Spieler-Portrait: Javairô Dilrosun, 20 Jahre

Foto: Ottmar Winter/Bongarts/Getty Images

Neben Ondrej Duda gibt es bei Hertha BSC noch einen zweiten Gewinner des gelungenen Saisonstarts. Neuzugang Javairô Dilrosun hat bei seinen ersten beiden Einsätzen sein außergewöhnliches Talent mehr als nur aufblitzen lassen.

Dilrosun wurde am 22. Juni 1998 in Amsterdam geboren. Auf den Straßen seiner Heimatstadt entdeckte der surinamisch-stämmige Niederländer früh seine Leidenschaft für den Fußball, was ihm als Sprungbrett in die Jugendakademie von Ajax Amsterdam diente. An seinem achten Geburtstag wurde er in das Nachwuchsprogramm des Eredivisie-Rekordmeisters aufgenommen, wodurch er über Nacht zum „Golden Boy“ der Familie wurde, wie er es einst selbst formulierte. Bei Ajax besuchte er über die nächsten acht Jahre eine der besten Ausbildungsstätten für angehende Fußballer – eine einmalige Gelegenheit, die das Ausnahmetalent am Schopf ergriff und sich mit viel Fleiß von Jahrgang zu Jahrgang hangelte.

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Bei einem Länderspiel der U16-Nationalmannschaft, für die Dilrosun zwischen 2013 und 2014 sechs Tore in zehn Spielen erzielte, erregte er die Aufmerksamkeit eines Scouts von Manchester City, der ihn im Sommer 2014 schließlich von einem Wechsel nach England überzeugte. Bei den „Citizens“ kam der Flügelspieler in den folgenden zwei Jahren in der U18 und U19 zum Einsatz und sammelte sowohl in der UEFA Youth League als auch als Junioren-Nationalspieler Erfahrung auf internationalem Parkett. Ab 2016 spielte er dann regelmäßig für Manchester Citys U23. Dabei konnte er sich oft mit schönen Einzelaktionen in Szene setzen, in den entscheidenden Momenten fehlte ihm mitunter aber der Killerinstinkt, sodass ihm lediglich ein Treffer in 29 Partien glückte.

Hertha als erste Profistation auserkoren

Ähnlich wie Borussia Dortmunds Jadon Sancho sah Dilrosun bei Manchester City angesichts des stargespickten Kaders für sich keinen Weg in den Profibereich. Deshalb entschied der U20-Nationalspieler, den „Sky Blues“ mit Ablauf seines Vertrags im Sommer 2018 den Rücken zu kehren und einen Neuanfang zu wagen. An Optionen mangelte es ihm dabei nicht: Angeblich bemühten sich unter anderem Benfica Lissabon, Borussia Dortmund, der FC Liverpool und Juventus Turin um den wechselwilligen Angreifer. Als Sieger des Tauziehens ging ein vermeintlicher Außenseiter hervor: Anfang Mai unterzeichnete Dilrosun einen langfristigen Vertrag bei Hertha BSC.

Der Berliner Geschäftsführer Michael Preetz zeigte sich damals stolz, die „namhafte Konkurrenz“ übertrumpft zu haben, und lobte Dilrosuns Schnelligkeit und Spielstärke. Diesen Vorschusslorbeeren wurde der Neuzugang bisher vollends gerecht: Nach einer guten Vorbereitung und zwei Einsätzen für das Berliner Regionalliga-Team ist der Niederländer zuletzt in der Bundesliga durchgestartet. Obwohl die Partien gegen den FC Schalke 04 (2:0) und den VfL Wolfsburg (2:2) seine ersten Schritte im Profibereich waren, führte er sich prompt mit einem Tor und einer Vorlage ein.

„Er kann Sachen, die bei uns sonst keiner kann“

Dilrosun ist ein kunstvoller Dribbler, dessen Stärken insbesondere in Eins-gegen-eins-Duellen mit gegnerischen Verteidigern zur Geltung kommen. Selbst Trainer Pál Dárdai, der seit über 20 Jahren im Fußballgeschäft ist, hat der 1,75 Meter große Außenstürmer mit seinen Qualitäten verblüfft. „Er kann Sachen, die bei uns sonst keiner kann“, staunte der 42-Jährige laut der Bild-Zeitung. „Er hat unglaublich viele Tricks drauf, macht überraschende Drehungen und ist verdammt schnell.“ Seine trickreiche Spielweise hat sich Dilrosun laut eigener Aussage „auf den Straßen von Amsterdam“ angeeignet, wo er sich oft gegen ältere und größere Gegenspieler behaupten musste.

Trotz seines beeindruckenden Weges vom Straßen- zum Profifußballer scheint der Youngster auf dem Boden geblieben zu sein und das Bewusstsein dafür gewahrt zu haben, dass er sich weiter verbessern muss, um im Profibereich Fuß zu fassen. „Ich bin ein Linksfuß, also muss ich mit dem rechten noch besser werden. Auch vor dem Tor will ich noch effizienter sein: mehr Tore machen und mehr Torvorlagen geben“, beschrieb Dilrosun seine Ziele. Einzig wenn es um seine Fähigkeiten an der Playstation geht, ist es mit der Bescheidenheit vorbei: „Ich glaube, niemand kann mich bei FIFA schlagen. Niemand. Ich glaube auch nicht, dass mich die E-Sportler von Hertha besiegen können.“