Spieler-Portrait: Gregor Kobel, 19 Jahre

Im Schatten von Oliver Baumann wächst bei 1899 Hoffenheim ein äußerst talentierter Torwart heran. Der 19-jährige Gregor Kobel hat sich als Nummer zwei im Kraichgau etabliert und kam im DFB-Pokal in diesem Sommer zu seinem Profi-Debüt.

Kobel wurde am 6. Dezember 1997 im schweizerischen Zürich geboren. Das Sportler-Gen hat er wohl von seinem Vater Peter mitbekommen, der einst in den 1990er Jahren als Eishockey-Spieler in der Schweiz aktiv war. Auch der Junior stellte sich auf dem Eis nicht schlecht an, letztendlich zog es ihn aber mehr auf den grünen Rasen. „Im Fussball verfolgte ich meine Ziele passionierter und erfolgreicher“, berichtete er vor einiger Zeit der Basler Zeitung TagesWoche.

- Anzeige -

Ab der U9 spielte Kobel beim Züricher Traditionsverein Grasshoppers Club. Dort genoss er eine erstklassige fußballerische Ausbildung und schaffte 2014 den Sprung zum U17-Nationalspieler. Wenige Monate später stellte die TSG Hoffenheim über den Schweizer Verband erstmals Kontakt mit dem jungen Torwart her. Als das Angebot kam, zögerte das ehrgeizige Talent nicht lange. Schnell war er sich sicher: „Diese Challenge nehme ich an.“ Am 1. September 2014 kam ein zweijähriges Leihgeschäft mit anschließender Option auf eine feste Verpflichtung zustande.

Nagelsmann, der Förderer

In Hoffenheim wurde Kobel zunächst von Julian Nagelsmann unter die Fittiche genommen, der damals noch U19-Trainer war. In seiner Debütsaison musste er sich im ältesten Jahrgang der TSG-Jugend meist hinter Dominik Draband anstellen und kam nur auf drei Einsätze. Als sein Konkurrent zu Beginn der Saison 2015/16 in die U23 hochgezogen wurde, bekam er schließlich das Vertrauen zwischen den Pfosten. Über die nächsten Monate gelang es dem Schweizer, bei Nagelsmann einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Bis zu dessen Beförderung zum Profi-Coach war er bei der U19 gesetzt, dann kam er sogar zu fünf Einsätzen in der Hoffenheimer U23. In der Endrunde um die U19-Meisterschaft erreichte Kobel mit der TSG das Finale, bekam dort aber fünf Stück von Borussia Dortmund eingeschenkt (3:5).

Seinem steilen Aufstieg konnte dieser kleine Misserfolg nichts anhaben. Anfang der Saison 2016/17 zogen die Hoffenheimer die Kaufoption für Kobel, statteten den damals 18-Jährigen mit einem Profivertrag aus und beförderten ihn zum Stammtorwart der U23. Auch in der Schweiz blieb Kobels rasante Entwicklung natürlich nicht unbemerkt. Nach einem Auftritt für die U20 wurde er im Oktober 2016 neuer U21-Torwart der Eidgenossen. Eine überzeugende Saison in der Hoffenheimer U23 (26 Spiele, 24 Gegentore, zehnmal zu Null) brachte ihm im Sommer 2017 sogar seine erste Nominierung für die A-Nationalmannschaft ein.

Pokal vor Bundesliga

Auch bei der TSG wurde Kobel dieses Jahr erneut befördert – er verdrängte Alexander Stolz als Nummer zwei hinter dem gesetzten Baumann. Darüber hinaus wurde er von Nagelsmann zum „Pokal-Torwart“ erklärt und kam am 12. August in der ersten DFB-Pokalrunde zu seinem Profi-Debüt (1:0 bei Rot-Weiß Erfurt). Zweieinhalb Monate später folgte der zweite Einsatz beim enttäuschenden Pokal-Aus der Hoffenheimer in Bremen (0:1).

Der nächste Schritt wäre jetzt eigentlich das Bundesliga-Debüt. Damit hat es Kobel aber nicht eilig. „Ich bin 19 und muss ganz bestimmt nicht auf einen Platz in der Bundesliga pochen. In meinem Alter spielten in Deutschland nur ganz wenige bereits in der ersten Liga“, erklärte er im Juni der Luzerner Zeitung. Spielpraxis sieht er nicht als wichtigsten Faktor für eine gute Entwicklung: „Ich werde und möchte mich verbessern, der Trainingsbetrieb ist für junge Spieler extrem wichtig, das ist nicht zu unterschätzen.“

Die Frage nach der Perspektive

Die erste Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Karriere als Fußballtorwart bringt Kobel mit: Körpergröße. Mit 1,93 Meter ist er nochmal sechs Zentimeter größer als Stammtorwart Baumann, dazu kommt eine kräftige Statur, die ihm gerade bei hohen Bällen zugute kommt. Außerdem verfügt er über einen ausgeprägten Ehrgeiz und Lernwillen. Mit viel Routine und Gewissenhaftigkeit geht er seinen Aufgaben im Training nach und steigert sich kontinuierlich in allen Bereichen des Torwartspiels.

Dennoch dürfte es für Kobel schwierig werden, in absehbarer Zeit einen Stammplatz in Hoffenheim zu erobern. Baumann sitzt bei Nagelsmann fest im Sattel, wurde jüngst sogar als möglicher Nationaltorwart vorgeschlagen. Außerdem ist der Schweizer nicht das einzige Torwarttalent in den Reihen der Kraichgauer: Der 22-jährige Marvin Schwäbe, aktuell an Dynamo Dresden ausgeliehen, kommt im nächsten Sommer mit Zweitliga-Erfahrung zurück. Sich bei 1899 durchzusetzen, dürfte also schwer werden. Kobel ist jedoch keiner, der vor einer Herausforderung einknickt – er wird für seine Chance kämpfen und seinen Konkurrenten nur wenig Spielraum für Fehler lassen.