Spieler-Portrait: Nicólas González, 20 Jahre

Foto: VfB Stuttgart

Nach Paulinho (Bayer 04 Leverkusen) und Marcelo Saracchi (RB Leipzig) hat ein weiteres vielversprechendes Talent aus Südamerika seinen Weg in die Bundesliga gefunden. Nicólas González kommt vom „Maradona-Verein“ und geht künftig für den VfB Stuttgart auf Torejagd.

González wurde am 6. April 1998 in Belén de Escobar rund 40 Kilometer nördlich von Buenos Aires geboren. Wie viele Jungen aus dieser ärmlichen Gegend packte ihn bereits in frühester Kindheit das Fußballfieber und es dauerte nicht lange, bis sein außergewöhnliche Talent zum Vorschein kam. So hatte er schon als Kind bei der Vereinswahl die Qual der Wahl. Der achtjährige González entschied sich für das berühmte Nachwuchsprogramm der Argentinos Juniors, dem unter anderem Diego Maradona, Juan Román Riquelme und Ex-BVB-Stürmer Lucas Barrios entstammen. Für die Ausbildung in Buenos Aires nahm das junge Talent über viele Jahre hinweg einen langen Weg zum Training auf sich.

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Die vielen Entbehrungen und der große Aufwand lohnten sich: Nach zehn Jahren in der Jugend des Traditionsvereins vollzog er 2016 unter den Fittichen von Gabriel Heinze den Schritt zum Profifußballer in Argentiniens zweiter Liga. Zunächst kam er in seiner Debütsaison nur gelegentlich zum Einsatz, gegen Saisonende erzielte er im Kampf um den Aufstieg aber immerhin vier Tore. Besonders in den wichtigen Momenten konnte González glänzen: Sein Siegtreffer gegen Gimnasia y Esgrima de Jujuy (1:0) besiegelte im Juli 2017 den Wiederaufstieg seines Klubs in die erste Liga.

Stuttgart statt Italien – der ideale Partner für Gómez?

Als Aufstiegsheld fand sich González erstmals auf den Titelseiten der argentinischen Gazetten wieder – einen Platz, den er zu Beginn der folgenden Saison dank außergewöhnlicher Leistungen noch häufiger einnahm. In seinen ersten sechs Erstliga-Spielen erzielte er vier Tore und stieg somit zum Shootingstar des argentinischen Fußballs auf. Im Verlauf der Spielzeit ließ er noch drei weitere Treffer folgen und machte sich zu einem begehrten Transferziel für europäische Klubs. Besonders Inter Mailand hatte sich um den 20-Jährigen bemüht; dieser wählte aber den VfB Stuttgart als seine erste Station in Europa. Vergangenen Dienstag setzte er seine Unterschrift unter einen Fünfjahresvertrag bei den Schwaben, wo er den zum VfL Wolfsburg abgewanderten Daniel Ginczek ersetzen soll.

Als direkter Ersatz für den bulligen Angreifer kann der flexible González allerdings nicht gesehen werden. Der 1,80 Meter große Linksfuß ist eher ein filigraner Techniker, der zwar auch über starke Kopfball- und Abschlussqualitäten verfügt, jedoch nicht ganz die beeindruckende Physis seines Vorgängers vorweisen kann. Mit seinen Fähigkeiten ist er gut dafür geeignet, an der Seite eines klassischen Strafraumstürmers wie Mario Gómez zu spielen – er könnte Tayfun Korkut im Angriff somit neue Möglichkeiten geben und die VfB-Offensive unberechenbarer machen. Bevorzugt der Stuttgarter Coach ein System mit nur einem Stürmer, kann der Neuzugang auch ohne Weiteres eine der Außenbahnen besetzen.

11.000 Kilometer zum Neuanfang

Auf den ersten Blick spricht wenig gegen eine Fortsetzung von González‘ Erfolgsgeschichte. Doch bei allem Potenzial bleibt der Schritt von Südamerika nach Deutschland ein großer – zahlreiche hochtalentierte Spieler strauchelten bei ihrer „Atlantiküberquerung“. Die Integration in eine neue Mannschaft, eine neue Liga und ein neues Land dürfte in den kommenden Monaten die größte Herausforderung für González werden. Seine Landsmänner Santiago Ascacíbar und Emiliano Insúa werden ihm die Eingewöhnung im Schwabenland mit Sicherheit erleichtern. Dennoch kommt auf ihn eine markante Lebensumstellung zu, gerade in Anbetracht dessen, dass er in Argentinien seit seiner Kindheit für denselben Verein und im selben Umfeld gespielt hat.