Spieler-Portrait: Törles Knöll, 21 Jahre

Foto: Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images

Beim 1. FC Nürnberg drängt dieser Tage ein junger Stürmer in die Mannschaft: Törles Knöll, der am Donnerstag seinen 21. Geburtstag feierte, hat während der Länderspielpause sechs Testspieltreffer erzielt und will mit göttlicher Hilfe auch bald in der Bundesliga knipsen.

Knöll wurde am 13. September 1997 in der südhessischen Kleinstadt Dieburg unweit von Darmstadt geboren. Dort, in einer ländlichen Region, legte er zu Beginn des Jahrtausends bei zwei kleinen Lokalvereinen (TV Semd und GSV Gundernhausen) den Grundstein für seine Karriere. Mit acht Jahren kam Knöll ins Nachwuchsprogramm des SV Darmstadt 98, bevor er während seiner Jugendzeit drei Stationen im Rhein-Main-Gebiet abklapperte: Zwischen 2010 und 2012 spielte er für Eintracht Frankfurt, dann folgte ein Jahr beim Stadtrivalen FSV Frankfurt, ehe es 2013 zur U17 des 1. FSV Mainz 05 ging. Bei den Rheinhessen verbrachte der Stürmer seine letzten Jahre im Jugendfußball und avancierte in der Saison 2015/16 zum Top-Torjäger der U19-Junioren, wo zu dieser Zeit auch Ridle Baku und Suat Serdar spielten.

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Anders als Serdar und später auch Baku stieg Knöll in der Folge nicht zu den Mainzer Profis auf, sondern wechselte zum Hamburger SV, wo er über die nächsten zwei Jahre äußerst erfolgreich für die U23 auf Torejagd ging. Trotz seiner beeindruckenden Torquote in der Regionalliga Nord (38 Tore in 62 Spielen) und den wohl bekannten Nöten des Hamburger Bundesliga-Teams bekam Knöll bei den „Rothosen“ keine echte Bewährungschance im Profibereich. Lediglich ein 17-minütiger Einsatz am vierten Spieltag der abgelaufenen Saison (beim 0:2 in Hannover) war ihm vergönnt. Angesichts dessen verwundert es kaum, dass der ehemalige U20-Nationalspieler seinen Vertrag bei den Hanseaten nicht verlängerte und in diesem Sommer zum 1. FC Nürnberg wechselte.

Wille und Torriecher als Schlüssel zum Erfolg

Nach seinem Abschied übte Knöll deutliche Kritik an seinem Ex-Verein. „Ich hatte den Eindruck, dass es beim HSV in der letzten Saison nicht immer nach Leistung ging. Man hat lieber auf die Alteingesessenen gesetzt statt es auch mal mit der Jugend zu versuchen“, schilderte er der Bild-Zeitung. Im jungen Nürnberger Team scheint dies anders zu sein: Knölls starke Vorbereitung mit fünf Treffern wurde von Trainer Michael Köllner registriert und mit zwei Joker-Einsätzen in den ersten beiden Pflichtspielen belohnt. In den zwei Testspielen während der zurückliegenden Länderspielpause glänzte der Youngster nun mit sechs weiteren Toren – es dürften also weitere Einsatzminuten folgen.

Knöll hat sowohl beim HSV als auch in den diesjährigen Testspielen bewiesen, dass er über einen ausgeprägten Torinstinkt verfügt. Die Spielweise des 1,84 Meter großen Rechtsfußes entspricht der eines traditionellen „Neuners“: Knöll hat eine kräftige Statur, beackert seine Gegenspieler und lauert vor dem gegnerischen Tor auf seine Chance. Der gebürtige Hesse ist kein Edeltechniker, doch er weiß, wo ein Stürmer zu stehen hat und wie er sich auf engem Raum behaupten kann. Er selbst sieht sich als „Spieler, der über den Willen kommt“ und bis zur letzten Minute für seine Mannschaft kämpft.

Beten fürs erste Bundesliga-Tor

Ob Torinstinkt und Kampfeswillen für Knöll letztendlich genügen, um ein effektiver Erstliga-Stürmer zu werden, ist schwer zu prognostizieren, denn bisher hat er seine Qualitäten nur auf eher niedrigem Niveau zeigen können. Die Chance, sich im Fußball-Oberhaus zu messen, hat sich das ambitionierte Talent aber über die letzten Jahre redlich verdient. Bei seinem Versuch, diese Chance zu nutzen, setzt Knöll nicht nur auf Ehrgeiz und Fleiß, sondern auch auf Unterstützung von ganz oben. Bei Club TV kündigte er während der Sommerpause an, vor seinem ersten Spiel im Max-Morlock-Stadion beten zu wollen – unter anderem für sein erstes Bundesliga-Tor. Neben dem Glauben ist für Knöll auch die Familie ein wichtiger Stabilitätsanker im Leben. Auf seiner Brust prangt eine Tätowierung mit der Aufschrift „mia famiglia, mia vita“, zu deutsch: „Meine Familie, mein Leben.“