Spieler-Portrait: Nikolas Nartey, 17 Jahre

Der Abstieg des 1. FC Köln ist selbstverständlich noch lange nicht besiegelt, doch es braucht zweifellos einen deutlichen Aufschwung, um den Klassenerhalt zu sichern. Frischen Wind könnte bei den „Geißböcken“ der 17-jährige Nikolas Nartey hereinbringen, der nach überstandener Knie-Operation angreifen will.

Nach einer überaus starken Sommer-Vorbereitung wurde Nartey von vielen als erster Bundesliga-Spieler, der im neuen Jahrtausend geboren ist, gesehen. Gerade als der Youngster auf dem Sprung zu den Profis war, stoppte ihn jedoch eine Meniskusverletzung. Somit wurde nicht ihm, sondern Hamburgs Jann-Fiete Arp die Ehre zu teil, der erste „2000er“ der Bundesliga-Geschichte zu sein. Nach einer Operation ist das junge Talent jetzt wieder auf dem Weg der Besserung und will dort anknüpfen, wo er vor rund sechs Wochen aufgehört hat – ganz nah am Bundesliga-Debüt.

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Nartey wurde am 22. Februar 2000 in Bagsværd, einem Vorort der dänischen Hauptstadt Kopenhagen, geboren. Mit acht Jahren trat er dem Hauptstadtklub AB Gladsaxe bei, wo er bis 2013 die Grundlagen des Fußballspielens erlernte. Dann wechselte er in die Jugendabteilung des großen FC Kopenhagen. Bei den „Löwen“ entwickelte er sich in den nächsten drei Jahren zu einem der größten Talente des Landes. Im Oktober 2015 feierte er sein Debüt für die dänische U16-Nationalmannschaft, zehn Monate später kam er erstmals in der U17-Auswahl zum Einsatz.

Spielberechtigung in Köln ließ auf sich warten

Spätestens durch seine Auftritte in der UEFA Youth League im Herbst 2016 geriet Nartey ins Visier ausländischer Scouts. Gegen oft zwei bis drei Jahre ältere Gegenspieler von europäischem Format wusste er sich sowohl spielerisch als auch körperlich zu behaupten. Den Verantwortlichen des 1. FC Köln war bewusst, wenn sie eine Chance haben wollten, Nartey zu verpflichten, musste es schnell gehen. Und Jörg Schmadtke und Peter Stöger leisteten ganze Arbeit: Ende Januar wechselte der damals 16-Jährige für eine Ablösesumme von 400.000 Euro in die Domstadt.

Schnell wurde für Nartey ein Platz im Kölner Sportinternat gefunden, seinen schulischen Verpflichtungen kann er über Fernkurse weiter auf dänisch nachgehen. Wie so oft bei Transfers minderjähriger Spieler, äußerte jedoch die FIFA Bedenken. Durch einen Formfehler bei der Abwicklung der Formalitäten erhielt der Youngster monatelang keine Spielberechtigung. Erst am 24. April war es soweit: Nartey stand beim Heimspiel der Kölner U21 gegen Rot-Weiß Essen (1:3) erstmals in der Regionalliga auf dem Rasen. Es folgten jeweils drei weitere Einsätze vor und nach der Sommerpause. In der ersten DFB-Pokalrunde (5:0 beim Leher TS) stand er erstmals im 18er Kader der Profis, kam aber nicht zum Einsatz.

Ein Hoffnungsträger für die (nahe) Zukunft

Nartey besitzt alle Fähigkeiten, die man sich für einen zentralen Mittelfeldspieler wünschen kann. Der 1,85 Meter große Linksfuß ist technisch versiert, verfügt über ein exzellentes Spielverständnis und gilt als bemerkenswert „fertiger“ Spieler für sein Alter. Trainer Stöger hält ihn für ein Naturtalent: „Du kannst gewisse Abläufe einstudieren, aber für die Umsetzung von gewissen Dingen musst du Qualität haben, die Situationen erkennen, Lösungsmöglichkeiten haben und diese auch umsetzen können. Das kann er richtig gut.“ Auch athletisch besitzt er großes Potenzial und strahlt bereits jetzt viel Dynamik und Agilität aus.

Natürlich muss Nartey all seine Fähigkeiten noch auf höchstem Niveau unter Beweis stellen. Es spricht jedoch viel dafür, dass er dem FC schon bald weiterhelfen wird, vorausgesetzt er wird nicht erneut von einer Verletzung ausgebremst. Gerade wenn die Kölner nicht bald aus ihrem Formtief herausfinden, wird Stöger nach kreativen Lösungen suchen und könnte dem Teenager eine Chance geben, sich in der Bundesliga zu präsentieren. Sollte der Klassenerhalt nicht geschafft werden, hätte er sicherlich gute Chancen, bei einem Neubeginn eine wichtige Rolle einzunehmen. In seiner persönlichen Entwicklung würde dem Dänen ein Abstieg vielleicht sogar entgegenkommen, weil er dann mit mehr Einsatzzeit rechnen könnte. Doch egal in welcher Liga: Nartey hat vielversprechende Anlagen und darf sich berechtigte Hoffnungen machen, in der Zukunft des FC eine Rolle zu spielen.