Spieler-Portrait: Nabil Bentaleb, 21 Jahre

Wir machen am heutigen Freitag sozusagen einen Schalker Doppelpack perfekt. Nachdem wir letzte Woche Leon Goretzka im Portrait hatten, beschäftigen wir uns nun mit dessen Partner im zentralen Mittelfeld – Neuzugang Nabil Bentaleb. Der Karriereweg des jungen Algeriers verlief alles andere als reibungslos, doch der Neu-Schalker gab nie auf und wurde schlussendlich belohnt.

Nach dem katastrophalen Saisonstart mit fünf Niederlagen hat sich Schalke 04 gefangen und die letzten vier Partien nicht mehr verloren. Maßgeblichen Anteil daran hat Sommer-Neuzugang Nabil Bentaleb, der an vier der letzten acht Schalker Treffer beteiligt war. Aktuell ist der 21-Jährige von Tottenham Hotspur ausgeliehen, angeblich sollen die „Königsblauen“ sich mit dem Mittelfeldspieler aber schon auf einen Vierjahresvertrag geeinigt haben.

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Begonnen hat die turbulente Karriere des neuen Schalker Hoffnungsträgers beim AJS Wazemmes, einem kleinen Verein aus seiner Geburtsstadt Lille, wo er 2001 als Sechsjähriger mit dem Kicken anfing. Nach drei Jahren wechselte er in die Jugendakademie des französischen Erstligisten OSC Lille, wo er bis zu seinem 15. Lebensjahr ausgebildet wurde. 2010 folgte dann ein herber Rückschlag in der jungen Karriere des Algeriers, denn er wurde aus der Akademie des LOSC ausgewiesen. Der damals 15-Jährige wechselte in der Folge nach Belgien zu Excelsior Mouscron, doch der Erstligist musste 2009 nach einer Suspendierung durch den belgischen Verband den Spielbetrieb einstellen. Wieder befand sich der junge Bentaleb auf Vereinssuche. Er kam schließlich in der Jugend der nordfranzösischen USL Dunkerque unter, wo sein Talent von einem Agenten erkannt wurde, der ihm zu Probetrainings bei englischen Klubs verhalf.

Von Lille und Birmingham abgewiesen – Durchbruch bei den „Spurs“

Zunächst spielte Bentaleb bei Birmingham City vor, doch die Verantwortlichen der „Blues“ konnte er nicht gänzlich überzeugen. Wenig später boten ihm jedoch die Tottenham Hotspur einen Platz in ihrer Jugendakademie an – ein Glücksfall für Bentaleb (und für Tottenham). Bei der U21-Mannschaft der „Spurs“ entwickelte sich der damals 17-Jährige nämlich schnell zum Leistungsträger und wurde nach dem Amtsantritt von Tim Sherwood im Dezember 2013 zu den Profis befördert. Dort kam er auf Anhieb zu 19 Pflichtspieleinsätzen, wobei ihm zwei Torvorlagen glückten.

Mit seinem kometenhaften Aufstieg sorgte Bentaleb für einen Kampf zwischen dem algerischen und dem französischen Fußballverband, die den Youngster beide gerne in ihren Reihen haben wollten. Obwohl Bentaleb in Frankreich geboren und aufgewachsen ist und bereits ein Spiel für die französische U19-Auswahl bestritten hatte, entschloss er sich im Februar 2014 in Zukunft für das Heimatland seiner Eltern zu spielen. Sein Pflichtspieldebüt im Nationaltrikot feierte er bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 gegen Belgien (1:2).

Verletzungspech bremst rasanten Aufstieg

Auch unter dem neuen „Spurs“-Coach Mauricio Pochettino war Bentaleb in der Saison 2014/15 gesetzt. Er bestritt 35 Pflichtspiele und erzielte am 17. Dezember im Ligapokal (4:0 gegen Newcastle United) sein erstes Tor für Tottenham. Im September 2015 verletzte sich der damals 20-Jährige allerdings am Sprunggelenk und büßte dadurch seinen Stammplatz ein. Bis auf einige Kurzeinsätze kam er nach seiner Zwangspause nur noch im FA Cup zum Einsatz. Anfang 2016 verletzte er sich erneut und musste sich einer Knieoperation unterziehen, die ihn für den Rest der Saison außer Gefecht setzte.

Nach diesem Seuchenjahr konnte sich Bentaleb bei Tottenham auch in der Sommer-Vorbereitung 2016 nicht für einen Stammplatz empfehlen. Mit Dele Alli, Eric Dier, Mousa Dembélé und Neuzugang Victor Wanyama war die Konkurrenz einfach zu groß. Kurz vor Ende der Transferperiode wurde er schließlich für eine Saison zum FC Schalke 04 ausgeliehen. Nur drei Tage nach seiner Verpflichtung gab es bereits sein Bundesliga-Debüt für „Königsblau“.

Ein Spielmacher mit neugewonnener Offensivpower

Bentaleb ist ein Spieler, der defensive und offensive Qualitäten vereint. Mit seiner Passsicherheit, Zweikampfstärke und Spielintelligenz ist er prädestiniert für eine Rolle im zentralen Mittelfeld. Dort kann er praktisch ohne Leistungsabfall auf allen drei Positionen (der Zehn, der Acht oder der Sechs) spielen. Aufgrund seiner stattlichen Körpergröße (1,87 Meter) hat Bentaleb noch Steigerungspotenzial im Kopfballspiel, das bislang noch nicht zu seinen Stärken gehört. Lange galt auch seine mangelnde Torgefahr als Schwäche, doch seit seinem Wechsel nach Gelsenkirchen hat er bereits vier Treffer erzielt – bei Tottenham traf er zuvor in 66 Partien nur einmal. Nach seiner schweren Zeit in England scheint der 21-Jährige unter Markus Weinzierl also wieder aufzublühen. Mit seinen Qualitäten ähnelt er übrigens seinem Mannschaftskollegen Leon Goretzka, den wir letzte Woche im Portrait hatten.

Auch die Arbeitseinstellung des Linksfußes ist laut seinem einstigen Förderer Tim Sherwood vorbildlich. „Er trainiert jeden Tag als hätte er nur noch einen Tag zu leben. Er weint sich die Augen aus dem Kopf, wenn er im Fünf-gegen-Fünf verliert. Er würde sein Leben für den Klub geben“, charakterisierte ihn der englische Coach im Januar 2015 bei Goal.

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