunächst Eishockey, doch recht schnell überzeugte ihn sein älterer Bruder Richard (aktuell Zweitliga-Profi in den Niederlanden), Puck und Schläger gegen das runde Leder einzutauschen. Sein fußballerischer Weg führte anschließend über den FC Futura und Honka Espoo zum finnischen Rekordmeister HJK Helsinki.

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Um seinen Traum, Fußballprofi zu werden, zu verwirklichen, entschloss sich Jensen als Teenager zu einem außerordentlich mutigen Schritt: Mit 15 Jahren verließ er das Elternhaus und wechselte in die Nachwuchsakademie des niederländischen Klubs Twente Enschede, in die sein Bruder bereits ein Jahr zuvor aufgenommen worden war. „Es war eine Jetzt-oder-Nie-Situation. Man steht vor der Frage, will man bei seinen Freunden bleiben oder den Sport, den man mag, als Profi ausüben“, schilderte Jensen kürzlich der Augsburger Allgemeinen die Entscheidung, sein vertrautes Umfeld derart früh zu verlassen. Seine Heimatverbundenheit büßte er durch den Wechsel ins Ausland nicht ein, wie zwei Tattoos auf seinem rechten Vorderarm zeigen. Dort stehen die Koordinaten zwei für ihn bedeutungsvoller Plätze in Finnland.

Twente-Abstieg trübt persönlichen Aufstieg

Aus sportlicher Sicht erwies sich der Schritt nach Enschede als goldrichtige Entscheidung: Bei den „Tukkers“ blühte Jensen auf und schaffte als 18-Jähriger den Sprung in die Profimannschaft. Im Laufe der Saison 2016/17 erkämpfte er sich beim FC Twente sogar einen Stammplatz im offensiven Mittelfeld und trug sich in 25 Ligaspielen immerhin viermal in die Torschützenliste ein. Im März 2017 debütierte er zudem in der finnischen Nationalmannschaft. Gleich bei seinem ersten Auftritt für die „Uhus“ erzielte er den entscheidenden Ausgleichstreffer gegen Österreich (1:1).

In der vergangenen Spielzeit konnte Jensen seine vielversprechende Debütsaison bestätigen und war in 34 Pflichtspielen an neun Treffern beteiligt. Mit seinem Verein ging es allerdings steil bergab: Der FC Twente, 2016 noch knapp einem Zwangsabstieg wegen finanziellen Missmanagements entgangen, kam über die gesamte Saison nicht aus dem Tabellenkeller heraus und wurde am vorletzten Spieltag schließlich von Vitesse Arnheim in demütigender Art und Weise in die zweite Liga geschossen (0:5). Mit dem Abstieg ging für Jensen das Kapitel Enschede ruhmlos zu Ende: Ende Juni wurde sein Wechsel in die Bundesliga zum FC Augsburg bekannt gegeben.

Ein Kämpfer auf der „Zehn“

Bei Twente Enschede kam Jensen zumeist als offensiver Mittelfeldspieler zum Einsatz, er entspricht jedoch nicht dem klassischen Modell des kleinen, filigranen Spielgestalters. Der 1,83 Meter große Rechtsfuß hat einen robusten Körper, weiß diesen im Zweikampf gut einzusetzen und hilft seiner Mannschaft auch im Spiel gegen den Ball. „Er ist ein extrem laufstarker und lauffreudiger Spieler, der auch die tiefen Laufwege macht, der es liebt aktiv im Spiel zu sein“, charakterisierte FCA-Geschäftsführer Stefan Reuter den Neuzugang. Zudem ist Jensen dank seiner guten Schusstechnik eine Gefahr aus der zweiten Reihe, wie nicht zuletzt sein erstes Tor im Nationaltrikot gezeigt hat.

Der Finne passt mit seinen Kämpferqualitäten gut zum FCA, der unter Manuel Baum generell versucht, über Fleiß und Körperlichkeit zum Erfolg zu kommen. Zu den Stärken der Schwaben zählt auch, dass sie stets als außergewöhnlich gut organisiertes Kollektiv auftreten. In dieses Kollektiv wird sich Jensen erst einfügen müssen – keine leichte Aufgabe für einen 20-Jährigen ohne Deutschkenntnisse und Bundesliga-Erfahrung. Zu Beginn dürfte der Youngster daher vornehmlich als Joker zum Einsatz kommen, um die Abläufe und Automatismen im Team kennenzulernen. Langfristig könnte er aber eine wertvolle Ergänzung für die Augsburger Offensive werden.