Spieler-Portrait: Leo Weinkauf, 22 Jahre

Foto: Joachim Sielski/Bongarts/Getty Images

Bei Hannover 96 duellieren sich dieser Tage Philipp Tschauner und Michael Esser um den Stammplatz im Tor. Doch im Hintergrund lauert ein dritter Schlussmann auf seine Chance: Sommer-Neuzugang Leo Weinkauf hat den Platz zwischen den Hannoveraner Pfosten fest im Visier.

Weinkaufs persönliche und fußballerische Wurzeln liegen in Oldenburg. Dort wurde er am 7. Juli 1996 geboren und trat als vierjähriger Junge dem dort ansässigen VfL bei. Schon im Alter von zehn Jahren wurde er bei einem Lokalturnier von einem Jugendcoach des SV Werder Bremen entdeckt und wechselte an die Weser, was ihm einen Artikel in der Oldenburger Nordwest-Zeitung einbrachte. Bei Werder blieb er anschließend seine gesamte Jugendzeit, stach aber nicht unbedingt als Ausnahmetalent hervor. In der U17 und U19 blieb ihm meist nur die Rolle des Ersatztorwarts, sodass der Traum von der großen Karriere zu platzen drohte. Nach lediglich 14 Einsätzen in vier Jahren zweifelte Weinkauf, ob ihm der Sprung in den Profibereich je gelingen würde, wie er dem Sportbuzzer verriet.

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Der 1,96 Meter Hüne überlegte, die Fußballschuhe an den Nagel zu hängen und ein Sportstudium zu beginnen. Er bestand sogar die gefürchtete Aufnahmeprüfung an der Sporthochschule Köln. Dann kam es aber zur Trendwende: Ausgerechnet Rekordmeister Bayern München machte Weinkauf ein Vertragsangebot – eine Chance, die der langjährige Bayern-Fan selbstverständlich nicht ausschlagen konnte. „Ich bin innerhalb einer Woche zu Hause in Oldenburg ausgezogen und nach München gefahren. Das war für mich erst mal eine komplett andere Welt. Das war wie im Bilderbuch“, beschrieb er die turbulenten Wochen im Sommer 2015.

Bayern-Jahre geben neue Hoffnung

Beim FCB übernahm Weinkauf zunächst die Rolle des Ersatztorhüters der Amateurmannschaft. Nach etwas mehr als einem Jahr verdrängte er Routinier Andreas Rössl aus dem Tor und brachte sich für höhere Aufgaben in Stellung. Als sich Ende der Saison 2016/17 sowohl Manuel Neuer als auch Sven Ulreich verletzten, stand Weinkauf als Ersatzmann für Tom Starke dreimal im bayerischen Bundesliga-Kader – ein Highlight für den damals 20-Jährigen. Der Höhenflug hielt jedoch nicht an: Nach der Sommerpause wurde er zurück in die Regionalliga geschickt, wo ihm Top-Talent Christian Früchtl zunehmend Einsatzzeit streitig machte. Es wurde bald deutlich, dass der dauerhafte Sprung in die Bundesliga beim FC Bayern nicht gelingen würde.

So entschloss sich Weinkauf, seinem Herzensverein mit Vertragsende 2018 den Rücken zu kehren und sein Glück wieder im Norden der Republik zu versuchen. Bei Hannover 96 soll nun endlich der Schritt in die Bundesliga gelingen. Auch dort muss er zunächst aber kleine Brötchen backen: Hinter den etablierten Profis Tschauner und Esser bleibt ihm derzeit auch bei den „Roten“ nur die Rolle des Regionalliga-Torwarts. Jedoch besitzt er in Niedersachsen eine Zukunftsperspektive: Beide Konkurrenten sind bereits über 30 Jahre alt und ein Top-Talent à la Früchtl drängt aktuell nicht in den Kader.

Der Plan: Warten, arbeiten, zuschlagen

Geduldig will Weinkauf nun auf „Tag X“ warten, wie er es kürzlich selbst formulierte. Tag X, damit ist der Tag gemeint, an dem er endlich eine Bewährungschance in der Bundesliga bekommt. Wann, wo und ob dieser Tag kommt, liegt nur bedingt in seinen Händen, schließlich kommen Torhüter oft durch Verletzungspech oder Formkrisen ihrer Konkurrenten zum Durchbruch. Dennoch liegt Weinkaufs Fokus voll auf der eigenen Leistungsfähigkeit: Der großgewachsene Niedersachse will Trainer André Breitenreiter täglich seine Stärken (laut eigener Aussage Spieleröffnung und Strafraumbeherrschung) zeigen und zudem „zwei, drei Kilo zulegen“, um an Durchsetzungsvermögen zu gewinnen. Das Ziel Bundesliga ist ein hohes, dessen Erreichen für Weinkauf keine sichere Sache ist, doch sein Ehrgeiz und die Fortschritte der vergangenen drei Jahre dürften ihm Hoffnung machen.