Spieler-Portrait: John Yeboah, 17 Jahre

Beim VfL Wolfsburg ist gerade einiges los: Es ist Abstiegskampf angesagt, der Trainer wurde kürzlich ausgetauscht, der Sportdirektor steht in der Kritik. Unbekümmert davon hat sich in der U19 der Niedersachsen ein junges Talent seinen Weg in den Profibereich gebahnt. John Yeboah könnte von einem möglichen Umbruch profitieren.

John Yeboah Zamora, wie er mit vollem Namen heißt, kam am 23. Juni 2000 in Hamburg zur Welt. Sein Vater stammt aus Ghana, seine Mutter aus Deutschland. Im Gegensatz zu vielen Profis schloss er sich erst vergleichsweise spät einem Verein an. Lange Zeit bestand sein „Training“ vorwiegend aus Futsal mit seinen Freunden, wie er vor einigen Monaten in einem Interview mit dfb.de verriet. Irgendwann begann er schließlich doch beim SV Rönneburg, einem kleinen Klub im Süden Hamburgs, auf Vereinsebene zu kicken. Später schloss er sich dem FC Türkiye Wilhelmsburg an. Von dem türkisch geprägten Klub wechselte er 2015 zum VfL Wolfsburg, nachdem er bei einem Hallenturnier aufgefallen war.

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Gut ein Jahr nach seinem Wechsel schaffte er bei den „Wölfen“ den Sprung in die U17-Bundesliga und wurde erstmals für die deutsche U17-Nationalmannschaft nominiert. Als offensiver Flügelspieler überzeugte er in seiner Debüt-Saison mit sieben Treffern in 25 Spielen. Vier dieser Tore erzielte er im März 2017 beim 12:0-Kantersieg des VfL gegen den Niendorfer TSV. Bei der U17-Europameisterschaft im Frühsommer 2017 kam er als Rechtsaußen im DFB-Team zum Einsatz und war an zwei Toren in der Gruppenphase beteiligt (ein Tor, eine Vorlage).

Breakout-Saison: U19-Bundesliga, U17-WM, Profivertrag

Schon nach einem Jahr in der U17 wurde Yeboah letzten Sommer zur Wolfsburger U19 befördert. Dort hat er nochmal einen Schritt nach vorne gemacht. Mit sieben Treffern und fünf Assists ist er gemeinsam mit Richmond Tachie und David Nieland bislang der Top-Scorer seines Teams. Vergangenen Oktober nahm er zudem an der U17-WM teil und verhalf der deutschen Mannschaft trotz gebrochener Nase mit einem Tor gegen Kolumbien (4:0) zur Viertelfinal-Teilnahme. In jenem bereitete er den Führungstreffer durch Jann-Fiete Arp vor, dieser reichte gegen Brasilien aber nicht zum Weiterkommen (1:2).

Vor einer Woche unterzeichnete Yeboah seinen ersten Profivertrag. Bis 2021 wird das junge Talent im Trikot des VfL Wolfsburg auflaufen. Man darf gespannt sein, wann er erstmals in der Bundesliga auftaucht. Bisher kam er bei den Profis lediglich in einem Testspiel zum Einsatz. Der damalige „Wölfe“-Trainer Martin Schmidt war voll des Lobes für den Nachwuchsmann und bezeichnete ihn als „hochtalentierten Außenspieler“.

Ein „Straßenfußballer“ für Wolfsburgs Nachwuchsbilanz

Yeboah kann auf jeder Position im Offensivbereich spielen. Wie Schmidt bereits andeutete, kommen seine Stärken auf dem Flügel jedoch am besten zur Geltung. Er kombiniert einen spritzigen Antritt mit guter Technik und außergewöhnlichen Qualitäten im Dribbling. Wie nicht selten bei jungen Talenten, ist er gelegentlich noch zu verspielt und verpasst den richtigen Moment, um abzuschließen oder einen Mitspieler in Szene zu setzen. Yeboah selbst bezeichnet sich als „Straßenfußballer“, der sich auf engem Raum zu behaupten weiß. Dank exzellenter Ballführung und jeder Menge Spielwitz findet er auch aus schwierigen Situationen oft noch einen Ausweg.

Yeboah ist wahrlich nicht der erste talentierte Spieler aus der Wolfsburger Jugend. Der VfL verfügt über ein hochmodernes Nachwuchszentrum und über eines der besten Scouting-Netzwerke des Landes. Dennoch sind mit Gian-Luca Itter und Elvis Rexhbecaj in dieser Saison lediglich zwei Eigengewächse unter 21 Jahren zum Einsatz gekommen. Und sie kommen gemeinsam auf gerade einmal 420 Spielminuten. Eine der Herausforderungen für Neu-Trainer Bruno Labbadia ist es, die gute Jugendarbeit in der Autostadt besser zu nutzen und mehr Talente in den Profikader zu integrieren. Yeboah könnte dabei eine Vorreiterrolle einnehmen, zunächst muss er dafür allerdings weiter in der U19 seine Leistung bringen.