Spieler-Portrait: Roland Sallai, 21 Jahre

Foto: John MacDougall/AFP/Getty Images

Der neueste Schützling von Christian Streich hat am vergangenen Samstag ein beeindruckendes Bundesliga-Debüt abgeliefert. Der 21-jährige Ungar Roland Sallai ist nach Stationen in Italien und Zypern auf dem besten Weg, beim SC Freiburg durchzustarten.

Sallai wurde am 22. Mai 1997 in der ungarischen Hauptstadt Budapest geboren, seine fußballerischen Wurzeln liegen jedoch nahe Miskolc, einer Großstadt im äußersten Nordosten des Landes. Dort war er bis zum Alter von zehn Jahren für die Nachwuchsabteilung des Erstligisten Diósgyőri VTK aktiv. Nach zwei Jahren bei einem kleineren Klub im Westen des Landes landete er 2009 beim FC Videoton, einem der erfolgreichsten Vereine Ungarns, der sich seit Beginn dieser Saison MOL Vidi FC nennt. Bei dem mittlerweile dreifachen Landesmeister verbrachte er fünf Jahre im Jugendbereich, ehe sich ihm bei Puskás Akadémia, dem Kooperationsverein von Videoton, die Chance auftat, Erfahrung im Profibereich zu sammeln.

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Schon im Alter von 17 Jahren debütierte Sallai für die von Ministerpräsident Viktor Orbán gegründete Akademie in der ersten ungarischen Liga. Über die nächsten zwei Jahre erkämpfte er sich dort einen Stammplatz und absolvierte zudem 15 Partien für ungarische Junioren-Nationalmannschaften. Seine beeindruckende persönliche Entwicklung fand jedoch im Schatten sportlichen Misserfolgs statt: Mit Puskás Akadémia kämpfte Sallai stets gegen den Abstieg und zum Ende der Saison 2015/16 stand der Klub aus Felcsút unter dem berühmt-berüchtigten Strich. Allzu lange Zeit, um den Abstieg zu betrauern, blieb dem aufstrebenden Youngster aber nicht, denn im Mai 2016 folgte mit dem Debüt in der ungarischen Nationalmannschaft der nächste Meilenstein seiner jungen Karriere.

Abstieg auf Sizilien, Meisterfeier auf Zypern

Um dem Gang in die zweite Liga zu entgehen, wechselte Sallai im Sommer 2016 auf Leihbasis zum italienischen Klub US Palermo. Bei seiner ersten Auslandsstation hinterließ der damals 19-Jährige einen guten Eindruck, kam zu 21 Ligaeinsätzen und erzielte immerhin einen Treffer. Jedoch fand er sich erneut im Abstiegskampf wieder und, wie schon im Vorjahr, reichte es an dessen Ende nicht zum Klassenerhalt: Palermo beendete die Saison auf dem vorletzten Platz der Serie A. Zwei Monate nach Ende seines Leihgeschäfts verließ Sallai endgültig seinen Heimatklub Puskás Akadémia und schloss sich dem zyprischen Rekordmeister APOEL Nikosia an.

Auf der östlichen Mittelmeer-Insel blühte der Offensiv-Allrounder in der Saison 2017/18 auf und gehörte zu den unumstrittenen Leistungsträgern seines Teams. Anders als in Ungarn oder Italien war er mit APOEL auch auf Vereinsebene erfolgreich. In seiner ersten und einzigen Saison in Nikosia steuerte er sieben Tore und fünf Assists zur 27. Meisterschaft des Hauptstadtklubs bei. Darüber hinaus konnte er in der Champions League erste internationale Erfahrung sammeln und zwei Achtungserfolge (1:1 in Hin- und Rückspiel) gegen Borussia Dortmund feiern.

Ein Weltenbummler mischt den Breisgau auf

Nach diesem äußerst erfolgreichen Jahr in Zypern wechselte Sallai einen Tag vor Ende der Sommer-Transferperiode (und einen Tag nach Nikosias Ausscheiden in der Europa League-Qualifikation) zum SC Freiburg, wo er schon in den Wochen zuvor als möglicher Neuzugang gehandelt worden war. Bei seinem ersten Auftritt in Deutschland (3:1 gegen den VfL Wolfsburg) machte der Neuling gleich Lust auf mehr: Sallai war der auffälligste Mann auf dem Platz, erzielte das 1:0 und holte den Elfmeter heraus, der zum 2:0 führte, ehe er aufgrund einer Kopfverletzung vorzeitig ausgewechselt werden musste. In der Folge prasselten Lobeshymnen von allen Seiten auf den Senkrechtstarter ein.

Sallai ist nicht nur aufgrund seines Traumstarts ein hochinteressanter Spieler, der, wie so viele Freiburger, einen etwas unkonventionellen Weg in die Bundesliga genommen hat. In dem jungen Ungarn dürfte noch viel unausgeschöpftes Potenzial schlummern, gleichzeitig hat er aber schon einige Ecken der Fußball-Welt gesehen. Diese seltene Kombination aus Unbekümmertheit, Lernbegierigkeit und Erfahrung könnte ihn zu einer wertvollen Ergänzung für den Sportclub machen. Auf dem Platz dürfte der 21-Jährige den Breisgauern vor allem mit seinem Tempo und seiner Quirligkeit weiterhelfen, in dem er Räume für sich und seine Mitspieler schafft. Der 1,83 Meter große Sallai verfügt auch über eine ordentliche Schusstechnik, ist jedoch kein klassischer Vollstrecker, sondern ein fleißiger Wirbelwind, der sich im Schatten eines Stoßstürmers oder als offensiver Außenspieler am besten austoben kann.