Spieler-Portrait: Lukas Mai, 17 Jahre

Nachdem wir letzte Woche Kapitän Erik Majetschak vorgestellt haben, folgt nun der Abwehrchef der deutschen U17-Nationalmannschaft: Lukas Mai. Er stammt ebenfalls aus Sachsen, spielt mittlerweile aber beim FC Bayern München.

Bei der U17-Europameisterschaft in Kroatien hat die DFB-Elf eine beeindruckende Gruppenphase hingelegt (drei Spiele, drei Siege, 15:1 Tore). Nach den Kantersiegen gegen Bosnien-Herzegowina (5:0) und Irland (7:0) stehen vor allem die Torjäger Jann-Fiete Arp und Elias Abouchabaka im medialen Fokus. Doch es war ein anderer, der das junge Team mit einem frühen Tor im ersten Spiel auf Kurs brachte: Lars Lukas Mai, ein Innenverteidiger vom FC Bayern München. Gemeinsam mit Leverkusens Jan Boller hält er bei den DFB-Junioren das Abwehrzentrum dicht.

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Mai kam am 31. März 2000 zur Welt und stammt aus der sächsischen Landeshauptstadt Dresden. Dort wuchs er in einer Familie auf, in der sich viel um Fußball drehte: Vater Lars ist seit 2013 Aufsichtsratsmitglied bei Dynamo Dresden, Bruder Sebastian spielt als Stamm-Innenverteidiger beim Drittligisten Preußen Münster. Seine Karriere begann beim Verein des Vaters, Dynamo Dresden, wo er einige Jahre im Nachwuchsbereich spielte.

Mit 14 von Dresden zum Rekordmeister

2014 wurden schließlich Scouts des FC Bayern München auf Mai aufmerksam und konnten das junge Talent von einem Wechsel in den Süden überzeugen. Zur Saison 2014/15 schloss er sich also der Münchner U16 an, ein Jahr später rückte er zur U17 auf. Am 16. August 2015 feierte der Youngster sein Debüt in der U17-Bundesliga, es folgten 23 weitere Einsätze im Saisonverlauf. Bis zum letzten Spieltag hatten die Bayern damals die Chance, sich zum Staffelmeister zu krönen, das entscheidende Spiel gegen den VfB Stuttgart (2:3) ging allerdings verloren.

Zu Beginn der aktuellen Spielzeit wurde Mai von U17-Coach Tim Walter zum Mannschaftskapitän ernannt – eine Rolle, in die der 17-Jährige bravourös hineingewachsen ist. Mit ihm als Stabilitätsanker in der Abwehr steht der FC Bayern zwei Spieltage vor Saisonende als Staffelmeister fest. Wie wichtig der Kapitän für die bayrische U17 ist, wird erst deutlich, wenn er mal nicht dabei ist. Bei zwei der drei Ligaspiele ohne Mai gingen die Bayern in dieser Spielzeit als Verlierer vom Platz (2:3 in K’lautern und 1:4 gegen Freiburg). Im Halbfinale der Endrunde, die Anfang Juni beginnt, bekommen es Mai und seine Kollegen wahrscheinlich mit dem FC Schalke 04 zu tun.

Souverän, abgeklärt, technisch versiert – schon jetzt ein Abwehrchef

Schon seit der U15 spielt Mai regelmäßig für DFB-Jugendteams. Nach zwei Spielen für die U15-Nationalmannschaft folgten sechs Einsätze für die U16, seit letztem September ist er nun bei Christian Wücks U17 gesetzt. Die Europameisterschaft ist das erste große Turnier für den 17-Jährigen, von Verunsicherung war bislang aber überhaupt nichts zu sehen. Als Bayern-Kapitän hat Mai früh gelernt, mit Drucksituationen umzugehen – eine wichtige Fähigkeit für einen jungen Verteidiger.

Zudem bringt er sowohl körperlich als auch technisch alle Voraussetzungen mit, um eines Tages ein Bundesliga-Innenverteidiger zu werden. Der Rechtsfuß ist großgewachsen, zweikampfstark und für sein Alter schon sehr kräftig. Seine Ballbehandlung ist einwandfrei, was es ihm ermöglicht, auch unter Druck präzise, saubere Pässe anzubringen. Coach Walter schätzt seine Qualitäten im Aufbauspiel. Schnelligkeit gehört hingegen nicht unbedingt zu Mais Stärken – ein möglicher Nachteil im modernen Fußball, wo viele Stürmer enorme Sprinterqualitäten besitzen.

Bayern München und Talente – eine schwierige Beziehung

Natürlich steht Mai, dessen 17. Geburtstag erst sechs Wochen her ist, noch ein langer Weg bevor, ehe er eine Option für die Bundesliga darstellen könnte. In München wird man darauf achten, dass sich das Talent Schritt für Schritt weiterentwickeln kann und nicht zu schnell in den Profibereich hochgezogen wird. Eines ist allerdings auch klar: Beim FC Bayern besteht selbst für hochtalentierte Spieler keine Garantie, dass es für die erste Mannschaft reicht. Man denke nur an Emre Can, Pierre-Emile Højbjerg oder Alessandro Schöpf, drei Nationalspieler, für die bereits in jungen Jahren kein Platz mehr beim Rekordmeister war. Neben viel Talent, Ehrgeiz und Lernfähigkeit wird Mai also auch ein wenig Glück brauchen, um sich in zwei, drei Jahren einen der begehrten Plätze im bayrischen Elite-Kader zu sichern. Womöglich kommt der bevorstehende Umbruch an der Säbener Straße für ihn gerade zur rechten Zeit.