Spieler-Portrait: Luca Plogmann, 18 Jahre

Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images

Großes Verletzungspech auf der Torhüterposition hat beim SV Werder Bremen den 18-jährigen Luca Plogmann in die Bundesliga gespült. Der U18-Nationalkeeper ist im Verein eigentlich nur vierte Wahl, will in Zukunft aber mehr als eine Aushilfskraft sein.

Für Plogmann ging mit seinem Bundesliga-Debüt vergangenen Samstag ein jahrelanger Traum in Erfüllung. Der junge Torwart ist gebürtiger Bremer (10. März 2000) und trägt seit seinem sechsten Lebensjahr das Trikot des SV Werder. In jungen Jahren stand er beim Weserklub allerdings nicht im Tor, sondern ging als offensiver Feldspieler auf Torejagd. Erst in der U15 landete er durch einen glücklichen Zufall zwischen den Pfosten. „Wir hatten damals ein Hallenturnier und der eigentliche Torwart war krank. Da bin ich ins Tor gegangen“, erzählte Plogmann in einem Interview mit ran.de. Dann nahm das Schicksal seinen Lauf: „Wir haben das Turnier damals dann gewonnen und ich wurde als bester Keeper ausgezeichnet. Seitdem bin ich im Tor geblieben.“ Ausgerechnet der jetzige Cheftrainer Florian Kohfeldt machte sich damals als Jugendcoach dafür stark, dass das Eigengewächs langfristig Torwart bleibt.

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Jegliche Zweifel an dem radikalen Positionswechsel wurden bald ad acta gelegt, denn Plogmanns exzellente Anlagen als Torwart kamen schnell zum Vorschein. In der Bremer U17, wo er 2015 zur Nummer eins aufstieg, ließ Plogmann in 43 Spielen lediglich 34 Tore zu und hielt seinen Kasten 19 Mal sauber. Damit hatte er maßgeblichen Anteil daran, dass den Werder-Junioren 2017 der Einzug ins Finale um die U17-Meiserschaft gelang. Mit der U19 reichte es im Folgejahr nicht zum Endrunden-Einzug, obwohl sich seine persönliche Bilanz auch in der höchsten deutschen Jugendliga sehen ließ (26 Spiele, 25 Gegentore, 12 Mal zu Null).

Das Ziel: Mit Leistung vorangehen

Nicht nur beim SV Werder, sondern auch bei den DFB-Junioren machte sich Plogmann als sicherer Rückhalt einen Namen. Schon als 15-Jähriger trug er erstmals den Bundesadler auf der Brust; 2017 stand der Schlussmann für Deutschland sowohl bei der U17-EM als auch bei der U17-WM zwischen den Pfosten. Im Verein startete er während dieser Zeit ebenfalls durch: Plogmann wurde zweimal ins Trainingslager der ersten Mannschaft mitgenommen und erhielt pünktlich zu seinem 18. Geburtstag im März einen Profivertrag. Auf sein Bundesliga-Debüt hätte er im Normalfall noch einige Zeit warten müssen, durch die Verletzungen von Jiří Pavlenka, Stefanos Kapino, Michael Zetterer und Jaroslav Drobný erfolgte dieses allerdings auch im Rekordtempo.

Auch wenn Plogmann in den entscheidenden Momenten seiner Karriere bisher das Glück zur Seite stand, ist sein kometenhafter Aufstieg in erster Linie das Resultat guter Leistungen. Der 1,89 Meter große Schlussmann verfügt über starke Reflexe, gerade im Eins-gegen-eins, sticht aber auch durch sein Können mit dem Ball am Fuß hervor. Plogmanns Erfahrung als Feldspieler macht sich dabei in seinem Spiel bemerkbar: Er ist beidfüßig und kann seinem Team im Spielaufbau helfen – ihm wäre sogar eine Rolle als hochstehender Torwart, der auch als Aufbauspieler agiert, zuzutrauen. Zudem hat er den Anspruch an sich, seine Vorderleute als Leader anzutreiben. „Ich möchte eine Führungsperson sein und immer mit Leistung vorangehen, sodass sich die Abwehr an mir orientieren kann“, sagte er Anfang des Jahres gegenüber 90min.de.

Keine Scheu vor der großen Bühne

Solche Aussagen sind ungewöhnlich selbstbewusst für einen 18-Jährigen, sie zeigen aber Plogmanns bemerkenswerte Unerschrockenheit. Diese wurde auch bei seinem Bundesliga-Debüt sichtbar, als er vor seiner allerersten Aktion (einem Strafstoß für Eintracht Frankfurt) eine Runde „Trash Talk“ mit dem Frankfurter Elfmeterschützen Sébastien Haller veranstaltete. Auch wenn der Franzose die Nerven behielt und den Bremer Debütanten ins falsche Eck schickte, ist diese Szene exemplarisch für das große Selbstvertrauen des Teenagers. Dieser macht mit solchen Aktionen einerseits Lust auf mehr, andererseits sollte er aufpassen, sich nicht schon jetzt einen Ruf als Rüpel zu machen.

Je nachdem, wie lange Stammtorwart Pavlenka mit seiner Gehirnerschütterung pausieren muss, könnte Plogmann nach der Länderspielpause einen weiteren Auftritt in der Bundesliga bekommen. Danach wird es für den aufstrebenden Schlussmann vorerst zurück zur Bremer U23 gehen, wo er seit Anfang dieser Saison Stammtorwart ist. Dort dürfte vor allem Arbeit an seiner Physis und seiner Souveränität anstehen. Kann sich Plogmann in diesen Bereichen verbessern, stehen die Chancen gut, dass er bald auch ohne Verletzungspech der Konkurrenz einen Platz im Fußball-Oberhaus findet. Schließlich bringt der erste Bundesliga-Torhüter aus dem neuen Jahrtausend außerordentlich viel Potenzial mit und besitzt als Lokalmatador mit einer interessanten Persönlichkeit zudem das Zeug zur Bremer Identifikationsfigur.